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Getränkehersteller Bio-Biere sind im Kommen

Bio-Bier galt lange Zeit als exquisites Nischenprodukt für Öko-Liebhaber. Doch nach drei Jahrzehnten hat sich in Deutschland ein kleiner, solider Markt entwickelt - der allerdings beachtlich schnell wächst.
19.08.2012 - 13:46 Uhr 4 Kommentare
Auch die Stralsunder Brauerei stellt Bio-Biere her.

Auch die Stralsunder Brauerei stellt Bio-Biere her.

Neumarkt Seine Hände sind rau, tief hat sich der Schmutz in Risse und Rillen eingegraben. Dunkle Erde sitzt auch unter den Fingernägeln, mit denen Erwin Ehemann die Körner seiner Weizenähren prüft - der Landwirt ist mit der Qualität zufrieden. Auf seine Ernte baut auch die Bio-Brauerei Lammsbräu, an die Ehemann sein ökologisch angebautes Getreide liefert. Gerade einmal drei Brauhäuser gibt es in Deutschland, die ausschließlich Bio-Biere produzieren, die auch überregional erhältlich sind. Sie erfreuen sich wachsender Nachfrage.

In diesem Jahr ist die Saat gut aufgegangen, fast überall sind Gerste, Weizen und Dinkel dicht an dicht gewachsen. Vor zwei Jahren war das anders: Damals war der Juni extrem trocken, anschließend regnete es im Übermaß. 90 Prozent der Körner wuchsen am Halm aus, statt der üblichen 30 Tonnen Braugerste fuhr Ehemann nur drei ein.

An diese Zeit erinnert sich auch Susanne Horn mit leichtem Schaudern zurück. Die Ernte der Vertragsbauern in der Oberpfalz war 2010 nämlich so miserabel, dass die Generalbevollmächtigte der Brauerei Lammsbräu Rohstoffe zukaufen musste. „Das wollen wir aber eigentlich nicht. Wir wollen nicht irgendein Bio-Getreide, wir wollen das Getreide unserer Bauern und deren Qualität in Händen halten.“ Kein Wachstum um jeden Preis sei die Philosophie des auf regionale Kreisläufe bedachten Unternehmens.

Dennoch kann sich die Brauerei aus Neumarkt nicht über ausbleibenden Erfolg beschweren: 13 Millionen Euro hat sie 2011 mit Bieren und Limonaden („now“) umgesetzt, zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Eigentlich zu viel, wie Horn einräumt. „Bei zehn Prozent Wachstum im Jahr ist das Ende für uns erreicht, weil die Landwirtschaft einfach nicht schneller wachsen kann.“ Selbst wenn die Lammsbräu-Bauern weitere Flächen hinzupachten, gilt eine Wartezeit von drei Jahren, bis das Malz-Getreide das Bio-Siegel erhält.

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    Lammsbräu-Inhaber Franz Ehrnsperger, der die fast 400 Jahre alte Brauerei Anfang der 70er von seinem Vater übernahm, setzte früh auf regionale Lieferanten und Bio-Qualität. Was anfangs geschmackliche Gründe hatte, wurde bald zur festen Überzeugung. Ehrnsperger stellte sogar einen Agraringenieur ein, der alle an einer Umstellung interessierten Landwirte im Umkreis gratis beriet. Mit Erfolg: „Wir haben in Neumarkt eine der höchsten Öko-Landbau-Dichten, die es gibt“, schildert Horn. Zwölf Prozent der Fläche würden ökologisch bewirtschaftet - bundesweit ist der Anteil nur halb so hoch.

    Den nervenaufreibenden Kampf um genügend Rohstoffe in Bio-Qualität kennt auch Barbara Müller nur zu gut. Die 47-Jährige ist Braumeisterin in der sechsten Generation, ihr Vater brachte schon 1980 das erste Bio-Bier auf den Markt. Doch erst 1991 stellte die Pinkus Müller Brauerei komplett auf Bio um - viele Öko-Bauern in der Region hatten ihr Getreide lieber erstmal den Bäckereien geliefert.

    Heute stellt die im westfälischen Münster ansässige Brauerei rund 20.000 Hektoliter im Jahr her. „Für Bio-Biere ist es einfacher geworden“, berichtet Müller. Um sogleich hinterherzuschieben: „Aber die Konkurrenz ist größer geworden.“

    Kleiner Markt, großes Wachstum
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    4 Kommentare zu "Getränkehersteller: Bio-Biere sind im Kommen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dass es derzeit keine Option ist, die gesamte Weltbevölkerung "Bio" zu ernähren, sehe ich auch so. Daher sind Forderungen, alles rein Bio zu produzieren, utopisch. Allerdings ist es doch auch Unsinn, dass wegen Bio-Lebensmitteln anderswo Leute verhungern. Es gibt global nicht zu wenig Lebensmittel, es ist schlicht ein Verteilungsproblem. In Industrieländern existiert z.T. staatlich subventionierte, (konventionelle, ohne Bio) Überproduktion, die anschließend vernichtet wird. Exportiert man den mit Subventionen produzierten Überschuss in die Länder mit Hungerproblem, macht man die dortige Landwirtschaft kaputt und verstärkt das Problem noch.
      Außerdem: Wer Angst vor Produktivitätsverlusten und Verknappung hat, weil ein paar Besserverdienende in westlichen Ländern "Bio" bevorzugen, sollte sich mal lieber die Produktion und den Konsum von konventionell hergestelltem Fleisch vornehmen, wo Nutzflächen und pflanzliche Rohstoffe verschwendet werden - der "Wirkungsgrad" gerade von Kühen und Schweinen ist nämlich sehr klein.


    • ... muss man verstehen, was Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun hat?

    • Ein Bier welches wirklich nach dem Reinheitsgebot gebraut ist da brauchts kein BIO, nur perfekt für die Hersteller um BIO Preise zu verlangen. Gibt genug kleine Brauereien in D wo das Bier noch nach Bier schmeckt nicht so eine Einheitsplörre wie die der Grossbrauereien, die dazu auch nach dem Reinheitsgebot brauen, besser als jedes Bio e10 Bier.

    • BIO hilft, dass Menschen besonders in III. Staaten verhungern.

      Was man mit AIDS nicht geschafft hat (Dezimierung der Weltbevölkerung) schafft man jetzt endlich mit BIO.

      Prost
      und ab dem 3- 4 Bier ist es uns dann auch egal, wie viele Menschen gerade wegen dem BIO-Wahn zusätzlich verhundern müssen.

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