Gewinnsprung Toyota ist profitabler als VW

Volkswagen mag der größte Volumenhersteller der Welt sein, doch der profitabelste dürfte aus Japan kommen.
Update: 06.02.2018 - 10:08 Uhr Kommentieren
Toyota ist profitabler als VW Quelle: dpa
Toyota

Allein im dritten Quartal erwirtschaftete der Autobauer ein operatives Ergebnis von mehr als 5 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

TokioAnfang 2017 versuchte Toyotas Chef Akio Toyoda noch Krisenstimmung zu verbreiten. Doch am Dienstag war davon in Toyotas Quartalsbilanz finanziell wenig zu spüren. Der Konzern übertraf wieder einmal seine Prognosen. Mit einer Gewinnmarge von 8,9 Prozent war er im dritten Quartal des bis Ende März laufenden Bilanzjahres 2017 auch einer der profitabelsten Autobauer der Welt.

Allein im abgelaufenen Vierteljahr erhöhte Toyota den Betriebsgewinn um 53,6 Prozent auf 673,6 Milliarden Yen (fünf Milliarden Euro). Zudem hoben die Japaner auch die Jahresprognose deutlich an.

Für das gesamte Bilanzjahr erwartet Toyota nun, dass der Umsatz zwei Prozent stärker als bislang angenommen auf 29 Billionen Yen (214 Milliarden Euro) steigen wird. Der Betriebsgewinn wiederum soll nun gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 2,2 Billionen Yen (16,2 Milliarden Euro) wachsen anstatt zu stagnieren. Der Reingewinn liegt mit 2,4 Billionen Yen (17,7 Milliarden Euro) sogar noch ein bisschen höher. 

Bei Konkurrent Volkswagen hatten Rückstellungen für den Dieselskandal das operative Ergebnis im dritten Quartal deutlich belastet. Das operative Ergebnis hatte sich auf fast 1,72 Milliarden Euro halbiert. Damit dürfte Toyota auch im Gesamtjahr die Nase vorn haben.

Hinter Toyotas Gewinnsprung steckt allerdings noch keine Verkaufsoffensive, sondern vor allem die konservative Schätzung zu Jahresbeginn. So streicht Toyota nicht nur wieder Wechselkursgewinne ein, weil der Yen schwächer war als Toyota sicherheitshalber schätzte. Außerdem hat der Konzern erneut stärker gespart als bislang eingerechnet. Die Sparmaßnahmen machen immerhin rund zwei Drittel des Gewinnplus aus.

Nur ein Markt stört den guten Gesamteindruck, ausgerechnet Toyotas wichtigste Region Nordamerika. Dort kämpft Toyota bei sinkender Pkw-Nachfrage mit Rabatten um Marktanteile. Die amerikanischen Autokäufer greifen immer häufiger zu Pick-ups und Geländewagen und lassen klassische Pkw mit Kofferraum bei den Händlern stehen.

Modelle wie den Camry und den Corolla kann Toyota deshalb nur mit Preisabschlägen verkaufen. Gleichzeitig erhöht der Konzern den Ausstoß der in den USA beliebten offenen Pritschenwagen. Die Einnahmen in Nordamerika sind für Toyota wichtig, um die Investitionen in die Elektromobilität, selbstfahrende Autos und neue Mobilitätsdienste stemmen zu können.

Das sind die Renditekönige der Autowelt
Platz 10 - Hyundai - Ebit-Marge: 5,3 Prozent
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Die Rendite der Koreaner hat in den ersten neun Monaten kräftig gelitten. 2,99 Milliarden Euro Gewinn bedeuten neun Prozent weniger als im Vorjahr. Das reicht allerdings immer noch für die Top Ten – allerdings nur, weil die französischen Konzerne Renault und PSA nicht in der Statistik auftauchen. Die Franzosen machten im dritten Quartal keine Ebit-Angaben.

Quelle: EY, Stand: 1.-3. Quartal 2017

Platz 9 - Honda - Ebit-Marge: 5,4 Prozent
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Die Japaner haben ihren Gewinn in den ersten drei Quartalen um neun Prozent auf 4,78 Milliarden Euro gesteigert. Bei der Marge hat Honda damit deutliche Fortschritte gemacht.

Platz 8 - FCA - Ebit-Marge: 5,7 Prozent
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Die Italiener haben mit Jeep eine unschlagbare Gewinnmaschine im Konzern. Ein Plus von 22 Prozent in den ersten neun Monaten spricht eine deutliche Sprache. Der Gewinn von Fiat-Chrysler stieg auf 4,65 Milliarden Euro.

Platz 7 - Nissan - Ebit-Marge: 5,7 Prozent
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Anders als die Schwester Renault verläuft das Jahr für Nissan dürftig. Der Absatz stagniert, der Gewinn ist sogar um fünf Prozent auf 4,19 Milliarden Euro eingebrochen. Im Branchenvergleich ist das aber immer noch in Ordnung.

Platz 6 - Volkswagen - Ebit-Marge: 6,2 Prozent
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Der Schein trügt. Die Marge des VW-Konzerns fällt im Vergleich mit der Konkurrenz zwar gut aus – doch das geht vor allem auf die Kappe der Premiummarken Audi und Porsche. Die Kernmarke VW erwirtschaftet bestenfalls unterdurchschnittliche Renditen. Dank überwundener Dieselkrise steigt der Gewinn in den ersten neun Monaten trotzdem um satte 23 Prozent auf 10,64 Milliarden Euro.

Platz 5 - Toyota - Ebit-Marge: 7,1 Prozent
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Für den erfolgsverwöhnten Branchenprimus lief das Jahr bislang durchwachsen – vor allem, weil die Japaner großen Wert auf ihre Profitabilität legen. Der Gewinn sank aber um acht Prozent auf 12,34 Milliarden Euro. Das ist allerdings in absoluten Zahlen immer noch der höchste Gewinn in der Industrie.

Platz 4 - General Motors - Ebit-Marge: 7,5 Prozent
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Mary Barra regiert beim US-Autobauer mit eiserner Hand – und richtet ihn gnadenlos auf Effizienz aus. Wegen Verlusten aus dem Opel-Verkauf sank der Gewinn in den ersten neun Monaten damit um sechs Prozent auf 7,27 Milliarden Euro.

Dank der Neuausrichtung und der Preisabschläge konnte Toyota den Verkaufsrückgang in Nordamerika in Grenzen halten. Dort schlug der japanische Konzern im dritten Quartal 735.000 Fahrzeuge los, ein Prozent weniger als vor Jahresfrist. In Japan stiegen die Verkäufe um drei Prozent auf 552.000 Einheiten und in Europa um 1,7 Prozent auf 237.000 Stück. Rund um den Globus übergab Toyota 2,63 Millionen Fahrzeuge an Kunden, im Vorjahreszeitraum waren es 14.000 mehr.

Neben diversen Initiativen für elektrische und autonome Autos sowie neue Mobilitätskonzepte setzt Toyota nicht nur auf seine neue Auto- und Fabrikarchitektur, die Toyota New Global Architecture. Der Konzern will auch die Mitarbeiter an traditionellen manuellen Produktionsstraßen schulen, damit dem Konzern trotz der zunehmenden Automatisierung und immer intelligenterer Roboter nicht das menschliche Know-how in der Produktion verloren geht.

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