Großauftrag für Lkw-Sparte Volkswagen will Brasilien ins Elektrozeitalter bringen

Was in Deutschland nicht klappte, will VW nun in Brasilien möglich machen. Der Autobauer liefert einen maßgeschneiderten E-Laster an einen Großkunden.
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Der erste elektrisch betriebene Stadt-Lkw mit einem Gesamtgewicht von 13 Tonnen und einer Reichweite von 200 Kilometern soll ab September getestet werden. Quelle: Volkswagen
E-Delivery von Volkswagen

Der erste elektrisch betriebene Stadt-Lkw mit einem Gesamtgewicht von 13 Tonnen und einer Reichweite von 200 Kilometern soll ab September getestet werden.

(Foto: Volkswagen)

SalvadorBrasilien hat den Lkw-Konzernen wegen weggebrochener Verkäufe die letzten Jahre vor allem Sorgen bereitet. Doch nun hat Volkswagen dort einen Großauftrag an Land gezogen. Der könnte die Wolfsburger weltweit einen entscheidenden Schritt vorwärts ins Elektrozeitalter bringen.

Der größte Getränkehersteller Ambev hat sich Optionen für den Kauf von 1600 Modellen des Elektrolasters E-Delivery gesichert. Es ist der größte Auftrag für einen elektronisch angetriebenen Lkw dieses Jahr weltweit, heißt es bei Volkswagen Caminhões e Ônibus. Ambev gehört zum Brauereiriesen Anheuser Busch Inbev.

Damit ist in Brasilien eine maßgeschneiderte Lösung für einen Kunden offenbar kein Problem, was im Heimatmarkt Deutschland bisher nicht möglich schien – was das Beispiel Streetscooter zeigt: Weil die Autokonzerne in Deutschland die potenzielle Nachfrage verschlafen haben, ließ die Deutsche Post den E-Transporter einfach selbst bauen.

In Brasilien ist das anders: Zwar machen Kunde wie VW über den Auftragswert keine Angaben. Doch der erste elektrisch betriebene Stadt-Lkw mit einem Gesamtgewicht von 13 Tonnen und einer Reichweite von 200 Kilometern soll ab September getestet werden. Damit will der Getränkekonzern vor allem in den Städten Bars, Restaurants und Supermärkte beliefern.

Ab 2020 soll die Serienproduktion anlaufen, bis 2023 alle Fahrzeuge ausgeliefert sein. Gegenüber den traditionellen Anbietern hat VW damit in Brasilien die Nase vorn. „Alle traditionellen Produzenten stellen Studien und Pläne vor, aber noch keiner hat ein funktionierendes Fahrzeug im Angebot“, beobachtet Robert Queiroz, ein unabhängiger Nutzfahrzeugjournalist. Brasilien ist für Mercedes, Scania, Volvo und auch VW einer der wichtigsten Nutzfahrzeugmärkte weltweit.

Mit dem weltgrößten Bierbrauer AB Inbev als Startkunden kommt die Elektromobilität bei VW in Brasilien richtig in Schwung. Geplant war sie schon länger: Seit drei Jahren sei man miteinander im Gespräch über emissionsfreie Lastwagen, sagt Roberto Cortes, CEO von MAN Lateinamerika.

Ab 2023 sollen die Elektrolaster kostenneutral sein

Ein Drittel seiner Flotte will der weltgrößte Bierbrauer in Brasilien künftig durch E-Fahrzeuge mit einer Ladekapazität zwischen neun und elf Tonnen ersetzen. Deren Strom soll bis 2025 vollständig aus erneuerbaren Quellen kommen. Der Bierbrauer hat im März dieses Jahres in Brasilien ehrgeizige Ziele bei der Emissionsverringerung vorgestellt. So will er die Kohlendioxidemissionen in sieben Jahren um ein Viertel reduzieren.

Dafür nimmt Ambev den derzeit noch hohen Preis in Kauf: Bisher kosten die E-Delivery bis zu drei Mal so viel wie ein dieselgetriebenes Standardmodell. Sie sind aber nur halb so teuer im Betrieb und Wartung. Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet damit, dass Diesel- und Stromlastwagen in den Industrieländern ab 2023 kostenneutral angeboten werden können. Bis dahin werden die höheren Anschaffungskosten eines Elektrofahrzeugs so weit sinken, dass sie zusammen mit den niedrigeren operationellen Kosten den Preisabschlag zum Dieselmodell ausgleichen.

In Brasilien setzt die Branche ebenfalls auf sinkende Preise: „Je weiter wir mit der Massenfertigung vorankommen, umso preiswerter können wir anbieten“, sagt Cortes. Entscheidend sei es jetzt, den hohen Batteriepreis zu senken. Die koste derzeit wegen der Importsteuern etwa so viel wie ein kompletter dieselbetriebener Lieferwagen. Noch gibt es in Brasilien keinen Batteriehersteller.

Bisher ist geplant, dass der chinesische Hersteller Winston sie liefern wird. Möglicherweise werde man versuchen, die Batterien in einem Leasingmodell anzubieten. Nach fünf Jahren erhält der Kunde eine neue Batterie, während der gebrauchte Akku weiterverwertet wird – etwa als mobile Stromgeneratoren für Events.

Dass VW in Brasilien bei der E-Mobilität seiner Nutzfahrzeuge so schnell vorpreschen kann, liegt daran, dass die Delivery-Trucks speziell auf die Bedürfnisse in Brasilien gerade völlig neu entwickelt wurden. Unter der Führung von Albert-Johann Kirzinger, Design-Chef von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) in Wolfsburg, entwickelten brasilianische Ingenieure die Delivery-Modellpalette. Umgerechnet 260 Millionen Euro investierte der Konzern dafür in das Segment.

Auch Chinesen drängen auf den Markt

Von Anfang an plante der Konzern dabei, elektrobetriebene Laster zu produzieren – und lokale Zulieferer einzubinden. Den Antrieb liefert der brasilianische Elektromotorenhersteller WEG, einer der weltweiten Marktführer bei Elektroantrieben. Mit dem Bushersteller Eletra aus Brasilien, entwickelt VW derzeit zudem Elektrobusse.

Für Volkswagen kam der Großauftrag gerade zur rechten Zeit. Denn der deutsche Autobauer ist nicht der einzige, der den brasilianischen Markt mit seinen Elektrolastern erobern will. Der chinesische Konkurrent BYD („Build your dreams“) ist schon weiter: Er wird in den nächsten Tagen 20 E-Trucks an eine städtische Müllentsorgung im Bundesstaat São Paulo liefern.

Das private Entsorgungsunternehmen dort hat bereits 200 der elektronischen Mülltransporter bestellt. Die Elektroniklaster sollen zudem mit dem Strom aus der Müllverbrennung betrieben werden.

BYD ist kein exotischer Nischenanbieter, sondern einer der weltweiten Marktführer für Elektromobilität. Das Unternehmen hat als erstes weltweit eine Elektro-Sattelzugmaschine und einen Gelenkbus auf den Markt gebracht. Investor Warren Buffet ist an dem Unternehmen beteiligt, das zudem seine Batterien selbst herstellt. In Brasilien produziert das Unternehmen bereits Busse und Solarpanels. Kein Zweifel: Der Konkurrenzkampf in Brasilien verspricht hart zu werden.

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