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Gewinnrückgang bremst Wachstum BASF-Chef Martin Brudermüller muss hart um seine eigene Zielsetzung kämpfen

Der Neue an der BASF-Spitze will den Chemiekonzern aus Ludwigshafen auf Wachstum trimmen. Doch Unternehmenszahlen und Marktumfeld machen das schwer.
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BASF-Chef Martin Brudermüller muss um seine Zielsetzung kämpfen Quelle: obs
Martin Brudermüller

Seit Anfang Mai steht der 57-Jährige an der Spitze des weltweit führenden Chemieherstellers.

(Foto: obs)

FrankfurtMehr Wachstum, mehr Innovation. So lauten die Ziele, die Martin Brudermüller für die BASF ausgegeben hat und Mitte November in eine neue strategische Ausrichtung verpackt hat. Der Ludwigshafener Chemieriese soll künftig wieder stärker zulegen als die globale Chemieproduktion, seinen Betriebsgewinn jährlich um drei bis fünf Prozent steigern und die Dividende stetig erhöhen.

Seit Anfang Mai steht der 57-Jährige an der Spitze des weltweit führenden Chemieherstellers. Doch für sein erstes Jahr als BASF-Chef wird der promovierte Chemiker wohl nicht allzu viel an neuem Schwung für den Ludwigshafener Konzern vorweisen können. Im Gegenteil: Mit Betriebsgewinn und Aktienkurs geht es derzeit steil bergab.

Keine drei Wochen nach dem Strategieupdate musste der Chemiekonzern einräumen, dass der operative Gewinnrückgang 2018 mit minus 15 bis 20 Prozent wohl deutlich stärker ausfällt als noch vor wenigen Wochen erwartet. Die Gewinnwarnung verschickte er am Freitagabend, während sich in den Medien alles um die neue CDU-Vorsitzende drehte.

Für das vierte Quartal alleine zeichnet sich für die BASF ein Gewinneinbruch um mehr als 50 Prozent ab, und auch für die erste Hälfte 2019 sieht es für den Konzern, wie auch für etliche andere Chemiehersteller, nach Einschätzung vieler Experten eher düster aus. Die BASF-Aktie gab am Montag stark nach und hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert verloren. Die Performance ist damit fast genauso schwach wie beim Bayer-Konzern, der an der Übernahme des umstrittenen US-Saatgutriesen Monsanto leidet.

Brudermüllers Handlungsmöglichkeiten sind dabei eher begrenzt. Der seit Monaten niedrige Wasserstand des Rheins führte zu Produktionsausfällen und höheren Logistikkosten. Zudem: Im Vorjahr erzielte die BASF Rekordmargen im Geschäft mit Basisprodukten und Polyurethan-Kunststoffen, was den BASF-Gewinn stark nach oben trieb. In diesem Jahr jedoch sorgen neue Kapazitäten und eine schwächere Nachfrage für deutlich sinkende Preise und Gewinne am Markt.

„Sehr viel Energie und Begeisterungsfähigkeit“

Hinzu kommt eine schwächelnde Autokonjunktur. Als alter Hase in der BASF-Führung bringt Brudermüller dabei einiges an Erfahrung, auch im Krisenmanagement, mit. Seit 2006 im Vorstand musste er als Asienchef vor zehn Jahren bereits mithelfen, den Konjunktureinbruch nach der Finanzkrise zu bewältigen.

Schon 2011 gehörte er zu den Kandidaten für den Vorstandsvorsitz, musste damals jedoch seinem Kollegen Kurt Bock den Vortritt überlassen. Anders als sein eher nüchterner Vorgänger gilt Brudermüller als hemdsärmeliger und tatendurstiger Machertyp. Bei vielen Mitarbeitern im Konzern ist er hoch angesehen, auch weil er verspricht, die Technik in den Vordergrund zu stellen. Auch kommt sein Vorhaben gut an, das BASF-Geschäft wieder stärker auf die Kernkompetenz im Betrieb großer, vernetzter Chemiewerke zu konzentrieren.

Das Interesse für Naturwissenschaften erbte er von seinem Vater, einem gelernten Kernphysiker. Als Pennäler liebäugelte mit der Idee, Chirurg zu werden, entschied sich dann aber lieber für den „schmutzigen Teil der Physik“, die Chemie, und startete seine Industriekarriere nach Promotion und Postdoc-Studium im berühmten Ammoniaklabor der BASF.

Von sich selbst sagt Brudermüller: „Ich habe sehr viel Energie und Begeisterungsfähigkeit.“ Beides wird er in den nächsten Monaten zur Genüge brauchen, und dies nicht nur, um die akute Flaute im Chemiegeschäft zu bewältigen. Ausgerechnet im unsicheren Konjunkturumfeld hat Brudermüller auch den größten organisatorischen Umbau der BASF angestoßen. Rund 20 000 Mitarbeiter sollen aus bisher zentralen Servicefunktionen künftig den Geschäftsbereichen direkt zugeordnet werden.

Die einzelnen Sparten, so das Ziel, sollen beweglicher werden und näher an den Kunden rücken. Vor allem im umfangreichen Spezialchemie-Geschäft braucht die BASF mehr Wachstum und höhere Margen, um die neuen langfristigen Ertragsziele zu erfüllen.
Zwei Milliarden Euro an Kosteneinsparungen soll die Neuordnung in den nächsten Jahren bringen. Inwieweit das mit Stellenabbau einhergeht, ließ der BASF-Chef bisher offen.

Doch je stärker die Konjunktur einbricht, desto eher dürfte der Umbau auch mit gravierenden Einschnitten einhergehen. Brudermüller wird dann beweisen müssen, dass er die BASF-Mannschaft auch mit schlechten Nachrichten mitreißen kann.

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