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Genfer Autosalon Borgwards Traumwelt

Auf die Wiederbelebung der Automarke Borgward hat die Welt nicht gewartet. Für einen indes geht ein Traum in Erfüllung - und von dem will er jetzt möglichst viele Menschen begeistern.
Der auferstandene Autohersteller Borgward präsentiert auf dem Genfer Automobilsalon sein zweites Modell: Das SUV BX5 soll ab 2017 nach Deutschland kommen. Der deutsch-chinesische Hersteller will den Fünfsitzer ausschließlich mit Elektromotor oder als Plug-in-Hybrid anbieten. Quelle: dpa
Christian Borgward, Präsident von Borgward und Enkel des Firmengründers Carl F. Borgward

Der auferstandene Autohersteller Borgward präsentiert auf dem Genfer Automobilsalon sein zweites Modell: Das SUV BX5 soll ab 2017 nach Deutschland kommen. Der deutsch-chinesische Hersteller will den Fünfsitzer ausschließlich mit Elektromotor oder als Plug-in-Hybrid anbieten.

(Foto: dpa)

GenfEin Hangar am Rande des Flughafens Genf. Im Hintergrund rollen die Privatjets der Bosse von Daimler und Volkswagen aus und entlassen ihre Passagiere in den Trubel des Genfer Autosalons. Im Hangar hat die Firma Borgward eine Fläche mit Bändern abtrennen lassen. Drei Flugzeuge mit aufgeklappten Turbinen nach oben gekippten Schnauzen füllen den Großteil der Halle aus. An einen Stehtisch hat sich Christian Borgward mit seiner Lebensgefährtin positioniert. Er hat im Blick wie die knapp 200 Gäste und Journalisten in den Hangar kommen.

Borgward, grauer Anzug, weißes Hemd, rund 1,75 Meter hoch, läuft Gefahr, auf seiner eigenen Party übersehen zu werden. So unauffällig seine Erscheinung ist, so zurückhaltend ist sein Auftritt. Ohne ihn allerdings, gäbe es diese Veranstaltung nicht und auch nicht die drei Fahrzeuge, die später in den Hangar fahren sollten.

Vor zwölf Jahren sei ihm die Idee gekommen, die von seinem Großvater Carl F. W. Borgward gegründete Marke wiederzubeleben, sagt er. In den sechziger Jahren war der Autobauer pleite gegangen. „Wir haben nun die Chance, das Lebenswerk meines Vaters zu vollenden.“ Die Worte mögen pathetisch klingen, aber so meint er es auch. Auslöser war der Tod seines Vaters, berichtet Borgward. Er wollte nicht akzeptieren, dass der Name Borgward ganz aus dem Gedächtnis getilgt wird.

Also machte er sich auf die Suche nach einem Partner - und fand diesen schließlich im chinesischen Konzern Foton. Das Unternehmen baut bislang Nutzfahrzeuge und will mit der Marke Borgward in das Pkw-Geschäft vorstoßen.

„Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd“
Borgward
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Für Auto-Fans in aller Welt ist Borgward bis heute unvergessen – als Marke, die sogar Mercedes Paroli bot. Kein Wunder deshalb, dass sich immer wieder Prinzen fanden, die die schöne Bremerin aus ihrem Dornröschenschlaf holen wollten. Den vielleicht ernsthaftesten Versuch unternimmt jetzt Christian Borgward, der Marke und Modellen seines Großvaters neues Leben einhauchen will ...

(Foto: PR)
Goliath-Transporter F400 aus dem Jahr 1935
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Carl F. W. Borgward, der 1890 geborene Sohn eines Kohlehändlers lancierte 1924 sein erstes Lastendreirad den „Blitzkarren“. Frühe Absatzerfolge seiner Dreiräder ermöglichten den Erwerb gleich mehrerer anderer Marken samt Werksanlagen sowie im Jahr 1931 die Gründung der Hansa-Lloyd- und Goliath-Werke Borgward & Tecklenborg oHG. Es folgte einen raketengleicher Aufstieg zum größten Einzelkaufmann unter den deutschen Autobauern ...

(Foto: )
Lloyd aus dem Jahr 1951
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Der Entrepreneur eröffnete 1938 das neu errichtete Werk Sebaldsbrück, das endlich die ersten Limousinen mit Borgward-Logo produzierte. Kurz nach Kriegsende startete in seinen bombenzerstörten Werken die Lkw-Fertigung, denn die Amerikaner bedachten ihn bereits 1945 mit einem Auftrag.

Direkt nach der Währungsreform beginnt 1948 in Bremen das bundesdeutsche automobile Wirtschaftswunder. Carl Borgward startet unter den drei Marken Lloyd, Goliath und Borgward die Automobilproduktion.

