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Generika-Hersteller Justiz ermittelt gegen ehemalige Stada-Manager

Die Staatsanwaltschaft hat viele Vorwürfe gegen das alte Stada-Management geprüft. Ermittelt wird nun in einem Fall wegen Untreue.
Update: 06.06.2018 - 17:08 Uhr 1 Kommentar
Der Pharmakonzern hat eng mit der Staatsanwaltschaft kooperiert. Quelle: Reuters
Stada

Der Pharmakonzern hat eng mit der Staatsanwaltschaft kooperiert.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, DüsseldorfDie Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen zwei frühere Führungskräfte der Stada AG eingeleitet. Das bestätigte die Behörde dem Handelsblatt.

Nach Informationen dieser Zeitung wird unter anderem gegen den langjährigen CEO Hartmut Retzlaff ermittelt. Der hatte zum Jahreswechsel 2015/2016 einem Berater einen Audi Q5 im Wert von mehr 50 000 Euro aus dem firmeneigenen Fuhrpark geschenkt.

Stada musste im Nachhinein Schenkungsteuer zahlen, Retzlaff beglich den der Firma entstandenen Schaden später allerdings aus eigener Tasche und wurde Mitte 2016 mit einem millionenschweren Aufhebungsvertrag verabschiedet.

Den Vorgang belegt ein rechtsanwaltliches Gutachten aus dem vergangenen Jahr, das dem Handelsblatt vorliegt. Retzlaff selbst wollte gestern auf Nachfrage des Handelsblatts nicht zu den staatsanwaltlichen Ermittlungen Stellung nehmen.

Gegen welchen zweiten früheren Manager ermittelt wird, dazu machen weder Stada noch die Staatsanwaltschaft Frankfurt Angaben. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, geht es bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch um die Genehmigung eines Porsche Panamera als Dienstwagen für den Geschäftsführer einer Stada-Vertriebsfirma, dem in seiner Position nur ein günstigeres Fahrzeug zugestanden hätte.

Das Ermittlungsverfahren gegen die zwei ehemaligen Stada-Führungskräfte ist das einzige strafrechtliche Thema, das sich aus der Untersuchung von verschiedenen Verdachtsmomenten gegen frühere Stada-Manager ergeben haben, betonte der amtierende Stada-Chef Claudio Albrecht auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch in Frankfurt. Stada wurde August 2017 mehrheitlich von den Private- Equity Firmen Bain Capital und Cinven übernommen, die den Generikaexperten Albrecht als CEO holten.

Vorausgegangen waren zwei turbulente Jahre für den hessische Arzneimittelhersteller. Ab Frühjahr 2016 hatte der aktivistischen Investor Active Ownership Stada attackiert und auf Ablösung von Management und Aufsichtsrat gedrungen, was letztlich den Boden für die spätere Übernahme durch die Private Equity Investoren bereitete.

Der nach Retzlaff rund ein Jahr lang amtiere CEO Matthias Wiedenfels überwarf sich mit dem Aufsichtsrat unter Leitung von Carl-Ferdinand Oetker. Auf beiden Seiten wurden juristische Untersuchungen wegen möglicher Pflichtverletzungen initiiert.

Auf der Hauptversammlung vor einem Jahr wurde die Entlastung der ehemaligen Stada-Vorstände Retzlaff, Wiedenfels und Finanzchef Helmut Kraft für das Jahr 2016 vertagt. Aufsichtsratschef Oetker hatte damals schwere Vorwürfe gegen die früheren Vorstände erhoben. Es gebe „belastbare Beweise für schwerwiegende Pflichtverletzungen“, etwa beim Abschluss von Beraterverträgen ohne erkennbare Gegenleistung, so Oetker.

Die neue Führung bei Stada – der Vorstand unter CEO Albrecht sowie der von Bain Capital und Cinven eingesetzte neue Aufsichtsrat – hatten im Herbst 2017 dann eigene Untersuchungen zu möglichen Pflichtverletzungen in Auftrag gegeben, die Ergebnisse wurden der Staatsanwaltschaft übergeben. „Größtmögliche Aufklärung und Transparenz waren dabei die Richtschnur“, betonte Albrecht gestern auf der Hauptversammlung. Stada selbst habe keinen Strafantrag gestellt.

Der Arzneimittelhersteller hält die Vorwürfe gegen das frühere Management nun zum großen Teil für ausgeräumt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe keine Anhaltspunkte für Betrug, für die Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen, Marktmanipulation oder Insiderhandel, auf Unterschlagung, Diebstahl, Begünstigung, Korruption oder auf eine persönliche Bereicherung zulasten von Stada gefunden, so Albrecht weiter.

Es laufen aber noch Untersuchungen, ob es gesellschaftsrechtliche Pflichtverletzungen des früheren Managements gegeben hat. Diese Untersuchung solle in Kürze beendet werden, heißt es. Die Hauptversammlung vertagte die Entlastung der Ex-Vorstände Wiedenfels und Kraft für 2017 erneut.

Peter Barth vom Anlegerschutzverein DSW bezeichnete Aufsichtsrat und Vorstand als „Marionette“ der Finanzinvestoren, die rund zwei Drittel an Stada halten. Der Konzern habe mit dem Machtkampf zwischen Wiedenfels und Oetker eine „einmalige Zerfleischung“ erlebt. Er kritisierte, dass Ex-Aufsichtsratschef Oetker trotz der noch laufenden Untersuchung entlastet werden solle.

Barth monierte auch die Dividende für 2017 von 11 Cent - weniger als ein Sechstel als im Vorjahr. „So etwas Unverfrorenes haben wir selten gesehen.“ Albrecht hatte die Kürzung mit höheren Investitionen in Stada gerechtfertigt. Er will Stada mit Nachahmerprodukten, rezeptfreien Medikamenten und Spezialpharmazeutika neu aufstellen.

Bain und Cinven hatten im Februar einen Gewinnabführungsvertrag mit Stada abgeschlossen. Stada-Aktien werden zudem auf Antrag der Investoren zum 13. Juli aus dem MDax genommen, wie die Deutsche Börse am Dienstag mitteilte. Das soll hohe Berichtspflichten und damit Kosten sparen. Ein Rückzug von der Börse und Herausdrängen von Minderheitsaktionären sei aber nicht geplant, sagte Albrecht.

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1 Kommentar zu "Generika-Hersteller: Justiz ermittelt gegen ehemalige Stada-Manager "

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  • Könnte es sein ... das hier in eine völlig falsche Richtung ermittelt wird?