Großbritannien Anti-Korruptionsbehörde ermittelt gegen Airbus

Betrug, Bestechung, Korruption – Europas größter Luftfahrkonzern hat Ärger mit britischen Ermittlern. Details zu dem Verfahren sind noch nicht bekannt. Airbus hatte die Untersuchung allerdings selbst ins Rollen gebracht.
Update: 08.08.2016 - 12:57 Uhr
„Unregelmäßigkeiten.“ Quelle: dpa
Airbus A380

„Unregelmäßigkeiten.“

(Foto: dpa)

LondonÄrger für den Flugzeugbauer Airbus: Die britische Anti-Korruptionsbehörde ermittelt bei dem europäischen Luftfahrtkonzern wegen Korruptionsvorwürfen. Möglicherweise hat das Unternehmen neue Kunden für seine Verkehrsflugzeuge mit unsauberen Praktiken gewonnen. Wie das Serious Fraud Office (SFO) am Sonntag mitteilte, geht es um „Betrug, Bestechung und Korruption“. Airbus hatte sich nach eigenen Angaben im April selbst angezeigt. Es soll um Fehler bei Anträgen auf Finanzierungshilfen für seine Kunden gehen. Teilweise wurden solche Geschäfte zwischenzeitlich gestoppt.

Der Behörde zufolge traten die Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Beratern einer „dritten Partei“ auf. Die Ermittlungen seien bereits im Juli eingeleitet worden, hieß es. Weitere Details wollte die Behörde zunächst nicht nennen. Auch Airbus hielt sich bedeckt.

Das Unternehmen bietet vielen Fluggesellschaften Hilfe bei der Finanzierung ihrer Flugzeugbestellungen an, etwa wenn die Käufer die notwendigen Kredite gar nicht oder nur zu schlechteren Konditionen erhalten könnten. Teilweise kommen dabei staatliche Exportkreditbanken wie die britische Ukef zum Zug. Dem Vernehmen nach sollen in den Finanzierungsanträgen beteiligte Vermittler oder Berater nicht genannt worden sein.

Schon im April hatte die Airbus Group angekündigt, dass sie ihren Kunden manche Finanzierungsformen vorübergehend nicht mehr anbieten könne. Das Unternehmen zeigte sich jedoch zuversichtlich, sich mit den relevanten staatlichen Exportkredit-Agenturen aber so bald wie möglich zu einigen. Um wie viele Flugzeuge es geht und welche Kunden betroffen sind, wurde bisher nicht bekannt. Im Juli stellte das Management aber in Aussicht, dass die Finanzhilfen bis Jahresende wieder zur Verfügung stehen sollen.

Am Montag betonte der Konzern seine Kooperationsbereitschaft mit der Anti-Korruptionsbehörde. „Das ist etwas, was wir selbst aufgedeckt haben“, sagte Sprecher Jeremy Greaves. Die Informationen, die den Ermittlungen zugrunde liegen, habe das Unternehmen bereits im April an die zuständigen Behörden gegeben. Es zeige, dass das Management entschlossen sei, die Vorfälle aufzuklären.

Die harte Landung des Riesenfliegers
2016
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Wegen rückläufiger Bestellungen halbiert der europäische Flugzeugbauer Airbus ab 2018 die Produktion des Großraumflugzeugs A380. Pro Monat solle dann nur noch eine Maschine gebaut werden statt bisher zwei, teilte das Unternehmen am Dienstag auf der Luftfahrtschau im britischen Farnborough mit. Die Nachfrage nach dem vierstrahligen Großflugzeug geht zusehends zurück, während wirtschaftlichere Modelle mit zwei Triebwerken bei den Fluglinien immer beliebter werden. Das Großraumflugzeug hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

1994
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Unter dem Codenamen A3XX beginnt das Airbus-Konsortium mit dem Entwurf für den neuen Super-Airbus.

2000
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Airbus gibt offiziell den Startschuss für das doppelstöckige Flugzeug, das mit 555 Sitzen die Boeing 747 als weltgrößtes Passagierflugzeug ablösen soll. Aus A3XX wird A380. Der erste Flug ist für 2004, die Auslieferungen an die Kunden ab 2005 geplant.

2004
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Doch der damalige Airbus-Mutterkonzern EADS kündigt an, dass das A380-Projekt 1,45 Milliarden Euro über Budget liegt. Die Entwicklungskosten belaufen sich damit auf rund zwölf Milliarden Euro.

2005
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Der A380 meistert am 27. April seinen Jungfernflug. Im Juni kündigt Airbus an, dass sich die ersten Auslieferungen um bis zu sechs Monate verzögern. Grund sind Probleme beim Einbau der 500 Kilometer umfassenden Verkabelung. Deutsche und Franzosen hatten beim Bau des Flugzeugs mit unterschiedlichen Softwareprogrammen gearbeitet. Als die ersten Maschinen verkabelt werden sollten, fiel auf, dass die Leitungen nicht passten.

2006
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Airbus kündigt eine zweite Verzögerung um weitere sechs Monate an. EADS-Co-Chef Noël Forgeard und sein Nachfolger als Airbus-Chef, Gustav Humbert, treten wegen der erneuten Verzögerung zurück. Neuer Airbus-Chef wird Christian Streiff. Im Oktober wird die Auslieferung des A380 dann um ein weiteres Jahr verschoben. Damit liegt das Projekt nun zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Nach nur 100 Tagen im Amt wirft Airbus-Chef Christian Streiff das Handtuch. Sein Nachfolger wird EADS-Co-Chef Louis Gallois.

2006
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Als erster Kunde storniert Fedex im November seine Bestellung von zehn A380-Frachtmaschinen für 2,5 Milliarden Dollar und ordert beim US-Erzrivalen Boeing. Ende des Jahres lassen die europäische Behörde für Flugsicherheit (EASA) und die US-Luftfahrtbehörde FAA den A380 nach monatelangen Tests zum Flugbetrieb zu.

Bei Flugzeugkäufen geht es rasch um Milliardensummen. So kosten schon die kleineren, stark gefragten Mittelstreckenjets der Airbus-A320-Familie laut Preisliste schnell an die 100 Millionen US-Dollar. Für den weltgrößten Passagierjet A380 werden offiziell rund 433 Millionen Dollar fällig. Trotz der branchenüblichen hohen Rabatte tun sich viele Airlines mit der Finanzierung schwer.

Die Airbus Group ist der größte europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern. Im Geschäft mit Verkehrsflugzeugen liefert sich das Unternehmen seit vielen Jahren einen harten Konkurrenzkampf mit seinem Rivalen Boeing aus den USA. Bei den Flugzeugen mit mehr als 150 Sitzplätzen gibt es seit Ende der 1990er Jahre weltweit kaum noch andere relevante Anbieter. Im vergangenen Jahr kam die Airbus Group samt ihres Rüstungs- und Raumfahrtgeschäfts auf einen Umsatz von 64,5 Milliarden Euro und beschäftigte 136.600 Mitarbeiter.

  • dpa
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