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Größte Finanzierungsrunde Start-up Roboyo sammelt 21 Millionen Euro Investorengeld ein

Der Spezialist für digitale Prozess-Automatisierung profitiert von Corona. Nun steigt der Investor MML ein. Das Wachstum soll beschleunigt werden.
15.09.2020 - 09:41 Uhr Kommentieren
Die Robotic Process Automation (RPA) gilt seit einigen Jahren als attraktives Zukunftsfeld. Quelle: Joschija Bauer
Nicolas Hess, Christian Voigt und Sven Manutiu (v.l.)

Die Robotic Process Automation (RPA) gilt seit einigen Jahren als attraktives Zukunftsfeld.

München Corona hat vielen Unternehmen gezeigt, wo sie noch Nachholbedarf bei der Digitalisierung haben. „Einige Firmen merkten erst im Lockdown, wie stark sie noch darauf angewiesen sind, dass die Mitarbeiter im Büro sitzen“, sagt Nicolas Hess, Mitgründer des Software-Roboter-Spezialisten Roboyo.

Als Reaktion auf die Pandemie automatisieren jetzt viele Firmen ihre Prozesse – auch, um die Kosten in Verwaltung und Buchhaltung zu drücken. Roboyo beschert das eine Sonderkonjunktur. „Wir hatten die besten Monate unserer Geschichte“, sagt Hess.

Nun hat Roboyo, das Unternehmen bei der Einführung von Prozess-Automatisierung mit Hilfe von Software-Robotern hilft, seine bislang größte Finanzierungsrunde gestemmt. Der Wachstumskapital-Spezialist MML Capital Partners investiert 21 Millionen Euro in das Nürnberger Unternehmen.

Die Robotic Process Automation (RPA) gilt seit einigen Jahren als attraktives Zukunftsfeld. „In den Fabriken sind viele Firmen voll automatisiert, aber im Backoffice laufen viele Prozesse noch wie vor 30 Jahren“, sagt Hess.

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    Laut einer Studie der Beratungsfirma PwC, bei der 141 Firmen im deutschsprachigen Raum untersucht wurden, nutzen bereits 54 Prozent der befragten Firmen im Accounting RPA-Technologien. Die häufigsten Einsatzbereiche für Bots sind das Controlling, das Berichtswesen und die Qualitätssicherung. So können die digitalen Assistenten zum Beispiel Rechnungen erstellen oder Kreditanträge bearbeiten.

    Roboter verhandelt den Einkauf

    Laut PwC-Partnerin Andrea Bardens übertragen einige Firmen aber auch bereits Preisverhandlungen im Einkauf und, kombiniert mit Chatbots, den Kundenkontakt auf Software-Roboter. Das Wachstums-Potenzial sei noch groß. „Es gibt in jedem Unternehmen Bereiche mit einfach strukturierten, wiederkehrenden, manuellen Prozessen – das Automatisierungs- und Effizienzpotenzial ist hoch.“

    Hess (32), der in Passau, Dublin und Barcelona studiert hat, kam wie seine Mitgründer Christian Voigt und Sven Manutiu von einer Unternehmensberatung. In seinem Fall war es Deloitte.

    Den Trend zum RPA erkannten die drei früh, wodurch Roboyo zu seiner heute starken Marktposition kam. Der Umsatz hat sich laut Branchenschätzungen in den vergangenen Jahren jeweils etwa verdoppelt, in diesem Jahr dürften die Erlöse erstmals einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen.

    Roboyo stellt keine eigene Software her, sondern berät, schult und hilft bei der Implementierung. Das Geschäftsmodell ist mit dem der SAP-Systemhäuser zu vergleichen. So halfen die Nürnberger zum Beispiel der St. Galler Kantonalbank bei der Einführung von Software-Robotern.

    Einer der wichtigsten Player auf dem Markt ist der rumänische Softwareentwickler UiPath, derzeit das wertvollste Start-up Europas. Roboyo hat fast alle Implementierungen von UiPath in Deutschland vorgenommen, arbeitet aber auch mit anderen Software-Anbietern zusammen. „Wir sind ein globales Unternehmen und wollen in Zukunft die Nummer eins in unserem Segment werden“, sagt Hess.

    120 Mitarbeiter an sechs Standorten

    Manche Firmen unterschätzen laut PwC Implementierungsaufwand, die Komplexität und die Kosten für RPA. Hier setzt Roboyo an. Die Nürnberger Firma hat fünf Jahre nach der Gründung 120 Mitarbeiter an sechs Standorten in Europa und den USA. Die Expansion soll nun mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde vorangetrieben werden.

    Investor ist MML Partners. „Christian, Nic, Sven und ihr Team haben ein wahrhaft visionäres Unternehmen im schnell wachsenden Markt der intelligenten Automatisierung aufgebaut“, sagte MML-Partner Luke Jones. Gemeinsam wolle man regional expandieren und „die technische Führungsposition des Unternehmens ausbauen“.

    Die Software-Roboter ermöglichen es den Konzernen, die Kosten in der Verwaltung deutlich zu reduzieren. Allerdings führt dies vielerorts auch zu Stellenabbau. „Wir glauben, dass das Backoffice eines Unternehmens hochgradig automatisiert werden kann“, sagte Sebastian Ostrowicz, Leiter Prozessdigitalisierung beim Stuttgarter Beratungshaus Horváth & Partners. „Perspektivisch können 80 Prozent der standardisierten Prozesse auf Roboter übertragen werden.“

    Allerdings geben laut PwC-Studie sieben von zehn Unternehmen, die RPA einsetzen, an, im Gegenzug nicht auf Angestellt zu verzichten. Es gehe meist um die Entlastung der Menschen im Betrieb, meint PwC-Experte Rüdiger Loitz. Allerdings räumt auch Roboyo-Gründer Hess ein, dass die Automatisierung stellenweise Arbeitsplätze kosten wird.

    Am Ende werden die meisten Unternehmen wohl ohnehin keine Wahl haben. „Digitalisieren oder Sterben“ hat ein Roboyo-Experte einen Blog-Eintrag überschrieben.

    Mehr: Warum Blockchain und Software-Roboter Depotbanken überflüssig machen könnten.

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