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Gerichtsurteil Tesla darf in Deutschland nicht mehr mit „Autopilot“ werben

Das Landgericht München hält Werbeaussagen des Autobauers zum autonomen Fahren für irreführend. Damit hat sich die Wettbewerbszentrale durchgesetzt.
14.07.2020 Update: 14.07.2020 - 16:54 Uhr 1 Kommentar
Die Wettbewerbszentrale warf dem US-Autobauer irreführende Werbung vor Quelle: AFP
Elektroauto von Tesla

Die Wettbewerbszentrale warf dem US-Autobauer irreführende Werbung vor

(Foto: AFP)

München, San Francisco Tesla hat einem Gerichtsurteil zufolge den Mund bei der Werbung für seine Autos zu voll genommen. Das Landgericht München I verbot dem kalifornischen Unternehmen am Dienstag, mit dem Begriff „Autopilot“ für seine Fahrzeuge zu werben. Auch einige weitere Werbeaussagen im Zusammenhang mit autonomem Fahren untersagte die Kammer dem derzeit wertvollsten Autohersteller der Welt. Sie gab damit einer Klage der Wettbewerbszentrale in vollem Umfang statt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob die Wettbewerbszentrale die nötige Sicherheitsleistung von 100.000 Euro erbringt, um das Urteil trotzdem sofort vollstreckbar zu machen, will sie nach Prüfung der Urteilsgründe entscheiden.

Die Organisation hatte in ihrer Klage moniert, dass Tesla unter anderem den Eindruck erweckt habe, dass seine Autos mit einem Fahrerassistenz-Paket „bis Ende des Jahres 2019 autonom fahren könnten und dürften“. Das aber könne das kalifornische Unternehmen gar nicht erfüllen. Die Autos könnten weder technisch fahrerlos fahren, noch dürften sie es rechtlich. Daher sei die Werbung irreführend.

Andreas Ottofülling von der Wettbewerbszentrale sprach von einem „Erfolg auf der ganzen Linie“. Auch Tesla müsse sich „an die Spielregeln halten und darf keine falschen Werbeversprechen machen“, sagte er. Die Wettbewerbszentrale, die eine Organisation der deutschen Wirtschaft ist, war nach eigenen Angaben auf mehrere Beschwerden hin gegen Tesla vorgegangen. Von wem die Beschwerden stammten, sagte Ottofülling nicht.

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    Teslas „Autopilot“ kann - ähnlich wie die Assistenzsysteme vieler anderer Hersteller - Spur, Tempo und den Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug halten. Der Elektroauto-Hersteller verkauft aber auch ein Zusatzpaket mit „vollem Potenzial für autonomes Fahren“. Dazu gehört auch schon ab Ende 2019 „automatisches Fahren innerorts“.

    Der „Autopilot“ soll an Ampeln halten, „unter Berücksichtigung von Fahrzeugen und Fußgängern auf seiner Spur“ lenken, bremsen und beschleunigen können. Und er ermögliche die „automatische Fahrt auf Autobahnen von der Ein- bis zur Ausfahrt einschließlich Autobahnkreuzen und Überholen von langsameren Fahrzeugen“.

    Die Versprechen könne Tesla aber gar nicht erfüllen, sagten die Anwälte der Wettbewerbszentrale: Die Autos könnten weder technisch fahrerlos fahren, noch dürften sie es rechtlich, denn es gebe in Deutschland noch gar kein Gesetz dafür. Der Verbraucher könne eben kein Fahrzeug kaufen, das innerorts und auf der Autobahn automatisch fahre - auch wenn Tesla diesen falschen Eindruck erwecke.

    Die Tesla-Anwälte hielten dagegen, die Autos könnten technisch sehr wohl alle Versprechen halten. Außerdem stehe unter der Werbung für den „Autopiloten“ der deutliche Hinweis: „Die gegenwärtig aktivierten Funktionen verlangen eine aktive Überwachung durch den Fahrer - ein autonomer Betrieb des Fahrzeugs ist damit nicht möglich.“

    Auch in den USA gibt es Kritik

    Ein Teil des Problems ist, dass Tesla „autonomes Fahren“ anders verstanden wissen will, als in der Autobranche allgemein üblich. Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt „autonomes Fahren“, dass ein Auto ohne Lenkrad, Pedale und Fahrer völlig selbstständig fährt. Schon bei der vorangehenden Stufe 4, dem „vollautomatisierten Fahren“, müsste ein Fahrer zeitweise Zeitung lesen oder ein Nickerchen machen können. Bis dahin werde es aber noch fünf bis zehn Jahre dauern, sagte Branchenexperte Stefan Bratzel der Deutschen Presse-Agentur.

