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Halbeiterbranche Brüssel gibt grünes Licht für Osram-Übernahme durch AMS

EU-Wettbewerbshüter genehmigen die Übernahme von Osram durch den österreichischen Chipkonzern AMS ohne Auflagen. Innerhalb des Unternehmens gibt es weiter Vorbehalte.
06.07.2020 - 18:14 Uhr Kommentieren
Der Münchener Lichttechnikkonzern darf vom österreichischen Konkurrenten AMS übernommen werden. Quelle: dpa
Osram-Hauptversammlung

Der Münchener Lichttechnikkonzern darf vom österreichischen Konkurrenten AMS übernommen werden.

(Foto: dpa)

Brüssel, München Der Sensorik- und Chipkonzern AMS ist am Ziel: Die EU-Wettbewerbshüter haben die Übernahme des deutschen Lichtkonzerns Osram durchgewunken. Damit kann das österreichische Unternehmen den Wettbewerber aus München wie geplant akquirieren. Die Kommission in Brüssel sieht keine Gefahr für den Wettbewerb im Markt für optische Halbleiter. AMS hatte sich nach langem Ringen Ende 2019 die Mehrheit an Osram gesichert.

Für die Erlaubnis gab es zwei Gründe, wie die Kommission am Montag in Brüssel mitteilte. AMS und Osram hätten nur „geringe bis mäßige gemeinsame Marktanteile“ bei Lichtsensoren und Laserdioden. Darüber hinaus würde eine Reihe von Wettbewerber Alternativen zu den Produkten des neu zu formenden Sensorikkonzerns liefern.

„Marktzutrittsschranken scheinen die Entstehung neuer Marktteilnehmer nicht zu verhindern“, teilte die EU-Kommission mit. Die Produkte von Osram und AMS kommen beispielsweise bei Handys, in der Autobranche und bei medizinischen Geräten zum Einsatz.

Die Behörde von EU-Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager wies auch darauf hin, dass Unternehmen angesichts der sich schnell entwickelnden Produkte und Marktdynamik nicht in der Lage seien, große Marktmacht auszuüben. Im Übrigen unterstützte die Mehrheit der befragten Wettbewerber die Osram-Übernahme, hieß es in Brüssel.

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    Binnenmarktexperte der CDU enttäuscht

    Um die Genehmigung aus Brüssel musste AMS bis zum Schluss bangen. Denn eine Gruppe von Europaabgeordneten unter Führung des Binnenmarktsprechers der Christdemokraten im Europaparlament, Andreas Schwab (CDU), schlug in einem Brief an Vestager Alarm. Die Abgeordneten warnten, dass innovative Technologien an Unternehmen außerhalb Europas verkauft werden könnten.

    In seinem Brief appellierte Schwab letztlich vergebens: „Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen mit möglichen innovativen Technologien wie Osram weiterhin im EU-Markt operieren.“

    Osram sei zum Beispiel die einzige Firma, die UV-C-Technologie für die Oberflächendesinfektion anbiete, die im Kampf gegen das Coronavirus helfe. Die Abgeordneten weisen auch darauf hin, dass der Hauptaktionär von AMS bereits aus Singapur kommt.

    Der Chef des Sensorik-Konzerns AMS ist mit der Freigabe der EU-Kommission für die Osram-Übernahme am Ziel. Quelle: AMS
    Alexander Everke

    Der Chef des Sensorik-Konzerns AMS ist mit der Freigabe der EU-Kommission für die Osram-Übernahme am Ziel.

    (Foto: AMS)

    „Ich bin enttäuscht, dass die Kommission sehr gut in der Kommunikation über unsere gemeinsamen europäischen Werte ist, aber in konkreten Fällen sind die Entscheidungen nicht so gut kommuniziert. Ich freue mich auf die Erklärung, die ich bald bekommen sollte“, sagte Schwab dem Handelsblatt in Brüssel.

    Das Closing – also der offizielle Vollzug der Übernahme – wird in Industriekreisen nun für die nächsten Tage erwartet. Osram begrüßte die Entscheidung offiziell. Man könne „nun die weiteren Vorbereitungen für eine Zusammenführung der beiden Konzerne zügig angehen“. Die Bündelung der gemeinsamen Stärken biete zahlreiche Chancen. Man könne „gemeinsam einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang schmieden“.

    Trotz der Genehmigung aus Brüssel gibt es in München noch immer auch viele Vorbehalte gegenüber den neuen Eigentümern aus Österreich. „Die Übernahme ist wohl nicht mehr aufzuhalten“, sagte ein Osram-Mitarbeiter. Im Unternehmen gibt es Befürchtungen, dass AMS den Traditionskonzern zerschlagen könnte. Zur Disposition stehen die Digitalsparte von Osram und laut Industriekreisen auch Teile der Automotive-Sparte.

    AMS mit Personalansprüchen

    Die nächsten Wochen und Monaten werden nun spannend. AMS hatte angekündigt, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag anzustreben. Bislang ließen die Österreicher aber offen, wann sie dies umsetzen wollen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt hatte AMS-Vorstandschef Alexander Everke gesagt, man komme eine Zeitlang auch ohne einen solchen Vertrag bei Osram zurecht. Synergien ließen sich auch so erreichen. „Auch über den Aufsichtsrat können wir den Konzern in eine Richtung verändern, die uns wichtig ist.“

    Damit stellte der neue Großaktionär klar, dass er im Kontrollgremium eine angemessene Vertretung erwartet. In Industriekreisen wird erwartet, dass AMS zwei bis drei Aufsichtsräte stellen will. Damit könnten auch die Tage von Aufsichtsratschef Peter Bauer gezählt sein. AMS hat seinen Konzernsitz im südösterreichischen Premstätten in der Nähe von Graz.

    Die Führung von AMS zeigte sich „begeistert über diesen Erfolg“. Man freue sich, zusammen mit Osram einen weltweit führenden Konzern für Sensorik und Photonik zu schaffen. AMS hatte in den vergangenen Wochen die Vorbereitungen für den Vollzug der Transaktion vorangetrieben.

    Nach einer Kapitalerhöhung im Frühjahr wurde vor Wochenfrist auch mittels einer Anleihe Geld aufgenommen: Die Senior Notes brachten in einer Euro-Tranche 650 Millionen Euro ein und in einer Dollar-Tranche 400 Millionen Euro. Die zu bezahlenden Zinssätze von sechs Prozent beziehungsweise sieben Prozent gelten unter Finanzmarktteilnehmern in Zürich, wo AMS notiert ist, allerdings als hoch.

    Mehr: Finanzaufsicht ermittelt gegen AMS-Spitze wegen möglichen Insidergeschäften.

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