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Gesundheitskonzern Fresenius-Chef: „Wir hätten früher investieren sollen“

Vorstandschef Stephan Sturm stimmt die Investoren bei der ersten Branchenkonferenz auf ein Übergangsjahr ein – und gesteht Versäumnisse ein.
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Der Konzern hat viele Probleme. Quelle: Fresenius
Labor von Fresenius

Der Konzern hat viele Probleme.

(Foto: Fresenius)

Frankfurt Fresenius-Chef Stephan Sturm verzichtete darauf, die 40 Seiten Unternehmenspräsentation auf der Leinwand zu zeigen. Er wollte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer ganz für sich, als er am Montag in San Francisco bei der ersten großen Investorenkonferenz der Gesundheitsbranche des neuen Jahres sprach.

Denn es gibt viel zu erklären über den Gesundheitskonzern aus Deutschland, der 2019 erstmals seit Langem kein Gewinnwachstum erwartet. Das hatte die Anleger schwer enttäuscht.

Fresenius nennt 2019 ein Jahr der Investitionen, weil das Unternehmen Geld für verschiedene Wachstumsinitiativen ausgeben will. Das ist eine wohlklingende Formulierung – andere Firmen sprechen in solchen Fällen eher von einem Übergangsjahr.

Dass die Profitabilität hinter dem Umsatzwachstum zurückbleibt, solle aber eine Ausnahme bleiben, sagte Sturm laut der Nachrichtenagentur Bloomberg bei der Konferenz, die von der Investmentbank JP Morgan ausgerichtet wurde.

Die Gründe für die schwächere Entwicklung bei dem mehr als 33 Milliarden Euro schweren Dax-Konzern sind vielfältig. Zum einen läuft das Geschäft bei der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) schlechter als erwartet – unter anderem konnte das Unternehmen seine Patientenzahlen weniger stark steigern als geplant.

Auch bei der Krankenhaustochter Helios in Deutschland wachsen die Patientenzahlen nicht mehr so stark, weil sich immer mehr Menschen ambulant behandeln lassen. Zudem wird das Geschäft durch Änderungen bei den Vergütungssätzen belastet.

Vor allem aber kann Fresenius die schwächeren Entwicklungen bei Helios und FMC in diesem Jahr wohl nicht mehr wie bisher durch eine starke Entwicklung in der Infusionssparte Kabi ausgleichen. Hier hat Fresenius in der Vergangenheit immer wieder stark von Lieferengpässen der Konkurrenz profitiert, die 2019 teilweise beendet sein dürften.

Fresenius will mit verschiedenen Wachstumsinitiativen gegensteuern, erläutert Sturm den Investoren in San Francisco. Bei Fresenius Kabi soll die Produktpalette erweitert werden. Das Dialysegeschäft von FMC soll insbesondere in China ausgebaut werden, in den USA wiederum will der Konzern stärker in den ambulanten Markt der Heimdialyse investieren.

Dazu soll die Übernahme des Dienstleisters Nx Stage beitragen, die bald abgeschlossen sein soll. „Im Nachhinein betrachtet hätten wir früher in dieses Feld investieren sollen“, schlägt Sturm fast schon selbstkritische Töne an.

Fresenius hat seine Investoren im vergangenen Jahr stark enttäuscht, als das Unternehmen im letzten Quartal 2018 zweimal die Erwartungen bei seinen Geschäftsaussichten reduziert hat. Das bescherte der Aktie jeweils zweistellige Abschläge. Mit einem Verlust von knapp 35 Prozent im vergangenen Jahr hat der erfolgsverwöhnte Konzern zudem mehr Wert verloren als der Dax mit minus 18,26 Prozent.

„Über Jahre bin ich zu dieser Konferenz gekommen und habe gesagt, dass wir ein großes, diversifiziertes und wachsendes Gesundheitsunternehmen sind“, hatte Sturm seine Ausführungen auf der JP-Morgan-Konferenz eingeleitet. Das stimme immer noch, auch wenn man an Marktwert eingebüßt habe, so Sturm.

Ab dem Jahr 2020 will Fresenius beim Umsatz wieder im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, beim Gewinn etwas stärker. Akquisitionen sind dabei nicht berücksichtigt. An Zukäufen ist Fresenius – der Konzern war diesbezüglich in den vergangenen Jahren sehr aktiv – aber auch weiterhin interessiert, wie Sturm erneut unterstrich.

Analysten wie Oliver Metzger von der Commerzbank gehen davon aus, dass Fresenius bei künftigen Übernahmen die Zielunternehmen sorgfältiger prüfe. Grund ist die mittlerweile rechtsgültig gekündigte Akorn-Übernahme, die für den Gesundheitskonzern ein Desaster hätte werden können.

„Auch wenn wir es schätzen, dass ein genauer Blick auf mögliche Ziele geworfen wird, können wir uns vorstellen, dass das dazu führt, dass Akquisitionen künftig einen geringeren Beitrag leisten werden“, schreibt er. Wie andere Analysten zuvor hat Metzger seine Kaufempfehlung für Fresenius auf „halten“ zurückgesetzt, weil ihm die positiven Treiber für den Aktienkurs fehlen.

Fresenius-Chef Sturm will die Wachstumsinitiative Ende Februar bei der Vorlage der Jahresbilanz erläutern und dann auch gleich die neuen Mittelfristziele verkünden.

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