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Gasturbinen Ein Pakt mit Chinesen verschafft Siemens Luft im Kraftwerksgeschäft

Das Kraftwerksgeschäft von Siemens steckt seit Längerem in der Krise. Ein Deal von Konzernchef Joe Kaeser sorgt jetzt aber für mehr Spielraum.
16.07.2018 - 19:17 Uhr Kommentieren
Im Konzern geht man davon aus, dass der Markt auch längerfristig nicht mehr zu alter Größe zurückfinden wird. Quelle: imago/IPON
Siemens-Gasturbine

Im Konzern geht man davon aus, dass der Markt auch längerfristig nicht mehr zu alter Größe zurückfinden wird.

(Foto: imago/IPON)

München In kleinen Arbeitsgruppen feilt Siemens-Chef Joe Kaeser derzeit an der neuen Konzernstrategie. Am 2. August will er seine „Vision 2020+“ der Öffentlichkeit vorstellen. Automatisierung und Industriesoftware werden dabei eine zentrale Rolle spielen, auch die Medizintechniktochter Healthineers soll trotz Verselbstständigung und eines erfolgreichen Börsengangs weiter zum Konzern gehören.

Die Zukunft der kriselnden Kraftwerkssparte ist dagegen offen. Lange war gerade das Geschäft mit den großen Gasturbinen die Ertragsperle des Konzerns, die viele andere, schwächelnde Geschäfte mitschleppte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Markt für große Gasturbinen ist eingebrochen. Kapazitäten für 400 Stück pro Jahr haben die Hersteller in Boomzeiten aufgebaut. In Zeiten der Energiewende werden inzwischen laut Insidern aber deutlich weniger als 100 verkauft.

Im Konzern geht man davon aus, dass der Markt auch längerfristig nicht mehr zu alter Größe zurückfinden wird. Er sei überzeugt davon, dass das Geschäft auf mittlere Sicht nicht mehr zum Konzern gehören wird, sagte ein Siemens-Manager dem Handelsblatt – und steht mit dieser Einschätzung nicht allein da. Kaeser selbst hatte angedeutet, dass es wenig Synergien zwischen den großen Gasturbinen und anderen Siemens-Sparten gebe.

Doch bislang war ein Exit nur schwer vorstellbar. Denn alle vier Anbieter – General Electric mit Alstom, Siemens, Mitsubishi und Ansaldo – haben mit dem Preisdruck und Überkapazitäten zu kämpfen. Keiner von ihnen dürfte interessiert sein, sich weitere Werke ans Bein zu binden.

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    Mit einem Bündnis mit Chinesen erweitert Siemens nun seinen Spielraum. „Kaeser eröffnet sich neue Optionen“, heißt es in Industriekreisen. Beim Deutschland-Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang hatte der Siemens-Chef in Berlin eine Absichtserklärung unterzeichnet. Man prüfe eine „technologische Zusammenarbeit bei großen Gasturbinen“, hieß es.

    Partner ist die State Power Investment Corporation (SPIC). Siemens will die Chinesen bei der Forschung und Entwicklung unterstützen und „Training und Technologieberatung“ geben. Auf dieser Basis könnten die Chinesen dann in den nächsten Jahren eine eigene Gasturbine entwickeln.

    Die chinesische Führung hatte das Ziel ausgegeben, ein eigenes starkes Geschäft mit Kraftwerken für fossile Brennstoffe aufzubauen. Für die etablierten Anbieter heißt das erst einmal nichts Gutes, galt doch China als einer der letzten verbliebenen Hoffnungsmärkte im Kraftwerksgeschäft. Doch mit der Starthilfe von Siemens könnte nun ein neuer Wettbewerber entstehen – und sich die Wettbewerbssituation noch einmal verschärfen.

    Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen will Kaesers Konzern den Chinesen aber nicht die neueste Technologie zur Verfügung stellen. Basis der Vereinbarung ist nach diesen Informationen die Turbine SGT5-7000F der sogenannten F-Klasse.

    Siemens hatte die Weiterentwicklung dieses Typs mit bis zu 300 Megawatt 2013 eingestellt und sich auf die größere und noch effizientere H-Klasse konzentriert. Den Chinesen sollen nun die sogenannten Software-Designtools zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Basis können sie dann eine eigene Gasturbine entwickeln.

    Im Umfeld des Konzerns wird betont, dass sich daraus nicht einfach zum Beispiel eine modernere H-Klasse weiterentwickeln lasse. Der technologische Vorsprung bleibe gewahrt. Siemens dagegen verdiene nun noch einmal Geld mit einer Entwicklung, die eigentlich schon abgeschlossen gewesen sei. In Branchenkreisen wird ein dreistelliger Millionenbetrag über mehrere Jahre geschätzt. Zudem eröffne das Bündnis ganz neue Möglichkeiten.

    Siemens sichere sich zusätzliche Marktzugänge in China und könne zudem später Komponenten für eine chinesische Turbine zuliefern. „So hat Siemens einen Fuß in der Tür – das ist besser, als wie die Konkurrenten vor der Tür zu stehen.“ In Industriekreisen gilt es als möglich, dass Siemens die Kooperation mit den Chinesen in einigen Jahren ausweitet.

    Denkbar sei zum Beispiel, dass dann weitere Technologie lizenziert werde. Auch gebe es Szenarien, wie sich Siemens über Partnerschaften aus dem Geschäft zurückziehen könne. Für Kaeser seien große Gasturbinen nicht mehr Bestandteil der Siemens-Zukunft, für die chinesische Führung aber seien sie eine Schlüsseltechnologie, schreibt ein Siemensianer in einem Forum der IG Metall. Was liege da näher, als „den Einstieg in den Ausstieg“ über eine Entwicklungspartnerschaft einzuleiten, fragt er.

    Im Umfeld des Konzerns wird betont, dass noch keinerlei Entscheidungen gefallen seien. Die Kooperation mit den Chinesen stehe am Anfang, nun müsse erst einmal ein Vertrag unterzeichnet werden. Damit rechnen Insider in den kommenden Wochen. Kaeser selbst muss am 2. August klarstellen, ob die großen Kraftwerksturbinen noch Teil seiner „Vision 2020+“ sind.

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