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Günter Butschek und Ralf Speth Zwei Deutsche müssen den Autobauer Tata aus der Krise führen

Günter Butschek und Ralf Speth leiten die Geschäfte des Autokonzerns. Während der eine einen Rekordverlust verursacht, gelingt dem anderen eine Kehrtwende.
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Butschek verantwortet die Geschäfte von Tata Motors auf dem indischen Heimatmarkt des Konzerns. Quelle: Bloomberg
Günter Butschek

Butschek verantwortet die Geschäfte von Tata Motors auf dem indischen Heimatmarkt des Konzerns.

(Foto: Bloomberg)

PuneDen vergangenen Freitag erleben die zwei deutschen Topmanager beim indischen Autokonzern Tata Motors unter gänzlich unterschiedlichen Vorzeichen. Ralf Speth, Chef der Tata-Motors-Luxussparte Jaguar Land Rover, muss dabei zusehen, wie sein Unternehmensteil den Aktienkurs des gesamten Konzerns ins Bodenlose stürzen lässt: An der Börse in Mumbai verliert das Papier zeitweise um 30 Prozent an Wert.

Es ist der stärkste Einbruch seit zweieinhalb Jahrzehnten. Grund ist der größte Quartalsverlust in der indischen Börsengeschichte, den der indische Mutterkonzern wegen mieser Geschäfte bei dem 2008 übernommenen britischen Autohersteller kurz zuvor vermelden musste: umgerechnet 3,79 Milliarden Dollar.

Bei der zweiten Führungsfigur von Tata Motors, dem aus Stuttgart stammenden Manager Günter Butschek, geht es an dem Tag deutlich ruhiger zu: Mit seinem weißen Jaguar fährt er zu einem Termin am Lake House des Tata-Konzerns in der Industriestadt Pune. Der frühere Vorsitzende Ratan Tata verbrachte hier gerne seine Pausen. An dem Ort fällt es leicht, die Krise in der Konzernfamilie zu vergessen: Gänse auf dem gepflegten Rasen. Im künstlich angelegten See schwimmen Enten.

Butschek verantwortet die Geschäfte von Tata Motors auf dem indischen Heimatmarkt des Konzerns und auch die internationalen Geschäfte unter der Marke Tata Motors. Er will heute über die Zukunft der Mobilität in Indien sprechen und neue Wachstumsmärkte für sein Unternehmen vorstellen. Von dem Crash, den die Konzernmutter gerade an den Finanzmärkten erlebt, scheint er nicht viel mitbekommen zu haben: Er wolle sich am Nachmittag den Kurs ansehen, sagt er.

Bei seinem Kollegen Speth, der wie Butschek an den Chef des Tata-Konglomerats Natarajan Chandrasekaran berichtet, ist von Wachstumsmärkten derzeit nicht viel zu hören. Hauptthema in seinem Unternehmen sind die schrumpfenden Geschäfte im wichtigen Markt China.

Zudem leidet Jaguar Land Rover unter dem schlechten Ruf von Dieselautos, die den Großteil des Produktportfolios ausmachen. Auch Sorgen vor einem ungeordneten Brexit lasten auf dem Unternehmen. Tata Motors sieht sich deshalb gezwungen, den Wert von Speths Sparte deutlich nach unten zu korrigieren: Sie senkte ihn um 3,1 Milliarden Pfund – das führte zu dem milliardenschweren Rekordverlust.

Die Rollenverteilung bei Tata Motors hat sich damit grundlegend umgekehrt: Der 63 Jahre alte Speth, den die Inder nach 20 Jahren bei BMW und Einsätzen bei Ford und Linde 2010 zum Jaguar-Land-Rover-Chef machten, verantwortete den lange Zeit erfolgsverwöhnten Gewinnbringer im Konzern und konnte seit 2011 20 Milliarden Pfund in neue Modelle, Fabriken und Technologien investieren. Das Heimatgeschäft in Indien, das weniger als ein Drittel der Konzernumsätze erwirtschaftet, galt hingegen lange Zeit als Problemkind – bis vor drei Jahren Butschek kam.

