Großauftrag für CATL Asiens Akku-Hersteller beherrschen den Markt und erobern nun auch Europa

Der BMW-Großauftrag an CATL zeigt: Asiens Anbieter zementieren weiter ihre Übermacht bei Batteriezellen – sogar auf europäischem Boden.
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Den Europäern weit voraus. Quelle: picture alliance/Duan changzheng - Imaginechina
Batteriezellenproduktion bei CATL

Den Europäern weit voraus.

(Foto: picture alliance/Duan changzheng - Imaginechina)

DüsseldorfDer Rückstand der Europäer ist riesig: Neun von zehn Elektroautos werden heute mit Batterietechnik aus Fernost angetrieben. „Diese Abhängigkeit können wir nicht länger hinnehmen“, poltert Maroš Šefčovič seit Monaten. Der EU-Energiekommissar sorgt sich um die zwölf Millionen Beschäftigten in der europäischen Automobilindustrie. Schließlich ist die Batterie das Herzstück jedes Elektroautos. Sie steht für bis zu 40 Prozent der Wertschöpfung.

Für Šefčovič ist klar: Europa muss dieses Zukunftsfeld mit eigenen Herstellern besetzen. Der Politiker will die Dominanz von asiatischen Batteriezellenbauern wie Samsung, Panasonic oder BYD so schnell wie möglich brechen. Ein Aktionsplan wurde entworfen und üppige Fördergelder wurden in Aussicht gestellt. Doch bisher gibt es lediglich drei Initiativen auf Start-up-Niveau (Northvolt, Saft und TerraE).

Branchenriesen wie Bosch, der weltgrößte Autozulieferer, scheuen dagegen milliardenschwere Investitionen bei gleichzeitig geringen Renditeaussichten im Preiskampf bei Lithium-Ionen-Zellen. Mangels Alternativen kooperieren die deutschen Autohersteller daher mit Chinesen und Südkoreanern, locken sie nach Europa und zementieren damit zunächst deren Übermacht. In Polen baut der südkoreanische Konzern LG Chem eine Fabrik, in Ungarn ist Konkurrent Samsung aktiv.

„Wir haben gerade einen Milliardenauftrag an den chinesischen Batterieproduzenten CATL vergeben“, sagt BMW-Chef Harald Krüger. Chinas größter Batteriehersteller wird im Gegenzug eine Fabrik in Thüringen errichten und von dort Zellen in das bayerische Werk Dingolfing liefern. Hier will BMW ab 2021 das Elektromodell „iNext“ fertigen.

Um die Abhängigkeit von den Asiaten nicht allzu groß werden zu lassen, setzt Krüger aber auf einen Mittelweg: Die Technik wird zwar erst einmal zugekauft, parallel investiert BMW aber 200 Millionen Euro in eine eigene Batteriezellenforschung in München.

Politikern wie EU-Kommissar Šefčovič und Bundeskanzlerin Angela Merkel reicht das nicht. Merkel will die heimischen Autobauer vielmehr zu einer Allianz bei der Herstellung von Batteriezellen überreden. „Wir müssen eine strategische Entscheidung bei den Batteriezellen treffen. Solche Schlüsselindustrien dürfen wir nicht aufgeben“, sagte die Kanzlerin diese Woche auf einer Veranstaltung der Digital-Plattform „ada“ in Berlin.

Roman Zitzelsberger, Chef der IG-Metall in Baden-Württemberg, fordert ein europäisches Industriekonsortium: „Dass Bosch das nicht alleine macht, kann ich nachvollziehen.“ Aber Deutschland besitze mit Forschungseinrichtungen wie den Fraunhofer- und Helmholtz-Instituten sowie Unternehmen wie Varta jede Menge Kompetenz im Batteriebereich. „Diese Kompetenz müssen wir bündeln. Sonst erforschen wir jetzt die übernächste Zellgeneration – bauen tun’s dann aber wieder andere“, fürchtet der Gewerkschafter.

Für BMW-Chef Krüger kommt ein Konsortium freilich nur dann infrage, wenn es „wettbewerbsfähig wäre“. Danach sieht aber nicht aus. Denn ähnlich wie Solarmodule könnten Lithium-Ionen-Zellen zur austauschbaren Massenware werden, bei der heimischen Anbietern der Wettbewerbsvorteil fehlt. Gewerkschafter Zitzelsberger hält die Situation aber für nicht vergleichbar und fürchtet auf lange Sicht „Engpässe“ bei Batteriezellen.

Völlig abwegig ist diese Sorge nicht. Schließlich steigt der Bedarf an Batteriekapazitäten rasant. Waren es 2016 nur 60 Gigawattstunden, dürften es nach Berechnungen von Roland Berger 2026 bereits 900 Gigawattstunden sein.

„Heute haben die Autohersteller die Kostenhoheit, doch im Elektrozeitalter könnte eine Machtverschiebung stattfinden: Sollte es nicht genug Alternativen auf dem Markt geben, werden die Autohersteller ihren Zellenlieferanten hohe Preise zahlen müssen“, warnt Wolfgang Bernhart. Der Autoexperte von Roland Berger fürchtet, dass sich BMW, Daimler und Volkswagen aus dieser Abhängigkeit kaum noch befreien können, wenn sie nicht frühzeitig gegensteuern.

Die Hoffnungen der Autobauer ruhen unterdessen auf der nächsten Batteriegeneration, sogenannten Feststoffzellen. Deren großer Vorteil: Die Reichweite der Autos ließe sich mit Feststoffbatterien auf einen Schlag verdoppeln.

Um der Technik zum Durchbruch zu verhelfen, investiert VW hundert Millionen Euro in das kalifornische Technologieunternehmen QuantumScape. Doch bis die erste Produktionsanlage steht, wird es noch lange dauern – wohl bis 2025. In der Zwischenzeit drohen die asiatischen Batteriehersteller zu enteilen.

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1 Kommentar zu "Großauftrag für CATL: Asiens Akku-Hersteller beherrschen den Markt und erobern nun auch Europa"

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  • Endlich zeigt ein deutscher Auto-Hersteller " Flagge " und trifft
    die richtige Entscheidung ! Die deutschen Autohersteller sind
    schliesslich weltweit führend. Da kann man nicht auf Europa warten
    warten.....

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