Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gespräche mit Gilead Astra-Zeneca lotet angeblich größte Pharmafusion aller Zeiten aus

Dieser Deal könnte die Pharmabranche umkrempeln: Astra-Zeneca ist laut einem Medienbericht an Gilead für einen Zusammenschluss herangetreten.
07.06.2020 Update: 07.06.2020 - 15:17 Uhr Kommentieren
Der US-Pharmariese will sich offenbar mit dem Konkurrenten Gilead verbünden. Quelle: AFP
AstraZeneca

Der US-Pharmariese will sich offenbar mit dem Konkurrenten Gilead verbünden.

(Foto: AFP)

Frankfurt, London In der Pharmabranche könnte es einem Agenturbericht zufolge zu einer Megafusion kommen. Der britische Konzern Astra-Zeneca sei vergangenen Monat an den Biotech-Rivalen Gilead Sciences aus den USA herangetreten, um einen möglichen Zusammenschluss auszuloten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Sonntag unter Berufung auf Insider. Es gebe dem Bericht zufolge aber noch keine formalen Gespräche über eine solche Transaktion.

Ein Zusammenschluss von Astra-Zeneca und Gilead wäre die bisher größte Fusion in der Pharmaindustrie. Astra-Zeneca müsste wohl eine Summe von mehr als 100 Milliarden Dollar für den amerikanischen Biotechkonzern bieten. Zuletzt wurde Gilead mit 96 Milliarden Dollar bewertet.

Durch eine Übernahme von Gilead würde Astra-Zeneca unter die fünf größten Pharmahersteller weltweit aufrücken – mit einem kombinierten Umsatz von etwa 46 Milliarden Dollar im Jahr 2019. Astra-Zeneca erzielte zuletzt Erlöse von 24 Milliarden Dollar, Gilead von 22 Milliarden Dollar.

Das stark auf Krebs-, Atemwegs- und Herzkreislauf-Medikamente ausgerichtete Portfolio der Briten würde ergänzt durch die umsatzstarken antiviralen Medikamente von Gilead. Der US-Konzern ist auf diesem Gebiet der mit Abstand führende Anbieter – vor allem dank seiner HIV- und Hepatitis-C-Medikamente. Der Versuch von Gilead, auch im Onkologie-Bereich Fuß zu fassen, erwies sich bisher dagegen als weniger erfolgreich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Andererseits verfügt Gilead mit seinem Wirkstoff Remdesivir aktuell über das einzige Medikament, das zumindest eine gewisse, wenn auch noch keine durchschlagende Wirkung gegen Covid-19 gezeigt hat. Manche Analysten trauen dem Mittel Spitzenumsätze von bis zu sieben Milliarden Dollar zu.

    Die beiden Firmenchefs, Astra-Zeneca-CEO Pascal Soriot und der seit gut einem Jahr amtierende Gilead-Chef Daniel O’Day, kennen sich bestens aus ihrer gemeinsamen Zeit im Topmanagement des Schweizer Pharmariesen Roche.

    Skepsis in Branchenkreisen

    In Branchenkreisen sieht man die Gerüchte über eine Fusion der beiden Pharmakonzerne dennoch skeptisch: Astra-Zeneca sei schon vor der Coronakrise mit vielen Projekten beschäftigt gewesen, nun setze das Unternehmen viel daran, möglichst rasch einen Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt zu bringen. Zudem sei es nicht einfach, einen solch großen Deal ohne die Möglichkeit persönlicher Gespräche einzufädeln. „Wir kommentieren keine Gerüchte oder Spekulationen“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.

    Zuletzt wurde die Mergerwelle im Pharmasektor durch die Übernahmen von Celgene durch Bristol-Myers Squibb (mit einem Transaktionsvolumen von knapp 90 Milliarden Dollar), Allergan durch Abbvie (63 Milliarden Dollar) und dem Kauf von Shire durch die japanische Takeda (59 Milliarden Dollar) vorangetrieben.

    Der letzte dieser drei Deals, die Übernahme von Allergan durch Abbvie, wurde im Juni 2019 vereinbart und vor wenigen Wochen vollzogen. Traditionell wird der Sektor durch größere Fusionswellen alle drei bis vier Jahren geprägt. In der Zwischenzeit kommt es indes fast kontinuierlich zu kleineren und mittelgroßen Deals, vor allem weil sich Pharmafirmen mit dem Erwerb von kleineren Biotechfirmen verstärken.

