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Gen-Editing Warum die Gen-Schere Crispr weltweit für Aufsehen sorgt

Die Gen-Schere Crispr eröffnet große Chancen – doch einige Anwendungen sind ethisch umstritten. In Europa wird die Technologie teils stark reguliert.
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Die Arbeit der Biowissenschaftlerin legte 2012 die Grundlage für die Crispr/Cas-Methode, mit der beliebig Schnitte in DNA-Sequenzen gemacht werden können. Quelle: Getty Images
Jennifer Doudna

Die Arbeit der Biowissenschaftlerin legte 2012 die Grundlage für die Crispr/Cas-Methode, mit der beliebig Schnitte in DNA-Sequenzen gemacht werden können.

(Foto: Getty Images)

AustinDer Fall sorgt für weltweites Aufsehen: Einem chinesischen Forscher ist es eigenen Angaben zufolge gelungen, die ersten genetisch veränderten Babys auf die Welt zu bringen. Der Eingriff in die Keimbahn des Menschen stößt auf Entsetzen und harsche Kritik, im Westen wie in China selbst: Dem Biophysiker He Jiankui wird ethisch verwerfliche Forschung vorgeworfen, von Designerbabys ist die Rede.

He hat die DNA mehrerer Embryonen mithilfe des sogenannten Gen-Editings verändert. Mit dieser neuen Technologie namens Crispr kann das Erbgut aufgeschnitten werden, weshalb auch von Gen-Schere die Rede ist. Durch den Eingriff kann die DNA an dieser Stelle „editiert“ werden: Einzelne Abschnitte werden stillgelegt, defekte Sequenzen können ausgetauscht oder sogar neu eingefügt werden.

Der Chinese wollte das Erbgut von Embryonen so verändern, dass sie vor einer Infektion durch ihre an Aids erkrankten Väter geschützt sind. Mehrere chinesische Frauen haben sich angeblich derart veränderte Embryonen einsetzen lassen – eine brachte Ende Januar die Zwillinge Nana und Lulu auf die Welt, wie es in chinesischen Medien hieß. Ob deren Gene aber wirklich zielgerichtet manipuliert wurden, ist noch nicht bewiesen, denn die Faktenlage in China ist unklar.

Mediziner erhoffen sich Quantensprünge

Doch der Fall hat weltweit ein Schlaglicht auf die Crispr-Technologie geworfen. Von ihr erhoffen sich Mediziner und Pflanzenzüchter Quantensprünge – sei es bei der Bekämpfung von Krebs oder etwa bei der Entwicklung von widerstandsfähigeren Weizensorten.

Weil die Technologie schon ausgereift und preiswert ist, wird sie in den Pharmalaboren oft eingesetzt. Dabei geht es bislang um ethisch unbedenkliche Anwendungen, etwa um Immunzellen, die nach genetischer Veränderung zurück in den Körper eines Krebspatienten gebracht werden und dort die Krankheit besser bekämpfen sollen. Auch könnten bestimmte Erbkrankheiten ausgeschaltet werden, indem defekte Gene eines Menschen per Crispr repariert werden.

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Von kommerziellen Anwendungen ist die Medizin hingegen noch weit entfernt. Investiert wird aber bereits kräftig: So steckt die Bayer AG rund 300 Millionen Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Firma Crispr Therapeutics. Ende Februar gab das Unternehmen bekannt, dass in einem anderen Projekt erstmals ein Mensch mit der Gen-Schere in der präklinischen Phase der Arzneientwicklung behandelt wird.

Experten gehen davon aus, dass das Gen-Editing bei Pflanzen schon früher als in der Medizin kommerziell genutzt werden wird. Bayer könnte dank der Expertise von Monsanto schon in drei bis fünf Jahren erste Produkte auf den Markt bringen. Dabei geht es darum, dass umeditierte Pflanzen sich selbst besser gegen Schädlinge wehren können oder Wetterkapriolen besser standhalten.

Die Forschung dazu findet vor allem in den USA und China statt, denn dort ist die Crispr-Technologie in der Pflanzenzucht weniger reguliert. Anders in Europa: Der Europäische Gerichtshof hat voriges Jahr entschieden, dass Crispr unter die strikte europäische Regulierung für gentechnisch veränderte Organismen fällt. Verbraucherverbände begrüßten diese Entscheidung, die Industrie hingegen fürchtet, dass Europa bei dieser Zukunftstechnologie bald überhaupt keine Rolle mehr spielen wird.

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