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Gegen den Totalausfall So sichern Unternehmen in der Coronakrise ihre Liquidität

Unternehmen müssen in der Coronakrise liquide bleiben und Kosten schnell drücken. Heikle Entscheidungen stehen an, etwa bei Boni und Dividenden.
23.03.2020 - 18:46 Uhr Kommentieren
Der Konzern muss zahlreiche Maßnahmen ergreifen, um eine noch stärkere Schieflage abzuwenden. Quelle: Bloomberg
Airbus

Der Konzern muss zahlreiche Maßnahmen ergreifen, um eine noch stärkere Schieflage abzuwenden.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Guillaume Faury ist ein Manager, der andere mitreißen kann, und das schafft er unter anderem mithilfe seines jungenhaften, gewinnenden Lächelns. Doch davon ist in diesen Tagen wenig zu sehen. Der Airbus-Chef muss angesichts des zusammengebrochenen Luftfahrtmarktes hart durchgreifen, um eine noch stärkere Schieflage des Flugzeugbauers abzuwenden.

An diesem Montag hat der Franzose dazu gleich zwei weitreichende Entscheidungen verkündet: Airbus stockt seinen Kreditrahmen um 15 Milliarden Euro auf, zudem wird die Dividende für 2019 gestrichen und die geplante Aufstockung des Pensionsvermögens ausgesetzt. Allein durch den Wegfall der Dividende behält das Unternehmen nun 1,4 Milliarden Euro mehr in der Kasse. Insgesamt stockt Airbus sein Liquiditätspolster nun um 50 Prozent auf 30 Milliarden Euro auf.

Für Faury sind es „außergewöhnliche Zeiten, in denen außergewöhnliche Schritte unternommen werden müssen“. Das gilt wohl für fast alle CEOs, deren Unternehmen im Grunde über ein solides Geschäftsmodell verfügen, die aber bedingt durch die Coronakrise kaum noch Geschäfte machen.

Für die Manager ist es kein einfaches Unterfangen: Sie müssen den Totalabsturz mit akuten Eingriffen verhindern. „Zugleich dürfen sie aber nicht überreagieren, sondern müssen Wachstumskraft für die nächste Erholung behalten. Denn die kommt bestimmt“, sagt Sascha Haghani, der bei der Unternehmensberatung Roland Berger das globale Restrukturierungsgeschäft leitet.

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    Sanierungsexperten wie Haghani sind derzeit gefragt wie nie zuvor in den vergangenen zehn Jahren. Die Restrukturierungseinheiten aller großen Beratungsgesellschaften sowie die Sanierungs-Spezialanbieter werden nach eigenen Angaben überhäuft mit Unternehmensanfragen und konkreten Projekten zur Geschäftssicherung. Der Run hat mit dem ersten Börsencrash am 9. März und den ersten Anzeichen für einen öffentlichen Shutdown eingesetzt. Es melden sich längst nicht nur Unternehmen aus den bereits schwer getroffenen Branchen wie Touristik oder Veranstaltungen.

    Flüssig bleiben, also Liquiditätssicherung – das steht für die Unternehmen nun an erster Stelle. „Denn man sagt: Man verdurstet schneller, als man verhungert“, erläutert Haghani. Viele Unternehmen haben aus der Finanzkrise 2009 gelernt und verfügen heute über höhere Liquiditätspolster. Doch die dürften in der aktuellen Krise schnell aufgebraucht sein. So wie Airbus versuchen die Unternehmen deshalb, sich nun weitere Kreditlinien bei ihren Banken zu sichern.

    „Es ist wichtig, dass die Unternehmen nicht in die Insolvenz schlittern. Sie haben ja nicht wegen Corona ihr Geschäftsmodell verloren“, sagt Cornelius Baur, Deutschlandchef der Beratungsgesellschaft McKinsey. Viele Firmen würden es nicht ohne staatliche Hilfen wie Kurzarbeitergeld oder Staatsbürgschaften schaffen. Baur befürchtet aber, dass die Hilfe aus bürokratischen Gründen zu langsam ankommt.

    Vor allem wichtig: Schnell Kosten senken

    Deswegen müssen Manager schnellstens an allen Stellschrauben zur Liquiditätssicherung drehen. Zunächst sollten sie sich Transparenz über die Cash-Lage in der Firma verschaffen und verschiedene Szenarien für den Cashflow in den nächsten Wochen entwickeln, rät die Sanierungsberatung Alvarez & Marsal. An einer solchen Cash-Transparenz mangele es vielerorts, sie sei aber der Schlüssel zum Überleben in Zeiten von Krisen, sagt Bob Rajan, Managing Director bei A&M in Deutschland.