    Tesla-Chef Elon Musk hatte dagegen für dieses Jahr bereits die Weiterentwicklung des Autopiloten versprochen, die „Full Self-Driving Capability“ – also die „Fähigkeit, vollständig selbst zu fahren“. Was diese tatsächlich bedeute, schränkte Musk im Januar ebenfalls ein: „Es besteht die Chance, dass er den Fahrer von seinem Haus zur Arbeit bringt, ohne dass er ein einziges Mal eingreifen muss. Eine Chance, die größer als Null ist.“

    Auch in den USA gibt es Kritik an Teslas Begriff „Autopilot“. Die Unfallermittlungsbehörde NTSB kritisierte mehrfach, dass die Fahrer sich zu leicht auf das System verlassen könnten. In den USA gab es zwei Unfälle, bei denen vom „Autopiloten“ gesteuerte Teslas unter Sattelschlepper rasten, die die Straße querten. Ein anderer fuhr in einen Betonpoller, der Fahrspuren trennte.

    Tesla betonte, die Fahrer hätten die Verkehrslage im Blick behalten müssen. Außerdem passierten mit eingeschaltetem „Autopiloten“ klar weniger Unfälle als ohne.

    Zu der Verwirrung, was Autopilot kann und was nicht, trägt Musk regelmäßig selbst bei: In „60 Minutes“, einer der meistgesehenen Nachrichtensendungen der USA, nahm Musk vor der Kamera mehrfach die Hände vom Steuer – obwohl das Unternehmen Fahrern in seinen Betriebsanleitungen genau das verbietet.

    Besser lief es für Tesla am Dienstag beim Bau seiner Fabrik in Brandenburg: Das Unternehmen kann dort mit Fundament und Rohbau beginnen, obwohl die komplette umweltrechtliche Genehmigung noch aussteht. Das Brandenburger Landesumweltamt habe grünes Licht für weitere Arbeiten mit einem vorzeitigen Beginn gegeben, teilte das Umweltministerium am Dienstag in Potsdam mit.

    Damit könne das Unternehmen Gründungs- und Fundamentarbeiten sowie Erd- und Rohbauarbeiten vornehmen und Verkehrsflächen errichten. Bereits in einem Jahr will Tesla in Grünheide mit der Produktion starten und möglichst bald 500.000 Fahrzeuge pro Jahr herstellen.

    Mehr: Wo die deutschen Autobauer Defizite gegenüber Tesla haben

    • ade
    • dpa
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    Mehr zu: Gerichtsurteil - Tesla darf in Deutschland nicht mehr mit „Autopilot“ werben
    1 Kommentar zu "Gerichtsurteil: Tesla darf in Deutschland nicht mehr mit „Autopilot“ werben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Endlich!

      Diese Werbung von Tesla mit Autopilot ist eine Frechheit. Schon vor 3 Jahren warb Tesla mit dieser Option und bis heute hat Tesla nicht einmal eine Verkehrszeichenerkennung! Dann damit argumentieren, dass der Autopilot in Deutschland rechtlich nicht zulässig ist erscheint frech, zumal ohne Verkehrszeichenerkennung kein Autopilot möglich ist.

      Die Krönung ist dann, dass die dafür erforderliche Hardwarenachrüstung zuerst die neuesten (!) Fahrzeuge erhalten und nicht die "älteren" Fahrzeuge. Die Käufer, welche vor 3 Jahren die Autopilotfunktion mit teurem Geld bezahlten, werden hingehalten "... das wird bald kommen, spätestens Ende des Jahres ...", der übliche Satz von Tesla. Vermutlich wird Tesla die Käufer von vor 3 Jahren mit diesem Satz so lange hinhalten, bis deren Autos verschrottet werden. Dann erübrigt sich die Nachrüstung und so lange heißt es ".. das wird bald kommen, spätestens Ende des Jahres ..."

      Es sollte sich ein Anwalt finden, der diese Tesla-Käufer vertritt! Kunden gäbe es mehr als genug. Bei vielen erfolgte der Kauf auf Grund dieses Versprechens von Tesla. Leider ist die Klagemöglichkeit in Deutschland da sehr schwierig und welcher Anwalt legt sich schon mit Tesla an? Hier sind Verbraucherschutzorganisationen gefordert!

      Hätten Deutsche Hersteller mit nicht erfüllbaren Autopilotversprechen geworben, wäre eine Klagewelle sicher und die USA hätten die Deutschen Hersteller zu unverschämten Strafzahlungen verurteilt! Wie erkannte schon G. Orwell in seiner "Farm der Tiere": "Alle Tier sind gleich, aber manche sind gleicher."

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