    Gilead etwa hatte zuletzt unter anderem die Krebsforschungsfirmen Kite und Forty Seven übernommen und sich mit vier Milliarden Dollar an der belgischen Biotechfirma Galapagos beteiligt.

    Dass nun ausgerechnet Astra-Zeneca die Fusionswelle neu antreibt, wäre aber insofern ungewöhnlich, da der Konzern in den vergangenen zwei Jahrzehnten weitgehend auf Übernahmen verzichtete und zudem derzeit auch organisch sehr stark wächst. Der Konzern entstand Ende der Neunzigerjahre durch die Fusion der schwedischen Pharmafirma Astra mit der britischen Zeneca, einer Abspaltung aus dem ICI-Konzern, und hat seither praktisch nur einen einzigen größeren Zukauf vollzogen: den Erwerb der US-Biotechfirma Medimmune im Jahre 2007.

    Anders als fast alle etablierten Pharmahersteller versuchte Astra-Zeneca nie, wichtige Patentabläufe und nachfolgende Umsatzverluste bei wichtigen Medikamenten wie dem Cholesterinsenker Crestor durch Akquisitionen zu kompensieren. Zwischen 2011 und 2018 büßte der Konzern ein Drittel seines Umsatzes ein, bevor eine Trendwende einsetzte. Lange machten Investoren daher einen Bogen um die Aktien des Unternehmens.

    Schwächephase überwunden

    Der Franzose Pascal Soriot, der den britischen Konzern seit 2012 führt, setzte ungeachtet der Schwächephase eisern auf die Entwicklung neuer Medikamente, insbesondere gegen Krebserkrankungen. Er musste dabei anfangs mehrere Rückschläge verkraften.

    2014 versuchte der US-Konkurrent Pfizer, den britischen Konzern für rund 117 Milliarden Dollar zu übernehmen. Damals setzte sich Astra-Zeneca mit Händen und Füßen zur Wehr. Das sei „eine besondere Erfahrung“ für alle bei Astra-Zeneca gewesen, erzählte Soriot dem Handelsblatt in einem Interview. „Es war, als würde ein kleines Dorf angegriffen: Jeder hat geschaut, was er zur Verteidigung beitragen kann.“

    Der Manager hatte Erfolg und konnte den Übernahmeversuch abwehren, Pfizer gab auf, und Soriots Strategie zahlt sich inzwischen aus: Bei neuen Wirkstoffe und Medikamenten gegen Krebs, Atemwegserkrankungen und andere Krankheiten vermeldete das Unternehmen in den letzten Jahren eine ganze Serie von wichtigen Erfolgen. Vor allem das Lungenkrebs-Medikament Tagrisso entpuppt sich inzwischen als sehr starker Umsatztreiber. Mit rund 16 Prozent Umsatzplus im ersten Quartal 2020 ist Astra-Zeneca inzwischen der wachstumsstärkste Big-Pharma-Konzern.

    Mit einer Marktkapitalisierung von über 130 Milliarden Euro (rund 145 Milliarden Dollar) war Astra-Zeneca vor wenigen Tagen das teuerste Mitglied des Londoner Börsenindexes FTSE-100 und hatte sogar die bisherigen Schwergewichte Royal Dutch Shell und Unilever überholt. Bei Analysten gehört Astra-Zeneca zu den Favoriten unter den globalen Pharmakonzernen.

    Für Schlagzeilen sorgt der britische Pharmahersteller derzeit zudem mit seinem Engagement in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Zusammen mit der Universität Oxford wollen die Briten noch in diesem Jahr einen wirksamen Impfstoff herstellen, Tests an Menschen laufen bereits.

    Mit dem Projekt demonstriert Astra-Zeneca Bereitschaft, auch in völlig neue Therapiefelder zu investieren. Im Impfstoffbereich war der Konzern bisher gar nicht vertreten. Eine Übernahme von Gilead wäre im Prinzip ein weiterer Schritt in Richtung Infektionskrankheiten, die sich angesichts der Corona-Pandemie zu einem neuen Schwerpunkt für die Pharmabranche entwickeln dürften. Aber es wäre auch ein Manöver, das in jeder Hinsicht aufwendiger und komplexer wäre als das Impfstoff-Engagement.

    Mehr: Zulassung von Remdesivir als Coronamittel verzögert sich

    Startseite
    Mehr zu: Gespräche mit Gilead - Astra-Zeneca lotet angeblich größte Pharmafusion aller Zeiten aus
    0 Kommentare zu "Gespräche mit Gilead: Astra-Zeneca lotet angeblich größte Pharmafusion aller Zeiten aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%