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Great Wall BMW stößt bei seinem China-Joint-Venture auf Hindernisse

Der deutsche Autobauer will mit Great Wall in China elektrische Minis bauen. Nun ist unsicher, ob die Partner dafür eine Genehmigung bekommen.
Update: 07.08.2019 - 17:21 Uhr Kommentieren
In einem gemeinsamen Werk in China sollen der E-Mini von BMW und E-Autos von Great Wall produziert werden. Quelle: AFP
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In einem gemeinsamen Werk in China sollen der E-Mini von BMW und E-Autos von Great Wall produziert werden.

(Foto: AFP)

München Das Rahmenprogramm hätte kaum hochkarätiger sein können. Im Juli 2018 testeten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang am früheren Berliner Flughafen Tempelhof selbstfahrende Autos. „Wir haben beide eine kleine Fahrt gemacht, sind auch gut wieder angekommen“, erklärte Merkel.

Ihr damals postuliertes Ziel: China und Deutschland sollen offen miteinander bei Zukunftstechnologien kooperieren. Gerade beim autonomen Fahren wolle man „ganz vorn“ sein, versicherte die Kanzlerin.

Die Chefs der großen deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW nickten einträchtig. Im Zuge des Treffens wurde zwischen der heimischen Fahrzeugindustrie und Konzernen aus der Volksrepublik eine Reihe von partnerschaftlichen Projekten abgeschlossen.

Eines stach dabei besonders heraus: BMW und der chinesische Autokonzern Great Wall unterzeichneten ein 50:50-Joint-Venture zur Produktion einer elektrischen Variante des Kleinwagenklassikers Mini und elektrischer Fahrzeuge für Great Wall.

„Mit der heutigen Vereinbarung heben wir die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auf eine neue Stufe“, jubelte der damalige BMW-Chef Harald Krüger. „Die heutige Unterzeichnung öffnet ein neues Kapitel in der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit“, assistierte Wei Jianjun, Chairman von Great Wall. Die gemeinsame Firma „Spotlight Automotive Limited“ sei eine klare „Win-Win-Situation“ für beide Konzerne, zudem würden so Chinas ehrgeizige Pläne für den Ausbau der Elektromobilität unterstützt, erläuterte Krüger.

Doch der Plan, in der Provinz Jiangsu eine „Produktionsstätte nach modernsten Maßstäben“ zu errichten und fortan im Gespann mit Great Wall massenhaft Elektroautos zu fertigen, ist für BMW offenbar schwieriger umzusetzen als gedacht. Das Projekt stößt auf Hindernisse. Ob das Joint Venture eine behördliche Genehmigung erhalte, sei unsicher, teilte Great Wall am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung mit. Man bemühe sich aber weiter um grünes Licht.

Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Gespräche zwischen BMW und Great Wall festgefahren seien. Es soll beispielsweise unterschiedliche Qualitätsansprüche geben.

BMW selbst will von schwerwiegenderen Problemen bei dem Projekt nichts wissen. „Die Projektteams arbeiten in sämtlichen Workstreams sehr gut zusammen und haben in allen Bereichen deutliche Fortschritte erzielt. Diese Arbeit werden die Teams fortsetzen“, erklärte der Münchener Konzern auf Anfrage.

Alternative zu Oxford

Klar ist: Ein Scheitern des Projekts wäre für BMW ein herber Rückschlag und auch für die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen alles andere als förderlich. BMW will sich in China eine Alternative zum Mini-Stammwerk im englischen Oxford aufbauen, das durch den Brexit an Attraktivität verlieren dürfte.

Zudem richten sich die Bayern nach der Logik, dass die Produktion dem Markt folgt. Und kein Markt ist für den Dax-Konzern so wichtig wie China.

Allein im vergangenen Jahr verkaufte BMW im Reich der Mitte fast 640.000 Autos. Das entspricht gut einem Viertel des Gesamtabsatzes des Konzerns mit seinen Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. Der Dax-Konzern hat derzeit wie viele andere Fahrzeughersteller mit der weltweit sinkenden Autonachfrage zu kämpfen. Die eingetrübten Geschäftsaussichten könnten ein Grund für die wachsenden Zweifel an dem Projekt mit Great Wall sein.

Gegen diese These spricht aber, dass BMW darauf hofft, mit einer lokalen Mini-Fertigung in China den Absatz des Konzerns in Fernost in den kommenden Jahren noch mal deutlich zu steigern. Zudem soll der E-Mini eigentlich eine zentrale Rolle bei der Erfüllung der Elektroquote in China spielen. Die Autohersteller sind seit diesem Jahr dazu verpflichtet, rund acht Prozent ihres Absatzes mit Elektroantrieben auszurüsten.

Bislang arbeiten die Münchener bei der Produktion der Kernmarke BMW nur mit ihrem langjährigen Partner Brilliance zusammen. Die beiden Partner produzieren in China in zwei Werken, betreiben eine Motorenfabrik und planen eine gemeinsame Batteriefertigung.

Great Wall ist für BMW beim Elektro-Mini ein willkommener zusätzlicher Partner. Der 1984 gegründete Autohersteller versuchte bisher, sich vor allem mit Geländewagen zu profilieren. Der Konzern zählt zu den am schnellsten wachsenden Fahrzeugherstellern in China und verkauft bereits mehr als eine Million Autos.

Mehr: Hotspot Tel Aviv: Warum Israel für Daimler, BMW und andere so wichtig für das autonome Fahren ist.

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