Gesundheitsforschung „Die Masse weiß mehr als der Spezialist“

Internetnutzer diagnostizieren seltene Krankheiten, Patienten werten ihre Gesundheitsdaten selbst aus, Start-Ups forschen Seite an Seite mit Pharmakonzernen: Wie das Silicon Valley die Gesundheitsbranche revolutioniert.
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Crowdmed-Gründer Jared Heyman: Glaubt an das Wissen der Masse, um seltene Krankheiten zu diagnostizieren.

Crowdmed-Gründer Jared Heyman: Glaubt an das Wissen der Masse, um seltene Krankheiten zu diagnostizieren.

San FranciscoDrei Jahre lang beobachtet Jared Heyman, wie seine Schwester in die Verzweiflung schlittert. Erst ist sie depressiv, antriebslos, muss das College abbrechen. Dann kommen Hitzewallungen, wie sie Frauen sonst nur am Anfang der Menopause haben. Schließlich die Suizidgedanken. Jared Heyman sieht, wie seine Mutter mit seiner Schwester in einem Bett schläft, aus Angst, sie könne sich nachts etwas antun. Erst nach drei Jahren, Hunderten Arztbesuchen und Rechnungen von mehr als 70 000 Euro erfährt die junge Frau, was ihr eigentlich fehlt: Sie leidet unter einer seltenen Hormonstörung. Schwer zu erkennen – aber leicht zu behandeln.

Seit Jahren laufen Patienten von Arzt zu Arzt, bis einer der Spezialisten die Krankheit und die passende Behandlung identifiziert. Heyman will diesen Prozess verbessern. Und dafür geht er nach San Francisco. In der ehemaligen Hippie-Stadt am Rande des Silicon Valleys arbeiten Start-ups, Forschungszentren und auch Pharma-Großkonzerne Seite an Seite.

Jared Heymans Beitrag zu dieser Revolution: Er nutzt die Intelligenz der Masse zur Diagnose – quasi wie Wikipedia im OP. Der Patient stellt seine Symptome online, und eine Gruppe von medizinischen Detektiven versucht, den Fall zu lösen. „Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Masse schlauer ist als ein einzelner Spezialist“, sagt Heyman. Eine medizinische Ausbildung müssten die Detektive nicht zwingend haben. „Ärzte bieten nur eine Perspektive auf medizinische Probleme. Auch Ernährungswissenschaftler oder Massagetherapeuten können viel über Gesundheit wissen.“

Ein Blick in Daimlers App-Schmiede
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In seinem neuen Standort in Sunnyvale im US-Bundesstaat Kalifornien bündelt der Autobauer Daimler seine Forschung und Entwicklung in Nordamerika.

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Draußen warten 10 Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Drinnen beschäftigen sich aber nur fünf der 100 Mitarbeiter mit neuen Batterietechniken.

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Diese Mitarbeiterin programmiert eine App, mit der sich der Fahrer jederzeit informieren kann,...

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… wann sein Auto neue Reifen braucht, wie lang die letzte Fahrt war oder wann das nächste Mal getankt werden sollte.

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Die meisten Mitarbeiter sitzen in hellen, offenen Großraumbüros. Um Ideen besser festhalten zu können, haben sich die Designer etwas überlegt...

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… so bieten riesige weiße Wände reichlich Raum für Notizen.

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Damit die Kollegen im Großraumbüro nicht gestört werden, hat Daimler zum Telefonieren kleine Einzelbüros eingerichtet. Manche Mitarbeiter haben etwas mehr Platz...

Hinter der Idee stehen einige der bedeutendsten Figuren des Silicon Valley: die Start-up-Schule Y-Combinator und die Investoren Andreessen Horowitz, die durch die Erfindung von Netscape und Beteiligungen an Instagram oder Skype groß geworden sind. Sie glauben: Das Machtverhältnis zwischen Arzt und Patienten wird sich weiter verschieben. Nicht der Mediziner, sondern der Kranke wird in Zukunft die Daten über seine Gesundheit erheben und auch zu einem großen Teil auswerten.

So denken die Anhänger der „Quantify Yourself“-Bewegung. Apps ermitteln in ihrer Welt die tägliche Schrittzahl oder Schlafphasen. Hilfsmittel wie das von Nike vertriebene Armband Fuelband zeichnen den Kalorienverbrauch auf. Künftig könnte man so auch Blutdruck, Insulinspiegel oder Daten über den Hormonhaushalt ermitteln. Statt unter Beobachtung des Arztes zu stehen, könnten sich Patienten bald vor allem selbst beobachten.

Auch Bayer forscht im Valley
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