Gazprom Russischer Versorger gibt in Europa Gas

Der russische Gasriese Gazprom festigt seine Position in Westeuropa mit einem groß angelegten Anteilstausch mit dem Ludwigshafener BASF-Konzern. Doch die massive Expansion birgt auch Gefahren.
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Gazprom tauscht Anteile mit dem Chemieriesen BASF. Quelle: ap

Gazprom tauscht Anteile mit dem Chemieriesen BASF.

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MoskauFür den russischen Staatskonzern Gazprom geht ein langjähriger Traum in Erfüllung. Endlich habe der Rohstoffgigant auf westeuropäischem Boden Zugang zum wichtigen Endkundenmarkt, jubelt Gazprom-Chef Alexej Miller. Möglich macht das ein breit angelegter Anteilstausch mit dem weltgrößten Chemiekonzern BASF – dadurch stockt Gazprom seinen Anteil an Gasspeichern und Gashandelsunternehmen massiv auf. So gehört etwa der Kasseler Betreiber Wingas bald komplett den Russen. Die erwerben damit auch wertvolles Know-how.

Mit dem BASF-Deal setzen sich Gazprom und „Gas-Putin“ nun im Westen fest. Bislang bremst vor allem die Europäische Union die Expansionspläne, die der russische Präsident Wladimir Putin stets befeuert. Dazu gehört auch, dass der Kremlchef stets das Dritte Energiepaket geißelt, mit dem die EU eigentlich die Marktmacht von Lieferländern begrenzen will. Mittlerweile hat die EU gegen Gazprom ein Kartellverfahren eingeleitet. Doch wenn sich die Großkonzerne bilateral einigen, hat Brüssel kaum eine Chance.

Vielmehr steigt der Einfluss von Gazprom, bekannt als Trikot-Sponsor des FC Schalke 04, auf den europäischen Gasmarkt immer weiter. Eine regelrechte Gasklammer soll die Abhängigkeit des Kontinents von dem Kremlkonzern erhöhen. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt Gazprom bereits durch zwei Leitungen das „blaue Gold“ direkt nach Deutschland, ein Ausbau wird erwogen. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichteren Zugang zum südeuropäischen Markt.

Doch der russische Vormarsch beschränkt sich keinesfalls aufs Gas. So ist das Staatsunternehmen Rosneft spätestens mit dem spektakulären Milliardenkauf des russisch-britischen Ölförderers TNK-BP in die Phalanx der Megakonzerne eingebrochen. Nun plant der von Putin-Intimus Igor Setschin geführte Ölriese eine eigene Großbank.

Einfluss der russischen Rohstoff-Lobby als zu hoch eingeschätzt
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6 Kommentare zu "Gazprom: Russischer Versorger gibt in Europa Gas"

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  • Idealerweise sollte sich Gasprom direkt am Endkundengeschäft beteiligen. Damit brechen sicher die exorbitanten Gewinne der deutschen Gasversorgen weg. Aber wen stört das. Hauptsache das Gas ist preiswert. Die Liberalisierung des Gasmarktes macht es möglich. Als Endverbraucher abe ich doch die Möglichkeit meinen Versorger frei zu wählen.
    Ob ich nun einem deutschen oder einem russischen Gasanbieter ausgeliefert bin, ist mir gleich.

  • Die Gasprom ist ein natürlicher Monopolist im Gasgeschäft und hat zumindest in Europa die meisten Gasvorräte. Russland liegt zudem vor unserer Haustür und hat für Europa geografische Vorteile bei Gaslieferungen. Die Abhängigkeit zwischen Europa und Russland ist gegenseitig : europäische Länder benötigen Gas, Russland benötigt Devisen.
    Die Gasförderung und der Gastransport sind sehr kostspielig.
    Der Verkauf des Gases an Endabnehmer und Verbraucher dagegen ist sehr lukrativ : man muss hier nur das Verteilernetz besitzen, was im Vergleich zu Transitleitungen kostenmäßig unbedeutend ist.
    Diese Verteilernetze in Deutschland besitzen Ruhrgas ( eON ) und Wingas ( BASF ). Diese Firmen machen auch den Reibach im Gasgeschäft bei den Verbrauchern.
    Ob man den Russen jetzt auch noch das Verteilernetz überlässt, ist sehr fraglich...? Man stelle sich vor, mit Russland könnten Konflikte entstehen und denen gehört unser Gasverteilernetz...? Und die Russen Verweigern die Einspeisung zum Beispiel vom Norwegischen Gas ? Oder die Einspeisung aus Gasspeichern, die ihnen auch gehören ?
    Diese Geschäfte sollten doch im Einklang mit nationaler Energieversorgungssicherheit stehen.
    Aus meiner sich lässt sich die BASF hier über den Tisch ziehen und gefährdet unsere Energieversorgungsinteressen !

  • Dann sind wohl jetzt die nowegischen Produzenten am Zug...

  • Eine Billion Kubikmeter Erdgas kann ich mir nicht vorstellen. Da sind Deutsche Haushalte für lange versorgt. Und auch BASF verdient kräftig daran. Gasprom wird sich ernüchtern müssen: andere Versorger, Brüssel und der Kunde werden sich anders benehmen als erwünscht.

  • Gazprom macht einen sinnvollen Schritt. Sie festigen ihre Marktposition und sichern Europas Gasversorgung. North und South Stream sind für Europa nur von Vorteil, denn so muss das Gas nicht mehr durch unsichere Staaten wie Ukraine. Langfristig wird Gazprom durch diesen Tausch profetieren, denn zieht die Konjunktur in Europa erstmal wieder an, wird auch der Gasbedarf steigen. Dann aber wird Gazprom schon direkt beim Kunden sitzen und die Nachfrage noch besser bedienen können.

  • "Eine regelrechte Gasklammer soll die Abhängigkeit des Kontinents von dem Kremlkonzern erhöhen. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt Gazprom bereits durch zwei Leitungen das „blaue Gold“ direkt nach Deutschland, ein Ausbau wird erwogen. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichteren Zugang zum südeuropäischen Markt."
    Was ist das für eine Paranoia? Die Nord und South Stream sind nur die Ersatzleitungenleitungen für die durch Erpresserstaaten wie Polen, Ukraine usw. durchlaufenden alten Röhren.
    Mehr Gas dadurch zu verkaufen als Europa braucht kann Russland nicht. Wieso wärmt der Autor diesen alten Witz auf?

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