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Gesundheitsbranche Diese Innovationen sollen bei Merck für neues Wachstum sorgen

Firmenchef Stefan Oschmann will das Übergangsjahr 2018 bald abhaken. Vor allem die Pharmasparte soll den Konzern im kommenden Jahr deutlich voranbringen.
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Merck: Diese Innovationen sollen für neues Wachstum sorgen Quelle: dpa
Merck

Das Pharma- und Chemieunternehmen kann sich in einem schwierigen Marktumfeld behaupten.

(Foto: dpa)

FrankfurtDas Jahr 2018 verläuft für den Darmstädter Merck-Konzern holprig, doch ab 2019 will der Pharma- und Spezialchemiekonzern wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Diesen Ausblick bekräftigte Merck-Chef Stefan Oschmann auf dem diesjährigen Kapitalmarkttag des Konzerns, einer größeren Informationsveranstaltung für Analysten.

Anders als viele Dax-Unternehmen, die ihre Jahresprognosen für 2018 nach unten korrigieren mussten, hat Oschmann die Prognose von Merck für das laufende Jahr bestätigt. Sie sieht bei 14,1 bis 14,6 Milliarden Euro Umsatz einen Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) von einem bis drei Prozent vor.

Hinzu kommen voraussichtlich negative Währungseffekte von fünf bis sieben Prozent. Die Börse reagierte leicht positiv auf den zuversichtlichen Tonfall in den von Merck vorgelegten Präsentationsunterlagen.

Zwei Sparten sollen im kommenden Jahr für einen neuen Wachstumsschub sorgen: Gesundheit beziehungsweise Pharma und Lifescience, das sich der Forschung von Biotech-Materialien widmet. 2020 rechnet der Konzern auch mit einem verbesserten Geschäft der Sparte Materials. Neben Elektronikchemikalien und Pigmenten beschäftigten sich die Merck-Forscher in dieser Sparte auch mit Flüssigkristallen.

Ausgerechnet im hochprofitablen Geschäft mit Flüssigkristallen verlor Merck zuletzt Marktanteile, wo der Konzern mit Anteilen von bis zu 60 Prozent eine Führungsposition inne hatte. Im ersten Halbjahr schrumpfte die Sparte um 8,5 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro Umsatz.

Künftig will sich Merck vor allem als führender Anbieter für die Elektronikindustrie positionieren, wie der neue Spartenchef Kai Beckmann deutlich machte, der seit dem vergangenen Jahr für diesen Bereich verantwortlich ist. Merck habe hierzu seine Forschung und Entwicklung neu ausgerichtet. Die Produktpipeline in dem Segment umfasst laut Beckmann rund 200 erfolgversprechende Einzelprojekte, die man insgesamt stärker an den Kundenbedürfnissen ausrichte.

Im Zuge der Neuausrichtung hat Merck dabei auch die Schwerpunkte verschoben. So setzt der Konzern insgesamt stärker auf Materialien für die Halbleiterproduktion. Im Displaybereich fokussiert er sich stärker auf kleinteilige Quanten-Materialien anstatt auf Flüssigkristalle, die bisher noch das Geschäft dominieren. Auch organische Leuchtdioden (OLED) sind weiterhin ein wichtiges Thema für Merck, auch wenn sich bisher nicht alle Hoffnungen erfüllten.

So setzte Merck bisher stark auf OLED-Materialien, mit denen Bildschirme gedruckt werden können, und hatte dazu vor fünf Jahren auch eine Partnerschaft mit der japanischen Firma Epson vereinbart. Diese Technologie kommt allerdings nicht so gut voran wie geplant.

„Das OLED-Geschäft insgesamt entwickelt sich gut, aber speziell die Drucktechnik hängt noch sehr in den Startlöchern“, sagte Beckmann.

Alles in allem geht der Konzern davon aus, ab 2020 wieder rund drei Prozent organisches Wachstum in der Sparte zu generieren und die Ebitda-Marge bei über 30 Prozent zu halten. Damit wird man zwar gegenüber früheren Werten von zum Teil deutlich über 40 Prozent zurückliegen. Dafür liegt Merck über dem Branchenschnitt für Spezialchemie, der bei etwa 20 Prozent liegt.

Neue Krebsmittel treiben Pharmasparte an

Besser sieht es derweil in der Gesundheitssparte aus. Merck-Chef Oschmann bestätigte die Prognose. Demnach rechnet der Konzern vor allem dank zahlreicher Neuentwicklungen mit einem beschleunigtem Wachstum. Nach dem geplanten Verkauf des Bereichs Selbstmedikation (Consumer Health) wird sich die Sparte auf das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten fokussieren. Sie generiert, ebenso wie die Lifescience-Sparte, rund 42 Prozent des Merck-Gesamtumsatzes.

Im Pharmageschäft sieht sich der Konzern weiter an der Schwelle zu einer Phase, in der – nach langer Durststrecke – Produkte aus eigener Forschung wieder für Wachstum sorgen.

Oschmann stellte jetzt in Aussicht, dass das bestehende Sortiment mit älteren Produkten den Umsatz in den nächsten Jahren mindestens halten, möglicherweise sogar leicht steigern kann. Gleichzeitig sollen Neuentwicklungen bis 2022 mehr als zwei Milliarden Euro Zusatzumsatz bringen. Etwa die Hälfte soll dazu das bereits gegen Haut- und Blasenkrebs zugelassene Krebsmittel Bavencio beisteuern, das Merck zusammen mit dem US-Pharmariesen Pfizer entwickelt und in einer ganzen Reihe zusätzlicher Einsatzbereiche testet.

Geplant ist unter anderem ein Zulassungsantrag im Bereich Nierenkrebs, wo Bavencio in Kombination mit einem weiteren Krebsmittel von Pfizer gute Daten zeigte. Der Wirkstoff gehört zur Klasse der Krebsimmuntherapien, die seit einigen Jahren für Furore sorgen. Gegenüber Konkurrenzprodukten der US-Konzerne Bristol-Myers Squibb, Merck & Co sowie der Schweizer Roche-Gruppe liegt Merck allerdings noch ein gutes Stück zurück.

Zweiter Pfeiler der Wachstumsstrategie ist das Multiple-Sklerose-Medikament Mavenclad, das in der EU bereits zugelassen ist und sich in den USA im Genehmigungsverfahren befindet. Auch für dieses Produkt kalkuliert Merck mit einem Umsatzpotenzial von einer Milliarde Euro bis 2022.

Zusätzliche Impulse könnten in den nächsten Jahren weitere Neuentwicklungen geben, darunter zwei weitere Krebsmittel in fortgeschrittener klinischer Entwicklung und ein neuartiger Wirkstoff gegen Multiple Sklerose. Für zwei dieser Produkte strebt Merck ebenfalls Partnerschaften mit anderen Pharmafirmen an, um die Entwicklungskosten im Lot zu halten und das Potenzial der Substanzen voll auszuschöpfen.

Im Lifescience-Geschäft, das Merck vor vier Jahren durch die Übernahme der US-Firma Sigma-Aldrich erheblich ausbaute, will der Konzern weiter organisch stärker wachsen als der Markt, der nach Einschätzung von Merck um etwa vier Prozent jährlich expandiert. Auch hier sollen innovative Produkte zusätzlichen Schub geben – darunter etwa neue Materialien für die Gen-Editierung oder die Nanotech-Forschung, sowie neue Produkte für die Biotechproduktion.

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