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Gießerei Rettung der früheren Halberg Guss droht zu scheitern

Ein Streit zwischen VW und anderen wichtigen Kunden stellt die Zukunft der Gießerei-Gesellschaft infrage. In wenigen Wochen droht die Insolvenz.
27.06.2019 - 17:57 Uhr Kommentieren
Der ‧Autozulieferer steht vor einer ungewissen Zukunft. Quelle: action press
Avir-Guss in Saarbrücken

Der ‧Autozulieferer steht vor einer ungewissen Zukunft.

(Foto: action press)

Düsseldorf, Berlin Es war wie ein Weihnachtsgeschenk für die rund 2000 Mitarbeiter, als die Restrukturierungsgesellschaft One Square Ende des vergangenen Jahres ankündigte, die Neue Halberg Guss (NHG) nach einer langen Hängepartie zu kaufen. Innerhalb kürzester Zeit arbeitete die neue Geschäftsführung ein Sanierungskonzept aus, das die Zukunft der notleidenden Gießerei bis zum Jahr 2023 nun weitgehend sichern soll.

Sowohl die betroffenen Bundesländer als auch Gewerkschaft und wichtige Kunden haben dafür ihre Unterstützung zugesagt. Auch die Produktion läuft wieder stabil. Doch nun droht der Rettungsplan für das Unternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1756 zurückreichen, auf den letzten Metern zu scheitern.

Wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr, könnte der inzwischen in Avir Guss umbenannten Firma in wenigen Wochen die Insolvenz drohen – wenn sich nicht wichtige Geldgeber aus dem Kundenkreis kurzfristig auf die konkreten Konditionen und die Verteilung weiterer Finanzhilfen für die Gießerei einigen können.

So attestiere ein Gutachten der Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Mazars dem Unternehmen einen zusätzlichen Finanzbedarf in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags, um das Geschäft wirtschaftlich tragfähig aufzustellen, heißt es aus informierten Kreisen.

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    Fehle das Geld, stünden wohl auch in Aussicht gestellte Zusagen der Regierungen von Sachsen und des Saarlands auf dem Spiel – ebenso wie die Zugeständnisse der Arbeitnehmer. Denn beides ist an die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Avir Guss geknüpft.

    „Wir haben seitens der IG Metall unsere Unterstützung zum Sanierungskonzept zugesagt, das wir nun umsetzen wollen“, sagte Patrick Selzer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Saarbrücken, dem Handelsblatt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir dies mit Unterstützung der Bundesländer Saarland und Sachsen sowie unserer Großkunden erreichen.“

    Doch unter den Kunden – darunter Autobauer wie Volkswagen, Daimler und General Motors, aber auch der Kölner Motorenhersteller Deutz – schwelt ein Streit, der schon unter dem früheren Halberg-Guss-Eigentümer, dem bosnischen Automobilzulieferer Prevent, seinen Anfang nahm. Es geht dabei um die Schuld an der Misere der Gießerei – aber auch um die Frage, wer welchen Beitrag leistet, um das Unternehmen wieder nachhaltig in die Spur zu bringen.

    Kunden sprangen ein

    Schon der Kauf der früheren NHG durch den Sanierer One Square war nur mithilfe der Unterstützung wichtiger Kunden möglich. So wurde die Transaktion vollständig von einem Konsortium finanziert, an dem sich wichtige Kunden der Gießerei nach einem Konflikt zwischen Prevent und VW, der auf seinem Höhepunkt zu einem Produktionsstopp bei der NHG geführt hatte, beteiligt haben. Zu den Investoren sollen General Motors sowie Deutz gehören, die durch die daraus folgenden Lieferschwierigkeiten ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden, erklärten damit vertraute Personen. Insgesamt betrug der Kaufpreis damals 50 Millionen Euro.

    Doch obwohl der Streit zwischen VW und Prevent wohl ursächlich für die Probleme bei der NHG war, wollte sich VW damals nicht an der Finanzierung des Kaufs beteiligen. Und weigert sich offenbar auch heute, einen Teil zu den nun nötigen Finanzhilfen für die umfirmierte Avir Guss beizutragen.

