Generikahersteller Fresenius verteidigt abgeblasene Akorn-Übernahme

Fresenius wirft seinem Übernahmeziel Akorn Dateienfälschung und Betrug vor und bläst die Übernahme ab. Akorn will dagegen juristisch vorgehen.
Update: 18.05.2018 - 15:14 Uhr Kommentieren
Stephan Sturm verteidigt den Rückzug bei Akorn. Quelle: Reuters
Selbstbewusster Fresenius-Chef

Stephan Sturm verteidigt den Rückzug bei Akorn.

(Foto: Reuters)

FrankfurtFresenius-Chef Stephan Sturm hat die Absage des geplanten Kaufs des US-Generikaherstellers Akorn verteidigt. „Die Entscheidung haben wir uns zwar nicht leicht gemacht“, sagte er am Freitag auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Am Ende habe es aber nur die „logische Konsequenz“ gegeben, die Übernahme nicht weiter zu verfolgen.

Der Gesundheitskonzern hatte den 4,4 Milliarden Euro schweren Zukauf im April abgeblasen. Fresenius wirft der obersten Akorn-Führung eklatanten Betrug im Zusammenhang mit gefälschten Daten in den USA vor. Akorn will die Übernahme nun juristisch durchsetzen.

Sturm wies Vorwürfe zurück, der Konzern habe vor dem Angebot bei Akorn womöglich nicht richtig hingeschaut. „Das war die intensivste Prüfung, die ich bei Fresenius erlebt habe. Sie entsprach höchsten Standards.“ Die Verstöße seien in Bereichen passiert, in die Fresenius keinen Einblick haben durfte.

Sturm führte dies auf die Börsennotierung von Akorn zurück und darauf, dass das Unternehmen ein direkter Wettbewerber der Tochter Kabi sei. „Wir sind an den Rand dessen gegangen, was zulässig war. Überall dort, wo wir nicht hinschauen konnten, haben wir uns im Rahmen des Kaufvertrags sehr gute Absicherungen geben lassen.“

Für Fresenius sei der Fall Akorn eine neue Situation. „So etwas gab es in der Tat noch nicht“, sagte Sturm. Das Unternehmen ist durch mehrere Milliardenzukäufe zu einem globalen Firmenkonglomerat in der Gesundheitsbranche gewachsen. Immer wieder wird Fresenius auch als „Akquisitionsmaschine“ bezeichnet.

Gefälschte Daten

Auch die Tochter Kabi, deren Nordamerikageschäft durch die Akorn-Übernahme hätte gestärkt werden sollen, wurde wiederholt durch Zukäufe ausgebaut. So beruht Sturm zufolge der Erfolg von Kabi in Nordamerika auf der 3,7 Milliarden Euro schweren Übernahme des Generikaspezialisten APP, mit der Kabi 2008 überhaupt erst in den US-Pharmamarkt eintrat. Nun will Fresenius auch ohne Akorn sein Geschäft mit Nachahmermedikamenten in Nordamerika ausbauen.

Anfang Juli werden sich die beiden Unternehmen vor Gericht wiedertreffen. Aktionärsvertreter wollten vom Vorstand vor allem wissen, mit welchen finanziellen Risiken durch den abgesagten Akorn-Kauf zu rechnen ist und wie lange sich das Verfahren hinziehen wird. Bislang seien bei Fresenius transaktionsbezogene Kosten von insgesamt 60 Millionen Euro vor Steuern angefallen, sagte Sturm.

Der Konzern müsse noch prüfen, inwiefern Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Prozess gebildet werden müssten. Von Akorn fordert Fresenius Schadenersatz. Fresenius beschuldigt das Akorn-Management, es habe der US-Arzneimittelbehörde FDA nicht hinreichend geprüfte beziehungsweise sogar gefälschte Daten übermittelt.

Die Amerikaner hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Die von Fresenius angeführten Probleme der Datenintegrität seien in der Generika-Branche nicht ungewöhnlich. Fresenius wolle diese nun nutzen, um sich aus dem Deal aus finanziellen Gründen zurückzuziehen. „Jetzt muss ein Gericht in den USA entscheiden.

Wir halten unsere Kündigung für richtig und gut begründet“, sagte Sturm. Er gehe davon aus, dass das Gerichtsverfahren 2019 abgeschlossen werden könne. Bislang handele es nur um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen Akorn und Fresenius. Die Ergebnisse der Untersuchung, die Fresenius auf einen anonymen Hinweis eingeleitet hatte, lägen aber auch der FDA vor. „Was die Konsequenzen der FDA daraus sind, bleibt abzuwarten.“ 

  • rtr
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