Grammer Machtkampf um Zulieferer tobt weiter

Der Bayerische Autozulieferer Grammer hat chinesische Investoren an Bord geholt, um sich dem Zugriff der bosnischen Hastor-Familie zu entziehen. Die Hastor-Seite macht dem Unternehmen nun schwere Vorwürfe.
Kommentieren
Das Unternehmen aus Amberg hatte am Dienstag den chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng als neuen Partner präsentiert. Quelle: dpa
Autozulieferer Grammer

Das Unternehmen aus Amberg hatte am Dienstag den chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng als neuen Partner präsentiert.

(Foto: dpa)

MünchenDer Einstieg eines chinesischen Rivalen beim bayerischen Autozulieferer Grammer stößt beim bisherigen Großaktionär auf Kritik. Die Investmentfirma Cascade, hinter der die streitbare bosnisch-stämmige Unternehmerfamilie Hastor steht, erhob am Mittwoch erneut Vorwürfe gegen die Führungsspitze der Amberger.

„Vorstand und Aufsichtsrat der Grammer AG lassen offenbar nichts unversucht, um ihre Pfründe zu erhalten und die von ihr befürchtete Mehrheit in einer zeitnah stattfindenden Hauptversammlung zu verhindern.“ Cascade will – mit gerichtlicher Hilfe – ein außerordentliches Aktionärstreffen erzwingen, um dort Vorstandschef Hartmut Müller zu stürzen und fünf Aufsichtsräte durch eigene Leute zu ersetzen.

Grammer hatte am Dienstag den chinesischen Konkurrenten Ningbo Jifeng als neuen Partner präsentiert, der zudem als „weißer Ritter“ im Kampf gegen Hastor fungieren soll. Die bosnische Unternehmerfamilie hält über zwei Investmentfirmen mehr als 20 Prozent an dem Hersteller von Kopfstützen, Mittelkonsolen oder Sitzen. In die Schlagzeilen waren die Südosteuropäer geraten, als die zu ihrem Imperium zählende Prevent-Gruppe im vergangenen Sommer erbittert mit Volkswagen über die Lieferung von Teilen gestritten und zeitweise die Produktion des Autobauers zum Stillstand gebracht hatte.

Grammer argumentiert im Machtkampf mit Hastor, dass große Kunden das Treiben der Bosnier kritisch sehen und weniger Aufträge erteilen könnten. Die Partnerschaft mit Jifeng begrüßten die Autohersteller laut Grammer indes ausdrücklich.

Die Chinesen steigen bei den Bayern nicht über die Ausgabe neuer Aktien ein, sondern über eine Pflichtwandelanleihe, die spätestens in einem Jahr –voraussichtlich aber schon in wenigen Wochen – in 9,2 Prozent der Grammer-Anteile getauscht wird. Für die Hastor-Seite wird es damit schwerer, eine Mehrheit auf der Hauptversammlung zu gewinnen.

Cascade kritisierte, die Wandelanleihe sei „im bloßen Vorgriff auf einen erhofften positiven Abschluss der Gespräche“ mit Jifeng begeben worden; kartellrechtliche Fragen seien nicht gestellt, geschweige denn abschließend beantwortet worden. „Das ist weder üblich noch aus der Sicht des Unternehmens und seiner Aktionäre sinnvoll.“

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
1 von 14

14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
2 von 14

Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
3 von 14

Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
4 von 14

Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
5 von 14

Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
6 von 14

Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
7 von 14

Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Außerdem ist die Wandelanleihe zur Beschaffung von Liquidität laut Cascade nicht nötig, weil Grammer über genügend Geld verfüge. „Sie dient damit nur dem Ziel, die Mehrheitsverhältnisse vor einer Hauptversammlung zu verschieben.“ Vorstand und Aufsichtsrat verschwendeten Ressourcen und riskierten eine persönliche Verantwortlichkeit „für die Verwässerung von bestehenden Beteiligungen“.

Die Investmentfirma beharrte auf der Forderung nach einer schnellstmöglichen Einberufung einer Hauptversammlung. Prinzipiell begrüße man aber jeden Investor, der interessiert ist, die Profitabilität von Grammer zu steigern, hieß es.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Grammer - Machtkampf um Zulieferer tobt weiter

0 Kommentare zu "Grammer: Machtkampf um Zulieferer tobt weiter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%