Gebrauchtwagenmarkt Das Dieselauto als Problemfall

Manipulationen, Tricksereien, Fahrverbote: Immer weniger Menschen wollen einen Diesel. Der Grund: Das Image ist miserabel, die Verbraucher sind verunsichert. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird das zunehmend zum Problem.
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Wer seinen Diesel loswerden will, muss bei Gebrauchtwagenhändlern mit einem Abschlag von 20 Prozent auf den Restwert rechnen. Quelle: dpa
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Wer seinen Diesel loswerden will, muss bei Gebrauchtwagenhändlern mit einem Abschlag von 20 Prozent auf den Restwert rechnen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Deutschen und ihre Autos – jahrzehntelang war das eine uneingeschränkte Liebesgeschichte. Doch nach Abgas- und Dieselskandal droht diese Liebe erhebliche Risse zu bekommen: Das Dieselauto entwickelt sich vom Liebling der Vielfahrer zum Problemfall für Autobesitzer. Zu negativ waren die Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate, zu realistisch das Szenario eines Fahrverbots.

Einer, der das hautnah mitbekommt, ist Andreas Kraemer. Er ist Geschäftsführer des Autohandels P&A-Preckel, der im gesamten Rheinland mit gut 14.500 Fahrzeugen pro Jahr handelt. „Viele Kunden haben ihre Kaufentscheidungen zurückgenommen und sind von einem Diesel auf einen Benziner umgestiegen. Die Verunsicherung ist spürbar“, berichtet er. Besonders betroffen seien die gewerblichen Partner, da Modelle für diese zum Großteil Diesel sind. „Seit im letzten Jahr zum ersten Mal über Fahrverbote – unter anderem in Düsseldorf – spekuliert wurde, ist die Skepsis gestiegen“, erzählt Kraemer. Und das bei aller Abhängigkeit vom Diesel, die laut Kraemer noch immer besteht – trotz Benzin- und Elektromotoren. „Wenn alle Menschen Benziner fahren, steigt die Belastung für die Umwelt immens. Und um alle Fahrzeuge auf Elektroautos umzustellen, fehlen ja noch die Ressourcen.“

Diese Autobauer sind im Visier der Diesel-Ermittler
Daimler
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Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen zwei Mitarbeiter des Autobauers wegen des Verdachtes der Abgasmanipulation und strafbarer Werbung. Dabei soll es sich nicht um Vorstandsmitglieder handeln. Ermittelt wird auch gegen weitere Unbekannte. Ende Mai durchsuchten die Strafverfolger mit mehr als 230 Beamten elf Standorte, um Beweise sicherzustellen.

Daimler
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Laut einem Medienbericht wird im Durchsuchungsbeschluss auf eine Million Fahrzeuge verwiesen, die zwischen 2008 und 2016 in Europa und den USA verkauft wurden. In den USA ermitteln das Justizministerium und die Umweltbehörden EPA und CARB ebenfalls, ob Daimler illegale Abschalteinrichtungen einsetzte. Der Konzern erklärte, mit den Behörden zu kooperieren und beiden die gleichen Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Volkswagen
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Die Wolfsburger kämpfen juristisch an zahlreichen Fronten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt allein wegen der Manipulation von Dieselabgasen gegen insgesamt 37 Beschuldigte, darunter ist auch der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn (im Bild). Gegen ihn sowie VW-Markenchef Herbert Diess und den früheren Finanzvorstand und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dieter Pötsch laufen zudem Untersuchungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Insgesamt sind in Braunschweig fünf Verfahren mit 47 Beschuldigten anhängig, darunter auch eines wegen Ordnungswidrigkeit gegen Volkswagen.

Volkswagen
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In den USA hat der Konzern die Einstellung der Verfahren wegen Betrugs gegen ein Schuldeingeständnis und milliardenschwere Schadensersatzzahlungen erreicht. Dort laufen noch strafrechtliche Ermittlungen gegen frühere Manager und Entwickler. Zwei von ihnen sitzen in U-Haft, einer von ihnen gilt als Kronzeuge. Fünf weitere frühere oder beurlaubte VW-Mitarbeiter in Deutschland hat die US-Justiz weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

VW-Hauptaktionär Porsche SE
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Wegen des Verdachts der Marktmanipulation sind die Strafermittler in Stuttgart auch gegen Verantwortliche des VW-Hauptaktionärs Porsche Automobil Holding SE aktiv geworden. Zuvor war eine Anzeige der Finanzaufsicht BaFin gegen die damals amtierenden Vorstände der Porsche SE eingegangen.

VW-Hauptaktionär Porsche SE
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Dabei handelt es sich um den heutigen VW-Chef Müller (r.), seinen Vorgänger Winterkorn (l.) sowie den VW-Aufsichtsratschef Pötsch. Eine Anzeige der BaFin richtet sich auch gegen Porsche-Manager Philipp von Hagen, der ebenfalls im Vorstand des VW-Großaktionärs sitzt. Die Vorwürfe drehen sich um die Frage, ob VW die Anleger früh genug über die Erkenntnisse zu Manipulationen informiert hat.

