Forschungs- und Entwicklungszentrum PSA will offenbar den technologischen Kern von Opel zerschlagen

Der Autobauer plant laut einem Bericht den Verkauf großer Teile von Forschung und Entwicklung. Opel bestätigt, „strategische Partnerschaften“ zu prüfen.
Update: 04.07.2018 - 08:18 Uhr Kommentieren

Volumen von 500 Millionen Euro – Teile von Opel sollen verkauft werden

Paris, DüsseldorfDie Opel-Mutter Peugeot Citroën (PSA) prüft laut einem Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“ den Verkauf großer Teile des vor allem in Rüsselsheim angesiedelten Forschungs- und Entwicklungszentrums. Insgesamt 8000 Angestellte arbeiten im technologischen Kern der Marke mit dem Blitz.

Opel erklärte am Mittwoch, für das Entwicklungszentrum mögliche Partnerschaften auszuloten. Das Sanierungsprogramm „PACE“ könne zusätzlich zu internen organisatorischen Maßnahmen „auch strategische Partnerschaften umfassen“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

„Le Monde“ bezieht sich auf ein internes Dokument von Mitte Mai diesen Jahres. Daraus gehe hervor, dass PSA „das Forschungs- und Entwicklungszentrum seiner deutschen Tochter weitgehend amputieren will.“ Zum Verkauf angeboten würden die Bereiche Antrieb, Fahrzeug-Engineering sowie Werkzeug- und Lackiertechnik.

PSA soll diese Aktivitäten, auf die gut die Hälfte der gesamten Mitarbeiter dort entfallen, mehreren Ingenieurbüros angeboten haben, darunter den Franzosen Altran, Akka und Segula sowie der deutschen Bertrandt. Altran stehe in fortgeschrittenen Verhandlungen mit der französischen Mutter.

„Stark rückläufiges Volumen“ bei den Aufträgen

Formal werde eine Partnerschaft oder ein Teilverkauf angestrebt. Das würde es PSA ermöglichen, juristisch die den Mitarbeitern gegenüber eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. Später könnte man sich dann ganz zurückziehen. Um den Interessenten den Kauf schmackhaft zu machen, soll PSA eine bestimmte Auslastung durch eigene Aufträge zugesagt haben. Ein PSA-Sprecher wollte „Spekulationen“ nicht kommentieren.

Der Opel-Sprecher betonte, das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim werde auch künftig alle Opel-Modelle entwickeln und die Aufgaben der 15 Kompetenzzentren für die gesamte PSA-Gruppe übernehmen. Wegen des „stark rückläufigen“ Volumens von Auftragsarbeiten für General Motors und im Rahmen der Mitbestimmung gelte es, mit den Sozialpartnern eine Lösung zu finden. Dies sei Bestandteil der Ende 2017 unterzeichneten Rahmenvereinbarung. Bisher seien keine Entscheidungen getroffen.

PSA hatte den Kauf von Opel im vergangenen Herbst abgeschlossen. Möglicherwies hat sich PSA-Chef Carlos Tavares sich gravierend verkalkuliert, sowohl was die Produktivität der Werke angeht als auch mit Blick auf ein zusätzliches Forschungs- und Entwicklungszentrum.

Erst vor wenigen Wochen hatte sich Opel-Chef Michael Lohscheller im Auftrag von Tavares mit dem Betriebsrat auf Zugeständnisse bei den Löhnen geeinigt, um Arbeitsplätze zu sichern. Tavares hatte noch im Mai gesagt, es gebe konkrete Modell- und Entwicklungspläne für alle Opel-Standorte und er wolle „gerne lernen, wie die deutsche Mitbestimmung funktioniert.“ Rüsselsheim spiele als Entwicklungsstandort eine Schlüsselrolle für PSA.

Spartenverkäufe bleiben ein Thema

Nach der Einigung mit dem Betriebsrat Ende Mai hatte es Sorgen in Frankreich gegeben, dass ein großer Teil der Entwicklungsarbeit nach Rüsselsheim verlagert werde. Möglicherweise kommt es dazu sogar – nur wären die Mitarbeiter nicht mehr für Opel tätig, sondern für einen neuen Eigentümer.

Ende Mai hatte das Handelsblatt berichtet, dass nach Angaben aus Unternehmenskreisen der Verkauf von Unternehmensteilen geprüft werde. Opel erwäge eine Verwertung der Antriebssparte, der Prüfstände, des Prototypenbaus, des Werkzeugbaus und des Testzentrums in Dudenhofen. Bis zu 3000 Mitarbeiter wären davon betroffen. „Es gibt keine Entscheidungen über etwaige strategische Partnerschaften oder den Verkauf von Teilen des R&D Centers in Rüsselsheim“, erklärte dazu ein Opel-Sprecher.

Der Begriff „Ingenieurbüro“ für die Abteilung ist nicht mehr ganz zutreffend. Was früher tatsächlich reine Design- oder Berechnungsbüros waren, sind heute aufgrund von zunehmendem Outsourcing der großen Hersteller zu Firmen geworden, die immer mehr echten Zulieferern gleichen. So hat etwa Akka von Daimler MB Tech übernommen.

Mit dem Verkauf des Forschungs- und Entwicklungszentrums würde PSA ausgerechnet den Teil von Opel abgeben, der den Anspruch einer eigenständigen deutschen Marke untermauert. Gerade deshalb hatte Tavares Opel kaufen wollen: um den Kunden, die keine französische Marke kaufen wollen, eine Alternative anbieten zu können. Doch ohne eigene Entwicklung werden Opel-Modelle nur französische Autos mit aufgestecktem Blitz sein.

Mit Material von dpa.

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