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Glyphosat-Prozess Bayer zu 80 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt

Bayer hat den zweiten Prozess um mögliche Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter Roundup verloren. Der Konzern wird dagegen Berufung einlegen.
Update: 28.03.2019 - 01:48 Uhr Kommentieren
Die Jury urteilte, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichtungsmittels Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat haftbar ist. Quelle: AFP
Roundup

Die Jury urteilte, dass Monsanto für Krebsrisiken des Unkrautvernichtungsmittels Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat haftbar ist.

(Foto: AFP)

Düsseldorf, New YorkDie Bayer AG hat in den USA auch das zweite Verfahren um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup verloren. Die Jury des Bezirksgerichts in San Francisco hat in einem einstimmigen Votum den von Bayer übernommenen Monsanto-Konzern für die Krebserkrankung des Klägers haftbar gemacht. Sie verurteilte den Konzern zur Zahlung eines Schadenersatzes von 80 Millionen Dollar.

Die Niederlage von Bayer war erwartet worden. Schon in der vergangenen Woche war die Jury in der ersten Phase des Prozesses zu der Überzeugung gekommen, dass das von Monsanto verkaufte Mittel Roundup erheblich zu der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman beigetragen habe.

In der zweiten Phase sah es die sechsköpfige Laienjury nun als erwiesen an, dass Monsanto nicht vor den Gefahren der Roundup-Verwendung gewarnt hat. Dabei wirft sie dem Konzern vorsätzliches und bösartiges Handeln vor. Dies drückt sich in den so genannten Punitive Damages aus: Der eigentliche Schadenersatz für Edwin Hardeman beträgt fünf Millionen Dollar. Die zusätzliche Strafschadenzahlung setzte die Jury mit 75 Millionen Dollar fest.

Bayer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme enttäuscht und kündigte an, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Nach Ansicht des Konzerns ändert die Jury-Entscheidung „nichts am Gewicht von über vier Jahrzehnten umfangreicher wissenschaftlicher Arbeit und den Schlussfolgerungen von Regulierungsbehörden weltweit, welche die Sicherheit unserer glyphosatbasierten Herbizide und die Schlussfolgerung stützen, dass diese nicht krebserregend sind.“

Steven Tapia, Juraprofessor an der Universität Seattle und ehemaliger Unternehmensanwalt weist darauf hin, dass die Jury-Urteile bisher alle einen Zusammenhang zwischen dem Glyphosat-Mittel Roundup und dem Krebs sehen und überzeugt sind, dass Monsanto von dem Risiko wusste. Die Geschworenen waren überzeugt, dass „die Weigerung Monsantos, vor Krebs zu warnen, zusätzliche Strafzahlungen rechtfertige, die sogar höher als die vom Kläger geforderte Summe lagen“, betont Tapia.

Das jüngste Urteil könne weitere Prozesse beeinflussen, insbesondere was den Zusammenhang zwischen Roundup und Krebs betrifft, sagt Tapia. Aber es „ist nicht endgültig und auch nicht bindend in späteren Verfahren“, erläutert er.

Rational würde man denken, dass sich Bayer nach diesen Niederlagen ändert, meint der US-Jurist. „Aber die Stellungnahmen nach dem Urteil lassen stark darauf schließen, dass Bayer immer noch davon überzeugt ist, dass es kosteneffizienter ist, jede Klage einzeln durchzuprozessieren, statt die Verantwortung anzuerkennen und sich mit allen zu einigen.“

Die absehbare erneute Niederlage hat in den vergangenen Tagen zu einem massiven Kurseinbruch bei der Bayer-Aktie geführt. Seit vergangenem Mittwoch hat der Konzern mehr als acht Milliarden Euro an Börsenwert verloren. Die Aktie notierte am Mittwoch bei 56 Euro und damit so tief wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Investoren fürchten, dass auf Bayer riesige Schadenersatzzahlungen zukommen – schließlich sind mehr als 11.000 Klagen wegen des Mittels Glyphosat anhängig. Teilweise werden dort Summen in Höhe von 15 bis 30 Milliarden Euro genannt. Die meisten Analysten schätzen die möglichen Belastungen aber eher auf fünf bis zehn Milliarden Dollar.

Das nun in erster Instanz abgeschlossene Verfahren in San Francisco hat eine gewisse Strahlkraft. Der Richter hat drei Fälle aus mehr als 600 Klagen herausgesucht, die aus seiner Sicht exemplarisch sind. Aufgrund der Urteile sollen Kläger und Beklagte ihr weiteres Vorgehen und ihre Position besser abschätzen können. Zwei weitere solcher Leit-Prozesse starten im Mai.

Allerdings ist das aktuell gefällte Urteil nicht bindend und hat keinen direkten Einfluss auf zukünftige Fälle. „Jedes zukünftige Verfahren ist gesondert zu betrachten auf der Basis der jeweiligen Umstände und rechtlichen Bedingungen“, hieß es bei Bayer.

Der Konzern setzt nun in einen ersten Schritt auf die Überprüfung des Jury-Urteils durch den Richter. In vielen Fällen werden die Punitive Damages im Anschluss wieder deutlich herabgesetzt oder ganz gestrichen. Absehbar ist, dass Bayer in Revision geht und dort auf eine andere Bewertung setzt. In zweiter Instanz urteilen bei US-Prozessen keine Laien mehr, sondern professionelle Richter.

Bemerkenswert ist, dass sich die Jury beim Schadenersatz in etwa an dem Urteil aus dem ersten Glyphosat-Prozess orientiert hat. Dort wurde die zunächst verhängte Zahlung von 289 Millionen Dollar später vom Gericht auf 79 Millionen Dollar reduziert. Hier hat Bayer bereits Revision beantragt.

Am Donnerstag soll im kalifornischen Oakland der dritte Prozess gegen Monsanto starten. Kläger ist ein älteres Ehepaar, das über viele Jahre hinweg Roundup eingesetzt hat und das Mittel für die Erkrankung an Lymphdrüsen-Krebs verantwortlich macht. Mit einem Urteil wird erst im Mai gerechnet.

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