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Gerinnungshemmer Pradaxa Streit um Boehringer-Arznei geht vor Gericht

Der Pharma-Konzern Boehringer Ingelheim ist in USA einer Klagewelle ausgesetzt: Er soll vor den Risiken des Gerinnungshemmers Pradaxa nicht ausreichend gewarnt haben. Das Unternehmen will sich gegen die Vorwürfe wehren.
19.02.2014 - 13:19 Uhr Kommentieren
Die Zentrale des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim: Die Arzneimittel-Behörden haben bislang an ihrer positiven Einschätzung des Medikaments Pradaxa festgehalten. Quelle: dpa

Die Zentrale des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim: Die Arzneimittel-Behörden haben bislang an ihrer positiven Einschätzung des Medikaments Pradaxa festgehalten.

(Foto: dpa)

Frankfurt/Main Im US-Gerichtsstreit über schwere Nebenwirkungen seines Schlaganfall-Mittels beginnt für Boehringer Ingelheim im August die heiße Phase. In einem ersten exemplarischen Schadenersatzfall soll der Prozess voraussichtlich am 11. August starten, wie aus Dokumenten des US-Bezirksgerichts in East St. Louis im US-Bundesstaat Illinois hervorgeht.

Boehringer Ingelheim ist in den Vereinigten Staaten mit einer Klagewelle konfrontiert. Derzeit machen mehr als 2000 Kläger das Familienunternehmen dort für schwere und zum Teil tödliche Blutungen nach einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Pradaxa verantwortlich. Sie werfen dem Pharmakonzern unter anderem vor, nicht ausreichend über das Risiko möglicher Blutungen informiert zu haben.

Boehringer will sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen. Wie bei allen neuen gerinnungshemmenden Medikamenten, wozu auch Xarelto von Bayer und Eliquis von Pfizer und Bristol-Myers Squibb gehören, besteht auch bei Pradaxa ein Blutungsrisiko. Boehringer hält dagegen, dass das Risiko beherrschbar sei. Außerdem habe Pradaxa seit Markteinführung rechnerisch betrachtet schon mehr als 120.000 Schlaganfälle verhindert.

Die Tablette ist seit 2008 auf dem Markt. Größtes Therapiefeld ist der Schutz vor Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen. Die Arzneimittel-Behörden haben bislang an ihrer positiven Einschätzung des Medikaments festgehalten. Das Mittel ist eine der Umsatzstützen des Konzerns aus Ingelheim am Rhein: 2012 steuerte Pradaxa 1,1 Milliarden Euro zum Konzernumsatz bei.

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    Nachschubprobleme bei neuen Medikamenten hat Boehringer Ingelheim momentan nicht. Der Konzern geht derzeit davon aus, 2014 bis 2016 insgesamt zwölf neue Präparate auf den Markt zu bringen, die sieben bis acht Krankheitsfelder abdecken. Allein im vergangenen Jahr hatte Boehringer für acht neue Arzneien Zulassungsanträge rund um den Globus gestellt. Dazu zählte die beantragte Ausweitung auf die Asthma-Behandlung beim lukrativen Raucherlunge-Präparat Spiriva.

    Auch Zulassungsanträge für zwei neue Substanzen gegen Lungenkrebs – Afatinib und Nintedanib – zählten dazu, sowie Mittel gegen Diabetes. Das Leukämie-Mittel Volasertib wurde zudem von der US-Gesundheitsbehörde FDA als „Therapiedurchbruch“ eingestuft. Als „Breakthrough Therapy“ bewertet die FDA Medikamente, denen sie das Potenzial für einen erheblichen Behandlungsfortschritt zubilligt.

    • rtr
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