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Geschäfte in Kolumbien Illegale Waffenlieferungen: Mildes Urteil gegen Ex-Manager von Sig Sauer

Unerlaubte Waffenexporte nach Kolumbien haben drei ehemalige Führungskräfte des Unternehmens vor den Richter gebracht. Die Strafen: überschaubar.
Update: 03.04.2019 - 14:22 Uhr Kommentieren
Sig Sauer soll zudem 11  Millionen zahlen. Quelle: dpa
Feuerwaffe von Sig Sauer

Sig Sauer soll zudem 11 Millionen zahlen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSie trugen Verantwortung für die illegale Lieferung von mehr als 38.000 Waffen nach Kolumbien. Trotzdem sind drei ehemalige Manager des Waffenunternehmens Sig Sauer aus ihrem Strafprozess vor dem Landgericht Kiel nun mit vergleichbar milden Strafen davongekommen. Ende Februar hatten sie sich zu einem Geständnis entschieden, im Gegenzug stellte ihnen das Gericht Bewährungs- und Geldstrafen in Aussicht. Heute verkündete es den konkreten Strafrahmen.

Die Richter verurteilten die drei Angeklagten zu Bewährungsstrafen zwischen zehn Monaten und eineinhalb Jahren sowie Geldstrafen zwischen 60.000 und 600.000 Euro. Ihr ehemaliger Arbeitgeber Sig Sauer soll nach dem Willen der Richter ebenfalls zahlen, insgesamt rund elf Millionen Euro.

Über den Umweg USA hatten zwischen 2009 und 2012 insgesamt 38.000 Pistolen vom Typ SP 2022 mit einem Verkaufswert von elf Millionen Euro ihren Weg von Sig Sauer in Emsdetten bei Münster nach Kolumbien gefunden. Hintergrund der Lieferung war ein Hilfsprogramm der US-Regierung im Drogenkrieg.

Die US-Schwesterfirma von Sig Sauer sollte kolumbianische Behörden mit Pistolen ausstatten. Allerdings benötigten die Amerikaner die Kapazitäten von Sig Sauer am deutschen Produktionsstandort Eckernförde, um den Auftrag erfüllen zu können. Die Verantwortung für den Deal lag beim damaligen Sig Sauer-Chef Michael L., der Spitze des US-Firmenarms, Ron C., sowie einem weiterer Manager.

Die notwendige Genehmigung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle aber fehlte – seine Zustimmung hätte das Amt aufgrund von Kolumbiens Status als Krisenregion mit bewaffneten Konflikten auch gar nicht erst erteilt.

2014 flogen die Lieferungen auf, die Staatsanwaltschaft ermittelte jahrelang und klagte schließlich Ende 2018 zunächst fünf und letztlich drei Sig Sauer-Manager wegen Verstoßes gegen die Außenwirtschaftsverordnung an. Das Strafmaß sieht dafür maximal fünf Jahre Haft vor.

Mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie eine Bewährungsauflage von 600.000 Euro erhielt C. die höchste Strafe. Allerdings blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe sowie eine Zahlung von 800.000 Euro gefordert hatte.

Entsprechend zufrieden zeigte sich C.s Verteidiger Oliver Sahan: „Das Urteil entspricht unserer zuvor mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht getroffenen Verständigung.“ C.s. Ex-Chef L. muss ebenfalls 600.000 Euro zahlen und bekamt zudem zehn Monate auf Bewährung. Noch milder kam der dritte Angeklagte davon: Ihn verurteilte das Gericht zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldauflage von 60.000 Euro. Strafzahlungen kommen auch auf Sig Sauer zu. Das Unternehmen soll insgesamt rund 11 Millionen Euro zahlen – die Summe, die der Waffenlieferant bei dem Geschäft verdient hat, zuzüglich der Herstellungskosten.

Die Kieler Entscheidung ist bereits der zweite milde Urteilsspruch binnen weniger Wochen im Zusammenhang mit illegalen Waffenlieferungen. Im Februar hatten Manager des Waffenherstellers Heckler und Koch ebenfalls Bewährungsstrafen erhalten. Damals zahlte das Unternehmen rund 2,7 Millionen Euro Strafe.

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