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Frankreichs größter Autobauer Harte Gewerkschaftskritik: Krach bei PSA um Aktienrückkauf und Arbeitsbelastung

„Der soziale Dialog geht den Bach runter“, bemängelt der eigentlich gemäßigte französische Gewerkschaftsbund CFDT. PSA-Chef Tavares muss reagieren.
19.10.2020 Update: 19.10.2020 - 22:25 Uhr Kommentieren
Der PSA-Chef hat trotz seines Sanierungskurses die Gewerkschaft CFDT auf seiner Seite gewusst – das ändert sich nun. Quelle: Reuters
Carlos Tavares

Der PSA-Chef hat trotz seines Sanierungskurses die Gewerkschaft CFDT auf seiner Seite gewusst – das ändert sich nun.

(Foto: Reuters)

Paris Lob für die „konstruktiv und verantwortungsbewusst handelnden Gewerkschaften“, wie Carlos Tavares es ausdrückt, gehört zum Standardrepertoire des Peugeot-Citroën-Opel(PSA)-Chefs. Doch jetzt bekommt der Sanierer ungewohnt harte Kritik von Arbeitnehmervertretern.

Die als moderat und reformerisch geltende CFDT geht das Management hart an: „PSA profitiert von Covid, aber die Mitarbeiter leiden unter den Folgen.“ Die Arbeitnehmervertreter erzürnt, dass der Konzern rund zehn Millionen eigene Aktien vom chinesischen Anteilseigner Dongfeng zurückgekauft und anschließend vernichtet hat. Kostenpunkt: 163 Millionen Euro.

Der größte Gewerkschaftsbund Frankreichs hält das für einen Skandal: „Der Steuerzahler stützt PSA finanziell, da kann man erwarten, dass das Unternehmen etwas zurückgibt.“ Das Geld wäre sehr viel besser angelegt gewesen, „wenn die Aktien an die Mitarbeiter oder an andere Interessenten verkauft und die resultierende Liquidität für Forschung und Entwicklung eingesetzt worden wäre, um Jobs in Frankreich zu schützen“, ärgert sich Christine Virassamy, die bei PSA die Repräsentanz der CFDT führt.

Der Aktienrückkauf sei bei Weitem nicht das einzige Ärgernis. Seit Monaten weise die Gewerkschaft das Management darauf hin, dass die Mitarbeiter in den Werken am Anschlag arbeiteten, weil die Nachfrage nach Peugeot, Citroën und DS sich, anders als bei Opel, gut halte. Die Belegschaft dagegen sei auf ein Minimum reduziert worden, sodass viele Wochenendschichten und Überstunden gefahren würden. Tavares selbst weist gern darauf hin, dass sein Unternehmen „so agil“ sei, dass die Werke selbst bei einer Auslastung von nur rund zwei Drittel noch profitabel seien.

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    Die CFDT kritisiert auch, dass die Führung des Konzerns sich bei der Telearbeit nicht an die geltenden Regelungen halte. Nach französischem Recht können die Mitarbeiter selbst bestimmen, an welchen Tagen sie ins Büro kommen wollen, soweit sich die individuellen Wünsche mit den Planungen in Übereinstimmung bringen lassen. Maximal 50 Prozent der Mitarbeiter sollen gleichzeitig im Büro sein.

    Bei Frankreichs größtem Autohersteller aber ersetze die Anordnung des Vorgesetzten die Initiative der Mitarbeiter. „Die Vorgesetzten entscheiden einfach, wann der Einzelne erscheinen soll, das widerspricht dem Geist und Buchstaben der Regeln“, kritisiert Virassamy und sagt: „Bei PSA geht der soziale Dialog den Bach runter.“

    Gutes Geschäft für Dongfeng

    Stattdessen erlebe man immer häufiger einen Monolog oder eine „rhetorische Einbahnstraße“. Ein Unternehmenssprecher sagte dem Handelsblatt, die Kritik sei nicht nachvollziehbar und werde in dieser Form auch nur von der CFDT geäußert. „Wir leben weiter den Geist der ‚co-construction‘.“ Gemeint ist damit eine Art partnerschaftlichen Zusammenwirkens und konsensualer Vorbereitung von Entscheidungen.

    „Der Kritik am Aktienrückkauf hat sich bislang nur eine andere Gewerkschaft angeschlossen, der soziale Dialog funktioniert im Unternehmen, das beweist auch die Tatsache, dass wir vor einer Woche mit allen repräsentativen Gewerkschaften eine Vereinbarung über eine Pflege-Lösung abgeschlossen haben,“ sagt ein PSA-Sprecher dem Handelsblatt weiter.

    Die CFDT sieht davon im Moment nichts mehr. Die Modalitäten des Aktienrückkaufs etwa habe man aus den Medien erfahren. Auf die Frage, warum erst Wochen nach der Ende September durchgeführten Maßnahme reagiert wird, antwortet die CFDT-Gewerkschafterin, einige Details seien erst jetzt bekannt geworden. Vor allem wolle man wissen, wie die Konzernführung bei den noch ausstehenden Millionen von Aktien, die Dongfeng ebenfalls abgeben werde, verfahren wird.

    Im Rahmen der Fusionsvereinbarung mit Fiat-Chrysler (FCA) war abgemacht worden, dass die Beteiligung des chinesischen Aktionärs zurückgeführt werden solle. Für die US-Regierung war das angeblich eine Bedingung, dem Deal zuzustimmen. Für Dongfeng ist das kein schlechtes Geschäft: Die PSA-Aktien haben sie auf dem Tiefpunkt der Konzernkrise zu einem Preis von 7,50 bis acht Euro erworben. Der Rückkauf wird mit 16,38 Euro je Papier bewertet.

    Die Kritik der CFDT sollte das Unternehmen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bei PSA sind in den vergangenen Jahren mit Blick auf die Verkleinerung von Werken oder die interne Mobilität viele harte Entscheidungen getroffen worden, ohne dass es zu Streiks kam. Und das, obwohl Tavares, der als Kostenkiller gilt, im Umgang mit Gewerkschaften nicht immer eine glückliche Hand hatte. Solange Opel noch mit erheblichen Absatzeinbrüchen zu kämpfen hat, kann PSA keinen internen Konflikt in Frankreich gebrauchen.

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