    Darauf aufbauend stellen sich die Fragen: Welches Szenario ist noch beherrschbar, und welche Entscheidungen müssen dafür getroffen werden? Dabei geht es einerseits darum, die Lieferkette zu sichern und mit Zulieferern in engem Kontakt zu bleiben. „Viele Firmen haben ihre Lieferketten in der Vergangenheit eher unter Renditegesichtspunkten gestaltet und weniger auf Versorgungssicherheit geachtet. Das rächt sich jetzt“, sagt Roland-Berger-Partner Haghani.

    Vor allem aber geht es um schnelle Kostensenkungen. Akut betrifft dies vor allem Ausgaben für Marketing, Büroausrüstung und Spesen oder Einsparungen beim Einkauf. Doch weil die Dauer der Krise nicht absehbar ist, arbeiten Firmen bereits an tiefergehenden Programmen zur Kostensenkung, bei denen es auch um Stellenabbau geht, heißt es bei den Restrukturierungsberatern.

    Manager sollten in der gegenwärtigen Situation alles überdenken, was für den aktuellen Geschäftsbetrieb nicht überlebenswichtig erscheint. Welche Investitionen und Großprojekte sind nötig, welche können aufgeschoben werden? Die Sanierungsexperten raten von Tabus ab. So prüfen viele Firmen derzeit, ob sie die Boni für 2019 noch an die Mitarbeiter auszahlen.

    Das ist ein sensibles Thema – ebenso wie die Frage, ob ein Konzern im Krisenmodus überhaupt noch an einer Dividendenzahlung an Aktionäre festhalten soll. Darüber ist die Wirtschaftswelt gespalten: Airbus hat sich für ein Aussetzen der Dividende für 2019 entschieden, um Geld in der Kasse zu halten. Auch Lufthansa streicht die Ausschüttung. Andere wie Daimler, Bayer und BASF halten an der Ausschüttung fest.

    Sanierungsexperte Haghani hält die Dividendenaussetzung für Unternehmen in Schieflage für unabdingbar. „Firmen können nicht einerseits auf harte Einschnitte wir Kurzarbeit, Werksschließungen und Ausgabenstopp zurückgreifen und andererseits den Gesellschaftern eine Dividende auszahlen, die am Ende die Liquidität des Unternehmens selbst beeinträchtigt“, sagt er. Die Streichung sei meist zwingend Voraussetzung, um Bürgschaften oder andere Mittel beantragen zu können.

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    Harte Entscheidungen sind nötig

    Topmanager müssen derzeit schnelle und, wo nötig, auch harte Entscheidungen treffen, um die Liquidität zu sichern. Einige haben derart schwierige Situationen schon einmal erlebt, wozu sich auch Airbus-Chef Faury zählen darf. Er erlebte die Finanzkrise 2009 und die damalige Schockstarre der Wirtschaft hautnah mit, als er Vorstandsmitglied des Autoherstellers Peugeot war.

    Für andere ist das harte Gegensteuern aber neu. „Viele CEOs und Topmanager haben bislang nur Wachstumsphasen erlebt. Das heißt: Diese Generation ist nicht krisenerprobt, viele Führungskräfte kennen nur gute Zeiten“, beobachtet Haghani. Das heißt: Sie müssen erst noch beweisen, dass sie nicht nur Schönwetterkapitäne sind.

    Immerhin: Dass die Wirtschaft wieder anspringt und die nächste Wachstumsphase kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Die Firmen sollten die Krisenphase als Chance zur Neuausrichtung nutzen, empfiehlt daher McKinsey-Deutschlandchef Baur. „Wer sich radikal auf die Krise einstellt, ist auch besser für die Zeit danach gerüstet“, sagt er.

    McKinsey-Konkurrent Boston Consulting Group hat Firmen untersucht, die die Finanzkrise 2009 überlebten und schnell wieder durchstarten konnten. Sie haben in der Krise konsequente Liquiditätssicherung betrieben, aber zugleich nach vorn geschaut, die Beziehungen zu den wichtigsten Lieferanten und Kunden gestärkt und „alte Zöpfe“ in Strategie und der eigenen Organisation entfernt.

    Mehr: McKinsey-Deutschlandchef: „Die Unternehmen sollten sich nicht einigeln“

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