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Grandland X Opel baut sein Schicksalsmodell jetzt auch in Deutschland

In Eisenach rollt nun erstmals ein SUV vom Band. Viel hängt an dessen Erfolg. Denn der Absatz des eigentlichen Opel-Flaggschiffs geht stark zurück.
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In Eisenach wird Opel das Fahrzeug künftig produzieren. Quelle: Reuters
Michael Lohscheller präsentiert das Modell Grandland X 2017 auf der IAA

In Eisenach wird Opel das Fahrzeug künftig produzieren.

(Foto: Reuters)

Eisenach Als Michael Lohscheller vor mehr als zwei Jahren der Opel-Chefposten angeboten wurde, stellte seine Frau eine durchaus ernstgemeinte Bedingung: Das Werk in Eisenach muss bleiben. Sonst brauche er den Job gar nicht erst anzunehmen. Bei ihm zu Hause stehe die Fabrik des Autobauers in Thüringen seither „ganz klar im Fokus aller Diskussionen“, erzählt Lohscheller, dessen Frau aus den neuen Bundesländern stammt.

Für den Manager ist der Start der Produktion des Grandland X in Eisenach an diesem Mittwoch daher doppelt wichtig: Einerseits wahrt der Opel-Frontmann so den Hausfrieden, nachdem die Fertigung der beiden Kleinwagen Adam und Corsa an diesem Standort eingestellt wurde. Andererseits will er mit dem SUV zeigen, dass die Marke mit dem Blitz anders als früher auch im Hochlohnland Deutschland profitabel Fahrzeuge herstellen kann.

„Das erste deutsche Werk wird umgestellt auf die Zukunft“, sagt Lohscheller. Tatsächlich kommt in Eisenach hierzulande erstmals die flexible Plattform des Opel-Mutterkonzerns PSA (Peugeot, Citroën, DS) zum Einsatz.

Auf einer Fertigungslinie können damit sowohl Diesel, Benziner als auch elektrische Varianten produziert werden – je nachdem, welche Antriebsform die Opel-Kundschaft gerade nachfragt. „Hochintelligent“, nennt Lohscheller diesen Ansatz. Was er nicht sagt: Opel ist bei dem komplexen Fertigungskonzept zugleich zum Erfolg verdammt.

Der Anlauf der Produktion in Eisenach muss klappen. Denn der Grandland X, der aktuell noch im französischen Sochaux montiert wird, ist so etwas wie das Schicksalsmodell der deutschen Traditionsmarke. Das volumenstärkste Fahrzeug von Opel ist zwar nach wie vor der Corsa, aber das stärkste Wachstum und die höchsten Renditen versprechen sich die Rüsselsheimer für die nächsten Jahre vom Grandland X.

Lohscheller fährt selbst den Grandland X

Längst hat das viereinhalb Meter lange und 1,5 Tonnen schwere Ungetüm die Limousine Insignia als neues Flaggschiff im Portfolio abgelöst. In den ersten sechs Monaten 2019 schossen die Verkäufe des Grandland X (Basispreis: 24.700 Euro) im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel in die Höhe – auf fast 59.000 Stück.

Der Absatz des Insignia ging dagegen im gleichen Zeitraum von 43.000 auf 29.500 Einheiten zurück. Das entspricht einem Minus von mehr als 31 Prozent. Und es könnte noch schlimmer werden.

Der Grund: Die Marktforscher von IHS schätzen, dass Opel aufgrund der schwachen Nachfrage die Produktion des Insignia dieses Jahr beinahe halbieren dürfte – von 95.000 auf 52.000 Einheiten im Stammwerk in Rüsselsheim. Bis zu einer möglichen Neuauflage des Insignia im Jahr 2024 sollen die Fertigungszahlen sukzessive weiter sinken. Klassische Limousinen werden zunehmend zu Ladenhütern.

Opel-Chef Lohscheller schwärmt daher alternativ von den sportlichen Geländewagen seines Konzerns. „Wärmstens empfehlen“ könne der Manager insbesondere den Grandland X. Den fahre er selbst. „Das wird der Mainstream der Automobilentwicklung in den kommenden Jahren“, sagt Lohscheller.

Zudem kündigt Lohscheller die Rückkehr auf den russischen Markt an. „Wir gehen dieses Jahr zurück nach Russland. Der Rückzug hat uns schwer getroffen“, sagt der Opel-Chef. Der SUV aus dem Thüringer Werk solle auch in Russland verkauft werden.

Ab Anfang 2020 rollt in Eisenach zudem der Grandland X auch als Plug-in-Hybrid vom Band. Der Mix aus Verbrenner und Elektroauto soll Opel helfen, die immer strengeren Klimavorgaben der EU ab 2021 einzuhalten.

„Große Chancen, gute Perspektiven für den Standort Eisenach“, summiert Lohscheller. Andere sind skeptischer. „Im zyklischen Autogeschäft braucht es eigentlich zwei Modelle, um eine Fabrik optimal auslasten zu können“, konstatiert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR).

Das Opel-Konzept rechne sich nur, wenn der Konzern mittelfristig weiter Personal abbaue. Dabei hat das Unternehmen seit Mitte 2017 bereits den Wegfall von 6800 Stellen besiegelt.

Mehr: Opel braucht Absatzimpulse, meint Handelsblatt-Reporter Franz Hubik. Opel darf nicht nur auf Kosten achten, die Traditionsmarke muss schnellstmöglich aus Kundensicht gedreht werden.

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