(Foto: PR)
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War lange Zeit erfolgreichster Kleinwagen in Deutschland: der Borgward Lloyd Alexander

(Foto: dpa)
Werk Sebaldsbrück
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„Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd“, spottete der Volksmund über die kleinen Lloyd, die anfangs mit Sperrholzkarosserie ausgeliefert wurden. Machte nichts, denn die sogenannten Leuko-Plastbomber waren billiger als der VW Käfer und besser als die aufkommenden Rollermobile und konnten deshalb bis 1961 in über 350.000 Einheiten ausgeliefert werden.

(Foto: )
Borgward Isabella
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Dank Lloyd lag die Borgward-Gruppe Anfang der 1950er Jahre nach VW und Opel auf dem dritten Platz der deutschen Zulassungscharts und auch zum Ende des Jahrzehnts war der norddeutsche Riese noch absatzstärker als Mercedes. Borgward war Bremens Stolz und einer der bedeutendsten Arbeitgeber Nordeuropas. Vor allem als der Konzernchef 1954 mit der Isabella zum ganz großen Schlag gegen Mercedes ausholte ...

(Foto: PR)
Borgward Isabella Coupé
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Als sportliche Mittelklasselimousine gehobenen Anspruchs fand die feminin geformte Familie aus zweitürigem Stufenheck, lifestyligem Combi (unter den Lasteneseln damals eine Sensation), Cabriolet und Coupé eine freie Marktnische, die sogar von Mercedes und BMW vernachlässigt worden war.

(Foto: PR)

Die Rückkehr der Traditionsmarke verkündete die Firma vor einem Jahr in Genf - und erntete Spott und Häme. Ein konkretes Modell stellte Borgward nicht vor. Auch als die Neueinsteiger im September auf der Automesse in Frankfurt ein erste Auto präsentierten, war das Urteil der meisten Motorjournalisten wenig freundlich. Der sportliche Geländewagen sehe zu sehr nach Porsche oder Audi aus, lautete die Kritik.

Diese wird nun immer leiser. In Genf präsentierte Borgward zwei weitere Geländeautos. Dieser Fokus auf diese sogenannten SUVs macht Sin, zumindest kommerziell. Borgward geht zunächst in China an den Start. „Verkaufsstart wird im April sein“, sagt Borgward. Ende kommenden Jahres sollen die Autos dann auch nach Europa kommen. Dann allerdings mit Hybridantrieb oder als reine Elektromobile, wie Vorstandschef Ulrich Walker angekündigt hat.

Braucht die Welt indes eine neue Automarke? Der Markt ist dicht besetzt von Herstellern, die über Jahrzehnte hinweg Fahrzeuge gebaut haben. Neue Gründungen wie Tesla stoßen in das Geschäft, weil sich mit dem Umschwung auf Elektromobilität ein Fenster geöffnet hat.

Nach dem auf der Frankfurter IAA gezeigten -roßen BX7 stellt der deutsch-chinesische Autobauer in Genf den kompakten BX5 vor. Außerdem ist auf dem Messestand noch der BX6 TS, die Studie eines SUV-Coupés, zu sehen. Schon bei dem zweiten Modell aus der Feder von Design Director Roland Sternmann ist bereits eine Art Familien-Gesicht zu erkennen. Zumindest von außen, denn die Fenster sind abgedunkelt und die Türen bleiben in Genf noch verschlossen – den Innenraum will Borgward erst auf der Auto China Ende April in Peking zeigen. Quelle: PR
Borgward arbeitet fleißig am Comeback:

Nach dem auf der Frankfurter IAA gezeigten -roßen BX7 stellt der deutsch-chinesische Autobauer in Genf den kompakten BX5 vor. Außerdem ist auf dem Messestand noch der BX6 TS, die Studie eines SUV-Coupés, zu sehen. Schon bei dem zweiten Modell aus der Feder von Design Director Roland Sternmann ist bereits eine Art Familien-Gesicht zu erkennen.

Zumindest von außen, denn die Fenster sind abgedunkelt und die Türen bleiben in Genf noch verschlossen – den Innenraum will Borgward erst auf der Auto China Ende April in Peking zeigen.

(Foto: PR)

Die Entwicklung neuer Motoren kostet viel Geld. Daimler bezifferte die Ausgaben für sein neustes Aggregat auf über zwei Milliarden Euro. Mit einem Bruchteil davon gründet Borgward eine neue Firma und entwickelt eine Reihe von neuen Autos.

Das große Geld wird Christian Borgward wohl nicht verdienen. Er ist zwar Aufsichtsratschef des Unternehmens, aber er hält nach eigenem Bekunden keine Anteile. „Die Firma ist zu 100 Prozent im Besitz von Foton“, sagt er.

Christian Borgward erntet indes etwas, was für ihn wichtiger als Geld ist. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagt er. Der zurückhaltende Mann mit dem grauen Anzug hat vielleicht weniger mit den Managern der Autoindustrie gemein, als mit den Gründern aus dem Silicon Valley.

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