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Grammer-Hauptversammlung Familie Hastor scheitert mit Versuch der Machtübernahme

Der bosnischen Investorenfamilie Hastor ist die Machtübernahme beim Autozulieferer Grammer nicht gelungen. Die Hauptversammlung lehnte die beantragte Absetzung des Vorstands und die Neubesetzung des Aufsichtsrats ab.
24.05.2017 Update: 24.05.2017 - 20:34 Uhr Kommentieren
Ein Machtkampf (v.l.): Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Probst, der Vorstandsvorsitzende Hartmut Müller und der Finanzvorstand Gerard Cordonnier des Automobilzulieferers Grammer konnten die Kontrollübernahme der Investoren verhindern. Quelle: dpa
Grammer-Hauptversammlung

Ein Machtkampf (v.l.): Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Probst, der Vorstandsvorsitzende Hartmut Müller und der Finanzvorstand Gerard Cordonnier des Automobilzulieferers Grammer konnten die Kontrollübernahme der Investoren verhindern.

(Foto: dpa)

Amberg Dass der Name Hastor in Amberg nicht beliebt ist, war schon vor diesem Mittwoch klar. Wie groß der Ärger der Grammer-Mitarbeiter auf die bosnische Unternehmerfamilie tatsächlich ist, ist am Morgen vor dem Kongresszentrum deutlich geworden. 2500 Menschen trommelte die IG Metall zusammen, um lauthals gegen die Einflussnahme des Großaktionärs auf Grammer zu protestieren. „All diese Arbeitsplätze sind gefährdet, wenn die Hastors bei Grammer das Sagen bekommen“, wetterte Bayerns IG-Metallchef Jürgen Wechsler. Insgesamt gehe es weltweit um 15.000 Jobs, wenn sich der ungeliebte Investor durchsetze.

In dem beschaulichen Kongresszentrum stieg dann die Spannung, als Aufsichtsratschef Klaus Probst die Versammlung um Punkt 10 Uhr eröffnete. Nijaz Hastor und seine Söhne waren nicht anwesend, dafür aber Anwälte und die beiden Investorengruppen Cascade und Halog. Cascade wollte drei Aufsichtsratsmitglieder ersetzen und Vorstandschef Müller ablösen. Eine Kampfansage an das Management.

Die Machtübernahme der umstrittenen Investorenfamilie Hastor beim bayerischen Autozulieferer scheiterte aber. Die Hauptversammlung lehnte die beantragte Absetzung des gesamten Vorstands und die Neubesetzung des Aufsichtsrats ab. Hastor-Anwalt Franz Enderle kündigte aber bereits Widerspruch gegen sämtliche Beschlüsse an.

Der Entscheidung war eine achtstündige, teilweise turbulente Debatte vorausgegangen. Enderle wurde mehrfach mit Buhrufen und Pfiffen unterbrochen. Die Abstimmung fiel dann deutlich aus. Die Hastors sind mit gut 23 Prozent der Anteile größter Grammer-Aktionär. Auf der Hauptversammlung waren allerdings 67,3 Prozent der Aktien vertreten – ungewöhnlich viele für Grammer.

Andreas Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, der Ausgang sei vielleicht „nur ein Pyrrhussieg, eine kleine Atempause“. Jahrelange Auseinandersetzungen und Prozesse drohten Grammer im eigentlichen Geschäft zu lähmen. „Wenn wir derart verhärtete Fronten haben, dass fast putschartige Zustände herrschen, liegt das in der Regel nicht nur an einer Seite.“ Ein Aktionär meinte, Grammer habe nun einen unzufriedenen, mit dem Vorstand zerstrittenen Großaktionär an Bord.

Enderle warf Grammer-Vorstandschef Hartmut Müller Untreue und den Verrat von Geschäftsgeheimnissen vor. Dieser und Aufsichtsratschef Klaus Probst hätten zusammen mit dem größten Grammer-Kunden VW einen Plan zur Abwehr der Hastors geschmiedet und den Auftragseinbruch seit der Bekanntgabe der Hastor-Pläne veröffentlicht.

Laut Müller waren seit Januar 60 Prozent weniger Bestellungen eingegangen. Enderle sagte, darüber hinaus habe Müller gelogen mit dem Vorwurf, die Hastors hätten das Gespräch mit dem Vorstand verweigert. Das Vertrauen sei nun zerstört. An die Stelle der drei abzuwählenden Aufsichtsräte wollte Enderle daher Manager von Hastors Prevent-Gruppe wählen lassen.

Die Familie werde investiert bleiben und ihr Aktienpaket nicht nennenswert aufstocken, sagte Enderle. Schon mit 25,1 Prozent hätten die Hastors ein Vetorecht und könnten alle wichtigen Entscheidungen blockieren. Ob der von Grammer kurz vor der Hauptversammlung als Aktionär und „weißer Ritter“ an Bord geholte chinesische Autozulieferer Jifeng überhaupt mitstimmen durfte, werde womöglich in fünf Jahren der Bundesgerichtshof klären.

„Hastor gefährdet die Zukunft von Grammer“
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