Geely Volvo wird endgültig chinesisch

Lange hatte es sich gedauert, jetzt ist die Transaktion perfekt. Der chinesische Autobauer Geely hat Volvo gekauft. Mit dem schwedischen Autobauer haben die Chinesen die letzte europäische Premium-Tochter von Ford erworben - und stoßen in den Kreis der prominenten Autobauer vor.
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Die Flaggen der Vereinigten Staaten, Schwedens und Chinas wehen über der Zentrale von Volvo im Wind. Quelle: Reuters

Die Flaggen der Vereinigten Staaten, Schwedens und Chinas wehen über der Zentrale von Volvo im Wind.

(Foto: Reuters)

HB GÖTEBORG/FRANKFURT. Der chinesische Geely-Konzern übernimmt den schwedischen Autohersteller Volvo Cars von Ford. Wie Volvo am Sonntag in Göteborg mitteilte, unterzeichneten Vertreter beider Unternehmen den Kaufvertrag in der westschwedischen Stadt. Die bisherige US-Mutter Ford hatte Volvo im Gefolge der Finanzkrise zum Verkauf angeboten und sich im Dezember prinzipiell mit Geely geeinigt. Als Kaufpreis wurden von Medien 1,8 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Euro) genannt.

Bereits Mitte Dezember hatte Geely eingeräumt, sich einer Transaktion mit Ford zu nähern. In Branchenkreisen wurde geschätzt, dass der größte private Autobauer der Volksrepublik rund 1,8 Mrd. Dollar für die schwedische Volvo zahlen müssen würde. So ist es nun allem Anschein nach auch gekommen. Der Zeitpunkt für den Abschluss ist kein Zufall: Chinas Vize-Präsident Xi Jinping ist seit Samstag zu einem Staatsbesuch in Schweden. Nicht jeder Deal findet aber die Zustimmung der mächtigen chinesischen Regierung: Der Verkauf der GM-Geländewagenmarke Hummer nach China war erst vor wenigen Wochen gescheitert, weil die chinesische Regierung den Unternehmen Tengzhong die Zustimmung für den Deal verweigerte. Volvo passt aber besser ins Kalkül der Machthaber in Peking. „Volvo ist eine Marke mit moderner Technik und hohem Prestige in China“, sagte Christoph Stürmer vom Brancheninstitut Global Insight.

Ford hat sich damit auch von der letzten Marke seiner einstigen Luxussparte, der Premier Automotive Group, getrennt. In den vergangenen Jahren hatten die Amerikaner bereits Aston Martin an eine kuwaitische Investorengruppe sowie die beiden Edelmarken Jaguar und Land Rover an den indischen Autokonzern Tata Motors verkauft. Geely ist vor allem an der Technologie der Traditionsmarke und an einer neuen wohlhabenden Kundschaft interessiert. So erhält der Konzern Zugang zu den westlichen Automärkten. Geely beabsichtigt, dass Volvo nach der geplanten Übernahme seine starke Position bei Sicherheits- und umweltfreundlicher Autotechnik selbstständig behalten und ausbauen soll. Ford zieht sich dagegen komplett aus allen Eignerfunktionen bei Volvo zurück.

In der Autoindustrie beschleunigt sich damit der Angriff neuer Anbieter aus den Schwellenländern auf die etablierte Konkurrenz. Ford hatte Geely bereits im vergangenen Oktober als besten Kaufinteressenten für Volvo bewertet, das chinesische Unternehmen wollte damals laut Branchenkreisen zwei Mrd. Dollar für die schwedische Automarke zahlen. Ford hatte die Personenwagensparte von Volvo vor zehn Jahren noch zum Preis von 6,5 Mrd. Dollar übernommen. Ford hatte seine seit 2008 mit hohen Verlusten produzierende Tochterfirma kurz nach Beginn der Finanzkrise zum Verkauf angeboten. Volvo produzierte im vergangenen Jahr mit 20.000 Beschäftigten knapp 375.000 Fahrzeuge. Neben dem schwedischen Stammsitz verfügt das Unternehmen über Standorte in Belgien, China, Malaysia und Thailand. Trotz massiver Absatzeinbrüche infolge der Wirtschaftskrise wurde Volvo immer als überlebens- und verkaufsfähig eingestuft und galt bis zu Beginn der Absatzkrise als erfolgreiche Ford-Tochter.

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3 Kommentare zu "Geely: Volvo wird endgültig chinesisch"

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  • Schade, schade, nach der Traditionsmarke SAAb (PKW-Sparte) geht meiner Ansicht nach eine weitere Qualitätsautomarke den bach runter. Und immer zeigen die Ursachen die gleichen Symptome: Spekulation, Profitsucht, Missmanagement, falsches Marketing usw. bedeuten nun im Kielwasser der Wirtschaftskrise zwangsläufig der Hirn- und Herztod so mancher vertrauten (Auto)Marke. "Farewell VOLVO" ... und "Danke" Amerika für deine vergeigten Lehrstunden in Sachen Unternehmensführung im Automobilbereich.

  • Wir sollten , solange es Arbeitsplätze in Europa gibt diese Marke weiter kaufen .
    Ziehen sich die Chinesen mit allen Produktionsstandorten nach Asien zurück, haben Kfz der Marke Volvo auf Europäischen Straßen nix zu suchen .

  • Ob das klappt? Der Volvo -früher bekannt als "Schwedenpanzer" steht für Qualität, Solidität und Sicherheit. Die Käuferschicht ist konservativ. Ob diese Käuferschicht ein "chinesisches" Produkt akzeptiert, ist fraglich. Wenn Geely wirklich die Absatzzahlen verdoppeln will, dann wohl nicht bei der Volvo-Zielgruppe. Es wird auf jeden Fall ein interessantes Experiment. "Volvo" ist dann nur noch ein Name, der als Fassade für ein austauschbares Produkt steht, ähnlich wie bei "Grundig" oder "Elefanten-Schuhe".

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