Im Lake House nimmt der 58-Jährige vor einem mit Blumen geschmückten Porträt von Firmengründer J. R. D. Tata Platz. Die Hemdsärmel sind nach oben gekrempelt. „Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben“, sagt er selbstbewusst. Für den Familienkonzern aus Mumbai ist seine Sparte plötzlich zum Stabilitätsanker geworden.

Als der frühere Daimler- und Airbus-Manager seine Arbeit auf dem Subkontinent aufnahm, fand er ein angeschlagenes Unternehmen vor. In seinem ersten Dienstjahr stieg der Vorsteuerverlust um das 36-Fache auf mehr als 300 Millionen Dollar. Gleichzeitig gingen die Marktanteile zurück.

Hartes Sparprogramm zeigt Erfolge

Butschek schrieb einen Brief an seine Mitarbeiter, in dem er vor einer Krisensituation warnte und von einer äußersten Notlage sprach. Es kam zu Spekulationen, ob Butschek Indien schon kurz nach seinem Antritt wieder verlassen müsse. Ratan Tata – der legendäre, langjährige Chef des Tata-Imperiums, zu dem mehr als 100 Firmen gehören – äußerte sich höchst betrübt: Es habe ihn verletzt, dass das Land auf Tata Motors geblickt habe, als wäre es ein scheiterndes Unternehmen.

Doch mit einem harten Sparprogramm hat Butschek seither eine Wende eingeleitet, die nun Erfolge zeigt: Im jüngsten Quartal, das im Dezember zu Ende ging, machte seine Sparte einen Vorsteuergewinn von 73 Millionen Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Mit Erfolg: Mitul Shah, Automobilexperte bei Reliance Securities, urteilte zuletzt, dass er Tatas neue Profitabilität am indischen Markt für nachhaltig hält.

Auch bei Jaguar Land Rover wird nun gespart. Vor einem Monat verkündete Speth, 4500 der insgesamt 40.000 Stellen in dem Unternehmen zu streichen. Gleichzeitig will er aber weiter investieren: Vier Milliarden Pfund stehen in diesem Bilanzjahr zur Verfügung, unter anderem, um das Geschäft mit Elektroautos anzutreiben.

„Wir treffen jetzt die richtigen Entscheidungen, um das Unternehmen für neue Technologien und starke Produktoffensiven vorzubereiten“, teilte Speth mit. Begeisterung blieb aus: Analysten der Deutschen Bank erwarten auch im kommenden Bilanzjahr einen negativen Einfluss von Jaguar Land Rover. Das Indien-Geschäft von Tata Motors sehen sie als einzigen Lichtblick.

Auf dem Subkontinent sucht Butschek ebenfalls nach neuen Geschäftsmodellen. Er will von Initiativen wie dem Smart-City-Programm von Premierminister Narendra Modi profitieren. 100 Metropolen werden dabei gefördert, Elektrobusse statt Dieselfahrzeuge im Nahverkehr einzusetzen. Ein Großteil der Bestellungen sei auf Tata Motors entfallen, sagt Butschek. Ende 2018 seien die ersten Busse ausgeliefert worden.

Vor seiner Zeit in Indien und einem Zwischenspiel als Airbus-Deutschlandchef hat Butschek ein Vierteljahrhundert lang Erfahrungen in der Autoindustrie gesammelt. Der studierte Betriebswirt begann seine Karriere in den 80er-Jahren bei Mercedes-Benz. 2005 zog er nach China und leitete dort das Daimler-Joint-Venture Beijing-Benz.

Sein Büro hat Butschek nun im altehrwürdigen Bombay House, einem fast 100 Jahre alten Gebäude im Süden der Finanzmetropole Mumbai, von wo das Tata-Konglomerat seine globalen Geschäftsaktivitäten steuert. Günter Butschek meint: „Die Luftverschmutzung ist eine der größten Herausforderungen, die wir in Indien haben.“

Sein Unternehmen unterstütze deshalb den Plan der Modi-Regierung, der ursprünglich vorsah, ab 2030 nur noch Elektrofahrzeuge zuzulassen. Gefragt ist aus seiner Sicht nun die indische Industrie, massentaugliche Antworten zu geben: „Lösungen aus dem Ausland kopieren, geht in Indien nicht“, sagt Butschek. „Selbst das billigste deutsche Elektroauto würde hier keiner kaufen.“

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