    Bei einigen anderen Mitgliedern des jetzigen Konsortiums, dem diesmal alle wichtigen Kunden der Gießerei angehören, sorgt das zunehmend für Unmut. „VW verhält sich wie ein Trittbrettfahrer“, klagt ein Manager. „Entweder verweigern sie sich oder stellen völlig überzogene Bedingungen wie eine priorisierte Belieferung.“ Vor allem für die Konkurrenten des Konzerns, die dem Konsortium ebenfalls angehören, sei das nicht akzeptabel.

    Eine Sprecherin des VW-Konzerns erklärte dazu: „Wir halten uns an die mit den Gusswerken Saarbrücken und Leipzig geschlossenen Verträge.“ Zu weiteren Details wollte sich das Unternehmen nicht äußern.
    Weigern sich die Kunden allerdings, die Unterstützung einvernehmlich zu leisten, gefährdet das die kurzfristigen Fortführungsperspektiven der Gießerei, weil die Unterstützung der betroffenen Bundesländer sowie der Arbeitnehmer davon abhängt.

    So erklärte etwa das saarländische Wirtschaftsministerium auf Anfrage, dass es noch keine rechtsverbindlichen Zusicherungen gegenüber der Avir gebe, die die Gewährung von Bürgschaften beziehungsweise Fördermitteln betreffen. Grundsätzlich sei das Saarland jedoch bereit, notwendige Investitionen abzusichern, etwa in Form einer Bürgschaft.

    „Sofern eine Bürgschaft über einen Kreditgeber der Gusswerke beantragt wird, ist neben der Beachtung der einschlägigen beihilferechtlichen Voraussetzungen unter anderem eine gutachterliche Stellungnahme eines neutralen Wirtschaftsprüfers Voraussetzung“, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. Der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) hatte Landeshilfen in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt, unter anderem auch zur Sicherung der Liquidität der Avir Guss.

    Noch ist das Management optimistisch, die Voraussetzungen auch dank der Hilfszusagen der Kunden erfüllen zu können. So erklärte Avir-Geschäftsführer Frank Günther dem Handelsblatt, zusammen mit den Unterstützungszusagen der Bundesländer Saarland und Sachsen sowie den Einsparungen auf der Personalseite sei „ein großer Teil der Restrukturierungskosten gedeckt“.

    Auch gebe es die Zusage der Großkunden der Avir, einen Teil dazu beizutragen, so Günther, der gleichzeitig auch als Managing Partner bei One Square fungiert. „Noch offen ist, wie sich diese Mittel aufteilen. Wir sind aber sehr zuversichtlich, diese Frage zeitnah lösen zu können.“

    Einigung weiter offen

    Ob das tatsächlich gelingt, ist allerdings angesichts der offenbar harten Haltung von VW fraglich. Aus Branchenkreisen verlautete zwar, dass es von VW-Seite keine Forderung nach exklusiver Belieferung gebe. Doch in der Zeit des offenen Konflikts mit der Prevent-Gruppe habe sich Volkswagen nach anderen Zulieferern umgesehen, um nicht länger dem Prevent-Druck ausgesetzt zu sein.

    Der VW-Konzern habe inzwischen entsprechende Vereinbarungen mit anderen Lieferanten getroffen. Trotzdem beziehe Volkswagen auch weiterhin Teile vom früheren Unternehmen Halberg Guss, obwohl der Konzern das überhaupt nicht mehr müsse. Das sei ein Beitrag von VW zur Arbeitsplatzsicherung in Saarbrücken und Leipzig.

    Doch während im Hintergrund um Proporz und Konditionen der Kundenhilfen gestritten wird, wird die Lage für die 2000 Beschäftigten der Avir Guss zunehmend unsicher. Und das, obwohl die Produktion wieder rundlaufe, wie es aus dem Umfeld des Unternehmens hieß.

    Dennoch sei der kurzfristige Finanzbedarf hoch, auch weil der Streit zwischen VW und Prevent und die darauffolgenden Produktionsstopps viel Geld gekostet hätten. „In spätestens drei Wochen könnte Avir zahlungsunfähig sein“, erklärte eine mit der Sache vertraute Person.

    Mehr: Erdgas spielt als Kraftstoff für Autos eine unbedeutende Rolle. Volkswagen will die Idee trotzdem nicht aufgeben. Doch der entscheidende Durchbruch fehlt bisher.

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