Audi
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In der Dieselaffäre hatte die Staatsanwaltschaft München jüngst erstmals in Deutschland mit einen ehemaligen Audi-Mitarbeiter einen Manager verhaftet. Der Verdacht lautet auf Betrug und unlautere Werbung. Er soll Mitarbeiter der Audi-Motorenentwicklung angewiesen haben, Betrugssoftware anzuwenden. In den USA hat die Justiz Strafanzeige gegen den Manager erhoben, dem sie Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vorwirft. Bei Audi soll die Software ausgetüftelt worden sein, die später auch bei VW zur Manipulation von Dieselabgaswerten eingesetzt wurde.

Eine Studie des Internet-Autohändlers Autoscout24 dürften ebenfalls nicht zur Beruhigung von Händlern wie Kraemer beitragen: Bei einer repräsentativen Umfrage im deutschsprachigen Raum unter gut 1000 Personen gaben zwar 27 Prozent an, privat einen Diesel zu fahren. Beim Kauf eines neuen Autos würden davon aber nur noch 38 Prozent wieder nach einem Dieselauto schauen. Insgesamt würden das sogar nur 15 Prozent aller Autofahrer tun.

„Die Umfrage zeigt die Verunsicherung der Autofahrer aufgrund der anhaltenden Diskussionen und ungelösten Probleme beim Diesel“, kommentiert Sebastian Lorenz von Autoscout24 die Zahlen. Außerdem macht sich rund ein Viertel der Befragten Sorgen, wo man in Zukunft noch Dieselfahrzeuge fahren darf. Beliebter als der Diesel ist nach wie vor der Benziner, den 44 Prozent der Befragten vor anderen Antriebsarten bevorzugen würden – noch vor alternativen Antriebsarten wie Hybrid oder Elekro (29 Prozent).

Gerade bei den Onlinemarktplätzen macht sich die Dieselskepsis bemerkbar. Bei Mobile.de wurden im Mai 2016 rund 20 Prozent mehr Dieselautos angeboten als noch ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Bei Benzinern waren es gerade mal 1,6 Prozent mehr. Bei Autoscout24 ergibt sich ein ähnliches Bild: „Wir registrieren seit Anfang des Jahres eine stärkere Zunahme beim Angebot an Dieselautos im Vergleich zu den Benzinern“, erklärt Lorenz.

Viele Kunden der beiden Onlineportale wollen also ihre Dieselfahrzeuge loswerden – doch das abnehmende Interesse macht sich langsam auch auf der Käuferseite bemerkbar. Durchschnittlich waren die Angebote im Mai 2017 etwa auf Mobile.de 85 Tage online – bot man aber einen Diesel an, musste man im Schnitt immerhin dreieinhalb Tage länger auf einen Käufer warten. Zum Vergleich: Im Mai 2016 wartete man nur 80 Tage auf einen Käufer – insgesamt entspricht das einer Zunahme von über 11 Prozent. Wer einen Käufer für einen Benziner sucht, muss lediglich einen Tag länger warten, als im Vorjahr – nämlich 80 Tage.

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4 Kommentare zu "Gebrauchtwagenmarkt: Das Dieselauto als Problemfall"

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  • wer hat eigentlich den "Umweltverbänden" ein Mandat gegeben, für die Verbraucher zu sprechen. Bei der "Deutschen Umwelthilfe" u.v.a. handelt es sich wohl eher um einen Lobbyverein, der vor allem den eigenen Geldbeutel im Visier hat. Es dürfte wohl jedem klar sein, dass bei einem Auto (nicht nur beim nun als "Feind" auserkorenen Diesel) hinten "keine Blumen rauskommen". Trotzdem wird wieder, von interessierten (grünen) Kreisen, aus einer Mücke eine Elefant gemacht. Man erfährt mehr über das "ewige Spiel" der grünen Weltverbesserer, wenn man z.B. mal seine Suchmaschine mit "Tichys" und "Waldsterben" füttert. Es gibt auf dem Erdball wohl kein Volk, das zugunsten diverser "Rettungsszenarien" beharrlicher an der Abschaffung seiner eigenen Industrie und damit seines Wohlstands hinarbeitet.

    Mit den Grünen und Ihren Verbündeten zurück in die Steinzeit.

  • Das kan man doch sehen, was da hinten aus dem Auspuff kommt, oder etwa nicht?

    Und jetzt die Überraschung. Das muss man nicht verstehen.

  • Die Kraftstoffe sollen nach Energiegehalt besteuert werden und nicht nach Volumen, dann ist der Diesel Geschichte.

  • Hallo Julian, die Überschrift: "Diesel trotz aller Umweltdiskussionen stark gefragt" würde besser passen oder ? Wenn ein Diesel gerade mal 5 Tage länger beim Gebrauchtwagenhändler steht trotz der Diskussionen der letzten zwei Jahre, zeigt das das der Verbrauch und die Technik scheinbar nicht so schlecht sind.

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