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Donald Trump

Der US-Präsident rechts mit Gesundheitsminister Alex Azar (l.).

(Foto: dpa)

Halbjahresbilanz der Pharmariesen So gelingt es einer ganzen Branche, Trump zu trotzen

Die US-Preisdebatte hat die Pharmariesen nicht aus dem Tritt gebracht. Eine Handelsblatt-Analyse zeigt: Ihr Wachstum hat im ersten Halbjahr zugelegt.
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Frankfurt US-Präsident Donald Trump hat die Pharmabranche mit seinen Tweets gegen Preissteigerungen aufgeschreckt – und zu Zugeständnissen in der Preispolitik gezwungen. Doch trotz dieser Attacken kann die Branche eine solide Halbjahresbilanz ziehen – mit leicht beschleunigtem Wachstum und überwiegend höheren Erträgen.

Auf diesen Trend jedenfalls deuten die Zahlen der zehn führenden Pharmakonzerne. Auf Dollarbasis konnten sie nach Berechnung des Handelsblatts ihre Arzneimittelumsätze im ersten Halbjahr um gut sechs Prozent auf zusammen 177 Milliarden Dollar steigern. Die addierten Betriebsgewinne der Big-Pharma-Riesen stagnierten zwar bei etwa 58 Milliarden Dollar, die ausgewiesenen Nettogewinne verbesserten sich insgesamt um sieben Prozent auf rund 53 Milliarden Dollar.

Etwas geholfen hat dabei die Abwertung des Dollars, der zum Beispiel gegenüber dem Euro im ersten Halbjahr 2018 um gut ein Zehntel schwächer als im Vorjahr notierte. Dadurch werden die Umsatz- und Ertragszahlen um gut zwei Prozentpunkte nach oben verzeichnet.

Das währungsbereinigte Wachstum der Top Ten dürfte sich damit bei durchschnittlich nur drei bis vier Prozent bewegen. Aber auch dieser Wert bedeutet eine gewisse Beschleunigung gegenüber dem Vorjahr, als sich die Pharmariesen im Schnitt mit weniger als zwei Prozent operativem Wachstum begnügen mussten.

Alles in allem scheinen sich damit Prognosen von Marktforschern und Analysten zu bestätigen, die dem Sektor trotz weiterer Patentabläufe und der anhaltenden Preisdebatte in den USA und anderen Ländern etwas mehr Dynamik für die nächsten Jahre zutrauen. Die britische Analysefirma Evaluate Pharma etwa schätzt das Wachstum der Branche auf jährlich sechs Prozent bis 2024.

Die Performance-Unterschiede innerhalb der Branche sind dabei weiter erheblich, wie zum Beispiel die relativ mäßigen Zahlen der Pharmariesen Pfizer und Sanofi zeigen, die am Dienstag als letzte der zehn größten Konzerne ihre Halbjahres-Bilanzen vorgelegt haben. Beide Konzerne bewegen sich operativ nach wie vor in einer gewissen Flaute und verbuchten währungsbereinigt nur stagnierende Pharmaerlöse im ersten Halbjahr.

Kräftiger Einbruch bei US-Konzern Gilead

Deutlich nach unten gedrückt werden die Durchschnittswerte ferner durch einen weiteren kräftigen Einbruch beim US-Konzern Gilead, der abermals erhebliche Einbußen in seinem Geschäft mit Hepatitismedikamenten verzeichnete und dadurch 21 Prozent Umsatzrückgang und 45 Prozent weniger Gewinn verbuchte.

Das kalifornische Unternehmen, das sich vor vier Jahren mit seinen zunächst enorm erfolgreichen und sehr teuren Hepatitismitteln in das Spitzensegment der Branche katapultierte, dürfte im Gesamtjahr wieder aus der Spitzengruppe absteigen. Er verliert Marktanteile an preisgünstigere Konkurrenten.

Bei etlichen anderen Pharmakonzernen dagegen hat sich das Wachstum klar beschleunigt. Top-Performer sind dabei die beiden US-Konzerne Abbvie und Johnson & Johnson (J&J), die ihre Arzneimittelerlöse jeweils um rund 20 Prozent steigern konnten. J&J profitierte dabei allerdings auch von der Integration der 2017 erworbenen Biotechfirma Actelion, die gut sechs Prozentpunkte Wachstum beisteuerte, daneben brachten eine Reihe von Krebsmitteln starke Zuwächse.

Beim Wachstums-Champion Abbvie wurde das Geschäft von starken Zuwächsen und Marktanteilsgewinnen bei Hepatitis-Mitteln sowie vom anhaltenden Erfolg des Rheumamittels Humira getrieben. Der Wirkstoff, der Ende der 1990er-Jahre von BASF entwickelt wurde, ist bereits seit Jahren das umsatzstärkste Medikament der Welt und legte im ersten Halbjahr nochmals um 12 Prozent auf knapp 10 Milliarden Dollar Umsatz zu.

Das Mittel dürfte damit 2018 das erste Produkt der Pharmabranche werden, das die 20-Milliarden-Dollar-Grenze durchbricht. In relativ starker Verfassung zeigen sich auch die beiden Schweizer Pharmariesen Novartis und Roche, deren Pharmaumsätze in Dollar gerechnet um jeweils rund acht Prozent zulegten.

Auch der Ausblick der Firmen bleibt ungeachtet der Preisdebatten in den USA überwiegend zuversichtlich. Ihre bisherigen Gewinnprognosen haben die Konzerne weitgehend bestätigt oder – wie etwa Abbvie, Johnson & Johnson und Roche – sogar leicht erhöht.

Der jüngste Angriff Trumps hinterlässt damit offenbar kaum Spuren in den Zahlen. Mehrere Pharmakonzerne, darunter Pfizer, Novartis und Roche, hatten auf Drängen des US-Präsidenten in den vergangenen beiden Wochen den Verzicht auf weitere Preiserhöhungen in den USA angekündigt. Auf die prognostizierten Umsätze haben diese Zugeständnisse aber kaum Einfluss, da es – soweit überhaupt Preiserhöhungen geplant waren – in der Regel nur um kleinere Teilbereiche der Sortimente ging.

Zudem wird auch in den USA ein Großteil der Listenpreiserhöhungen inzwischen ohnehin durch steigende Rabatte konterkariert, die Pharmafirmen den amerikanischen Versicherern und den für diese tätigen Pharmacy Benefit Managern (PBM) gewähren.

Pfizer-Chef Ian Read zeigte sich im Call mit Analysten zuversichtlich, dass die Reformpläne Trumps letztlich positiv für die Pharmabranche sein werden. Der Präsident sei daran interessiert, ein marktbasiertes System zu erhalten. Und den womöglich stärksten Effekt werde der Plan haben, das Rabattsystem zu beschränken. „Das wird sehr gut für die Patienten wie auch für die Industrie sein.“

Gut gefüllt Pipelines sorgen für Optimismus
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