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Guillaume Faury

Mitte April übernimmt der Franzose die Führung der Airbus-Gruppe von Tom Enders.

(Foto: Reuters)

Guillaume Faury Vor diesen Herausforderungen steht der neue Airbus-Chef

Guillaume Faury tritt seinen Job als CEO der Airbus-Gruppe unter guten Bedingungen an. Doch auf den Manager warten große Aufgaben.
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ParisFür den neuen Airbus-Chef kann es wohl keinen schöneren Einstieg geben: Nur wenige Tage bevor Guillaume Faury CEO des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns wird, hat er ein Rahmenabkommen mit China über den Kauf von 300 Zivilflugzeugen unterzeichnet.

„Das ist ein starkes Zeichen des langfristigen Vertrauens von unseren chinesischen Partnern“, sagte der Franzose, der derzeit noch die wichtige Verkehrsflugzeugsparte bei Airbus führt, nach der Zeremonie in Paris. Der Vertrag habe eine „sehr bedeutende Größenordnung“. Von rund 30 Milliarden Euro ist in Regierungskreisen die Rede.

Ein gelungener Einstand noch vor dem eigentlichen Start: Nach der Hauptversammlung am 10. April wird Faury die Führung der Airbus-Gruppe von Tom Enders übernehmen. Dazu kommt: Während Airbus auf dem chinesischen Markt vorankommt, steckt der ewige Rivale Boeing in großen Nöten.

Dessen Topseller 737 Max muss nach zwei Abstürzen mit ähnlichem Verlauf am Boden bleiben. Und bis die offenbar fehlerhafte Software überarbeitet und von den Behörden zertifiziert ist und die Piloten umgeschult sind, kann noch viel Zeit vergehen. Anschließend muss Boeing das angeschlagene Vertrauen erst einmal wieder herstellen.

Der 51-jährige Faury scheint also im siebten Himmel zu schweben. Doch die Realität ist komplizierter. Denn der monumentale Auftrag aus China ist noch keine feste Bestellung, sondern nur ein Rahmenabkommen. „Das bestätigt den Willen der chinesischen Regierung, den Kauf einer bestimmten Zahl von Flugzeugen durch chinesische Airlines zu genehmigen.“

Wie viele Flieger die Chinesen tatsächlich kaufen werden, lässt sich heute noch nicht sicher sagen. Offen ist auch, wie viele Jets überhaupt in Europa gefertigt werden. Zumindest ein Teil wird in China gebaut. Peking drängt darauf, dass Airbus immer mehr Wertschöpfung ins Land verlagert. Auch die modernsten Großraumflugzeuge sollen „made in China“ werden. Faury muss entscheiden, wie we it er dem Druck nachgibt und damit indirekt einen chinesischen Rivalen züchtet.

Die Probleme bei Boeing sorgen am Airbus-Sitz in Toulouse nicht für Schadenfreude. Die Airbus-Manager sind besorgt, dass ihr Unternehmen in den Strudel der Boeing-Krise hineingezogen werden könnte. Auch mit Airbus-Modellen, die eine elektronische Flugkontrolle haben, ist es zu Situationen gekommen, in denen die Piloten gegen die Computer kämpfen mussten.

„Wir sehen doch, dass alles dafür getan wird, um uns da mit hineinzureißen“, sagt ein Airbus-Mitarbeiter. Der Konzern weigert sich seit Wochen, über die Details des Zusammenwirkens von Mensch und Rechner zu kommunizieren. Dabei arbeitet das Unternehmen bereits an der nächsten Phase des teilautomatischen Fliegens, nämlich einem Cockpit mit nur noch einem Piloten – was noch mehr Entscheidungsmacht für die Computer bedeutet.

Faury, der bis auf einen kurzen Abstecher in die Autobranche seine komplette Laufbahn in der Luftfahrt verbracht hat, wird in den kommenden Monaten entscheiden müssen, ob und mit welchem Tempo er diese gravierende Veränderung angehen will.

Enorme Herausforderungen

Die Herausforderungen sind enorm. Im Vergleich dazu verliert für Faury die Dauerkrise bei Airbus durch den immer noch ungelösten Skandal um korrupte Praktiken beim Verkauf von Hubschraubern und Zivilflugzeugen fast schon an Bedeutung. Denn sowohl die möglicherweise fällig werdende Geldbuße als auch den Imageschaden kann Faury zu Recht seinen Vorgängern anlasten.

Er kennt sich dabei bestens aus, verfügt über großes Insiderwissen bei Airbus. Der Mann, der im nordfranzösischen Cherbourg geboren wurde, hat eine typische Karriere für französische Topmanager hinter sich. Er besuchte die Jesuiten-Privatschule Sainte-Geneviève in Versailles, in die nur Musterschüler gelangen. Im Anschluss studierte er Ingenieurwissenschaften an der Pariser Eliteuni École Polytechnique und Luftfahrttechnik in Toulouse.

So schön bislang die Begleitumstände des Wechsels von Tom Enders zu ihm wirken: Faurys neuer Arbeitsplatz wird nicht auf Wolke sieben liegen.

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