Gebrauchtwagen-Portal Daimler will sich bei Volkswagens Start-up Heycar einkaufen

Volkswagen will die Gebrauchtwagenplattform Heycar zum Rivalen von Mobile.de und Auto1 aufbauen. An der Neugründung will sich nun Daimler beteiligen.
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VW-Start-Up: Daimler will sich an Heycar beteiligen Quelle: dpa
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Der Markt für gebrauchte Autos in Deutschland ist fast so groß wie der Neuwagenmarkt.

(Foto: dpa)

Frankfurt, DüsseldorfAn Ambitionen mangelt es den Führungskräften von Volkswagen nicht. Als der Autobauer im Oktober seine Tochter Heycar an den Start brachte, gab Christian Dahlheim als Vertriebschef der Finanzsparte die Marschrichtung vor: „Wir haben den Anspruch, uns perspektivisch als Plattform Nr. 1 für höherwertige Gebrauchtwagen in Deutschland zu positionieren“, sagte Dahlheim.

Die etablierten Internetseiten Mobile.de und Autoscout24, über deren Systeme bereits Millionen Fahrzeuge vermittelt werden, will die VW-Tochter zur Seite drängen. Seit dem Frühjahr wirbt der VW-Spross intensiv mit einer Werbekampagne für seine Dienste.

Um Kraft für die weitere Expansion zu gewinnen, wollen die Wolfsburger weitere Partner an Bord holen. Intensiv hätten die Unterhändler von Volkswagen darüber mit Vertretern anderer Hersteller in den vergangenen Monaten gesprochen, wie es in der Branche heißt. Mit Erfolg: Der Daimler-Konzern bereitet jetzt den Einstieg bei Heycar vor.

Die Stuttgarter wollen einen Anteil von 20 Prozent übernehmen, wie das Handelsblatt aus den Reihen der beteiligten Unternehmen erfahren hat. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, allerdings müssten noch Details geklärt werden. Der Deal könnte bereits in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden. VW und Daimler äußerten sich nicht dazu.

Heycar ist ein Baustein, mit dem die Autohersteller aus ihrem etablierten Geschäft – dem Bau von Fahrzeugen – ausbrechen wollen. BMW, Daimler, Volkswagen und andere Firmen haben dazu eine Reihe von Start-ups gegründet, die allesamt neue Mobilitätskonzepte entwickeln. Diese Expansion ist aus Sicht der Unternehmen nötig, um dem Vormarsch neuer Wettbewerber aus dem Silicon Valley Einhalt zu gebieten. Schwergewichte wie Google, aber auch neue Akteure wie Uber sehen diese Mobilitätskonzepte als ein lukratives Geschäft an.

„Die Kunden sind künftig weniger bei den Händlern vor Ort unterwegs als vielmehr auf digitalen Plattformen. Die Autohersteller müssen hier Fuß fassen“, erklärt Stefan Bratzel. Der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) an der Wirtschaftsfachhochschule in Bergisch Gladbach ist überzeugt: „Am Ende geht es darum, wer den Kontakt zum Kunden hat.“ Denn nur wer im Austausch mit den Kunden sei, könne ihnen auch erweitere Services anbieten. Bisher wissen Volkswagen, Daimler und BMW aber erstaunlich wenig über die Menschen, die ihre Produkte millionenfach kaufen.

Daimler geht davon aus, bis 2025 rund 25 Prozent seiner Fahrzeuge online absetzen zu können. Aber nicht nur der digitale Neuwagenverkauf ist für Autobauer wie Daimler interessant. Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland ein Gesamtumsatz mit Gebrauchtwagen von mehr als 82 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz bei Neuwagen ist mit 104 Milliarden Euro nur um etwa ein Fünftel höher. In Europa liegen die Umsatzvolumina mit Gebrauchten bei mehr als 350 Milliarden Euro.

„Gebrauchtwagen- und Neuwagengeschäft muss man zusammen sehen“, mahnt daher Autoprofessor Bratzel. Er sieht noch großes Potenzial für die Fahrzeughersteller bei digitalen Kanälen. „Bei Portalen, die die Autohersteller entwickeln, ist noch viel Musik.“ Gerade dann, wenn es Volkswagen, Daimler und Co. gelingt, nur als Vermittler aufzutreten. „So lassen sich die Umsätze schnell skalieren, während die Kosten gering bleiben“, sagt Bratzel. Gleichzeitig gibt es freilich auch Risiken.

Für die Autobauer wird die Ausweitung ihres Kerngeschäfts zunehmend zu einer finanziellen Belastung. Die Investitionen müssen sie neben den milliardenschweren Ausgaben für die Elektromobilität stemmen. Die Konzerne sind daher offen für Kooperationen geworden. Beim Kartendienst Here sind alle deutschen Autofirmen beteiligt. Um die Verluste ihrer Mietflotten zu begrenzen, wollen BMW und Daimler ihre Ableger DriveNow und Car2go fusionieren.

Es ist Bewegung in diese neuen Geschäftsfelder gekommen. Volkswagen hat sich daher auch offen für einen Einstieg von Konkurrenten bei Heycar gezeigt, wie Branchenkenner berichten. Über die Plattform würden schon heute Fahrzeuge von Mercedes und anderer Hersteller vertrieben. Daher spreche nichts dagegen, wenn sich diese auch an der Internetplattform beteiligten.

Heycar ist ein ambitioniertes Projekt und ein wichtiger Verkaufskanal für die Konzerne. Nicht zuletzt wegen der Dieselkrise ist das Geschäft mit gebrauchten Autos schwieriger geworden. Zunehmend werden die Fahrzeuge über das Internet gehandelt.

Mit Heycar will VW – und künftig auch Daimler – den Händlern eine Plattform geben, um in dem Geschäft nicht abgehängt zu werden. Derzeit hat das Start-up der Wolfsburger nach eigenen Angaben 300.000 Autos im Angebot. Heycar ist damit im Vergleich zu Konkurrenten, die mehrere Millionen Fahrzeuge offerieren, ein Zwerg. Zumindest noch.

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