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Boeing-Fabrik in Everett nahe Seattle

Das Markenzeichen der künftigen 777X - bewegliche Tragflächen-Spitzen.

(Foto: Reuters)

Großraumflugzeug Boeing erleidet Rückschlag beim Bau der 777X

Ein wichtiger Test für die Zulassung des neuen Großraumjets Boeing 777X ist schiefgegangen. Eine Frachttür soll sich explosionsartig gelöst haben.
Update: 08.09.2019 - 17:04 Uhr Kommentieren

New York Der Flugzeughersteller Boeing hat überraschend Probleme mit dem künftigen Großraumflugzeug 777X. Bei einem Überdrucktest habe sich am Donnerstag eine der Frachttüren explosionsartig gelöst, wie US-Medien berichteten. Bei dem Test sollen auch Mitarbeiter der amerikanischen Flugsicherungsbehörde FAA dabei gewesen sein. Ein Mitarbeiter habe „einen lauten Knall“ gehört, und der Boden habe gebebt, berichtet die „Seattle Times“.

Boeing bestätigte am Wochenende lediglich, dass bei einem finalen Lasttest einer Versuchsmaschine am Boden ein Problem aufgetreten sei, das eine Aussetzung der Tests nötig gemacht habe. „Wir untersuchen den Vorfall, und das zuständige Team arbeitet daran, die Ursache festzustellen“, sagte ein Sprecher. Der Konzern aus Chicago im Bundesstaat Illinois betonte, dass die Maschine Bedingungen ausgesetzt war, die deutlich härter sind als im regulären Flugbetrieb. Zudem würde die getestete Maschine nicht geflogen werden, weder zu Testzwecken noch mit Passagieren.

Für den Konkurrenten des europäischen Flugzeugbauers Airbus ist das ein neuer Rückschlag. Nach zwei Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien musste Boeing die Auslieferung des kleineren Maschinentyps 737 Max aussetzen. Zudem gilt seit März ein weltweites Flugverbot für die Maschinen. Wann dies aufgehoben wird, ist derzeit noch unklar.

Boeing-Chef Dennis Muilenberg hatte Anfang August in Aussicht gestellt, dass die Maschinen im vierten Quartal in den Flugbetrieb zurückkehren könnten. Die Fluglinien United und American Airlines rechnen jedoch frühestens im Dezember damit. Andere gehen nicht davon aus, dass dies dieses Jahr noch passieren wird. Die Untersuchungen laufen, könnten jedoch mehr Zeit erfordern, wie ein von der FAA berufener Expertenausschuss zuletzt signalisierte. Im Fokus steht eine möglicherweise fehlerhafte Steuerungssoftware.

Auch die Rolle der FAA selbst wird im Zusammenhang mit den beiden Flugzeugunglücken untersucht, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Muilenberg hatte im Juni bei der Airshow in Paris betont, dass Sicherheit an erster Stelle stehe. Die Maschinen würden „nur dann wieder fliegen, wenn es sicher ist“, so der Boeing-Chef. Der Konzern würde jedoch stetige Fortschritte bei der Zertifizierung machen, stellte er klar.

Bereits im August hatte Boeing Verzögerungen bei der 777X angekündigt, weil beim Triebwerkshersteller General Electric Probleme mit der Entwicklung aufgetreten waren. Der Jungfernflug der 777X war daraufhin in das Jahr 2020 verschoben worden. Ob es nach dem Vorfall der vergangenen Woche zu weiteren Verzögerungen kommt, ist derzeit noch unklar. Die 777X soll Ultra-Langstreckenflüge ermöglichen – unter anderem einen 21-stündigen Flug von Sydney nach London, den die Airline Qantas anbieten will. Auch die Lufthansa gehört zu den ersten Kunden.

Paradoxerweise können die Airlines unterdessen auch von den Verzögerungen bei der 737 Max profitieren. Die Auslastung der Flüge hat im April, Mai und Juni neue Rekordstände erreicht, wie Daten des Dachverbands der Fluggesellschaften IATA zeigen. Ursprünglich hatte Boeing vorgesehen, die Produktion der beliebten Maschine in diesem Jahr noch zu steigern. Das hätte die Kapazitäten erhöht, aber möglicherweise auch auf die Auslastungsquote und damit die Umsätze gedrückt. Im vergangenen Jahr waren die Umsätze pro Passagier und Kilometer um knapp drei Prozent zurückgegangen.

Mehr: Die US-Flugaufsicht nimmt sich mehr Zeit für die Prüfung der Boeing 737 Max. Die erhoffte Wiederzulassung im vierten Quartal steht auf der Kippe.

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