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Halbleiter-Mangel Chip-Engpass: US-Autokonzerne appellieren an Joe Biden

Auch die US-amerikanischen Hersteller kämpfen mit Lieferproblemen bei Halbleitern. An der Misere ist die China-Politik von Donald Trump mit schuld. 
19.01.2021 - 17:33 Uhr Kommentieren
Der US-Autobauer musste wegen des Chipmangels bereits ein Werk stilllegen. Quelle: Kamil Krzaczynski
Arbeiter bei Ford in Chicago

Der US-Autobauer musste wegen des Chipmangels bereits ein Werk stilllegen.

(Foto: Kamil Krzaczynski)

New York Erst an diesem Mittwoch wird der neue US-Präsident vereidigt. Doch die heimische Autoindustrie setzt bereits enorme Hoffnungen auf Joe Biden. Ihr drängendstes Problem ist der Mangel an Halbleiterchips, der derzeit die gesamte Branche plagt.

Am Montag richteten die Konzerne einen eindringlichen Appell an den demokratischen Politiker, den Engpass zu beheben. Biden soll General Motors, Ford und Chrysler helfen, die wichtigen Mikrochips für ihre Autos zu bekommen.

Wie in Europa haben auch die Hersteller mit Lieferengpässen zu kämpfen: Ford hat nicht nur sein Werk in Saarlouis, sondern auch eine SUV-Fabrik in Kentucky vorübergehend geschlossen. Chrysler, das zum neu formierten Autobauer Stellantis gehört, hat die Produktion in Fabriken in Kanada und Mexiko eingestellt. In den kommenden Wochen werden weitere Werksschließungen erwartet.

„Wir haben Lieferengpässe nach der Pandemie erwartet“, kommentiert Michelle Krebs von der Beratungsfirma Cox Automotive die Lage. Aber der Chipmangel habe die Industrie schwerer und schneller erwischt, als viele erwartet hatten.

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    Der Lobbyverband „American Automotive Policy Council“ (AAPC), der die Interessen von General Motors, Ford und Chrysler vertritt, macht daher Druck auf das Handelsministerium und die neue Biden-Regierung. Sie solle die asiatischen Hersteller dazu zu bewegen, mehr Halbleiterchips für die Autobauer und weniger für die Unterhaltungsindustrie zu produzieren.

    Oft reicht das Fehlen eines kleinen Chips, um die gesamte Produktion lahmzulegen. Bei Ford in Kentucky liegt es nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern etwa an einem Bauteil im Bremssystem.

    Trumps Chinapolitik rächt sich nun

    Der Lieferengpass bei den wichtigen Mikrochips liegt zum Teil daran, dass in der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Computern und Spielkonsolen stark gestiegen ist und viele Chips dort eingebaut werden. Es liegt aber auch daran, dass die Autokonzerne zu wenig bestellt hatten, weil sie mit einem stärkeren Einbruch der Nachfrage gerechnet hatten.

    Als dann doch mehr Amerikaner als erwartet Autos kauften, hatten die Hersteller die wichtigen elektronischen Bauteile nicht vorrätig.

    Aber in den USA spielen auch die Folgen der Chinapolitik von Donald Trump eine Rolle. Seine Regierung hatte die Auswahl der Chiplieferanten für die US-Hersteller stark eingeschränkt. Im September etwa hatte das Weiße Haus dem chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei verboten, Chips mit amerikanischer Technologie zu kaufen.

    Das hatte dazu geführt, dass Huawei noch vor dem Verbot massiv Chips aufkaufte und einlagerte, um seine Produkte auch danach weiter herstellen zu können. Außerdem haben sich Konkurrenten ebenfalls mehr Chips gesichert, weil sie hofften, Huawei Marktanteile wegzunehmen. Damit war der Markt so gut wie leer gefegt.

    Grafik

    Außerdem hat die US-Regierung Regeln verhängt, die es dem chinesischen Halbleiterproduzenten SMIC verbieten, bestimmte amerikanische Werkzeuge zur Herstellung von Chips zu benutzen. Das hat viele US-Kunden von SMIC verunsichert. Um zu verhindern, dass sie auch bald auf einer Verbotsliste stehen, haben sie sich andere Hersteller gesucht, die nun aber ihren Aufträgen nicht mehr nachkommen können.

    Auch ausländische Hersteller in den USA sind betroffen

    Ein Beispiel dafür ist der taiwanesische Hersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), der sich derzeit vor Anfragen kaum retten kann: In einer Konferenz mit Analysten am Donnerstag sagte Konzernchef C. C. Wei, es gebe Engpässe bei den Automobilchips mit besonders „ausgereifter Technologie“. Das Unternehmen arbeite mit seinen Kunden daran, „die Auswirkungen des Engpasses zu minimieren“.

    In den Vereinigten Staaten sind nicht nur die heimischen Automarken von den Lieferproblemen betroffen. Auch die Fabriken der japanischen Marken Toyota und Subaru mussten ihre Produktion deswegen reduzieren.

    Die Hoffnungen der Autoindustrie liegen nun auf Joe Biden. „Wir haben die US-Regierung gebeten, uns zu helfen, eine Lösung für das Problem zu finden“, erklärte der Präsident des Auto-Lobbyverbands AAPC, Matt Blunt, gegenüber Bloomberg. „Denn es wird unsere Produktion verringern und negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben, wenn es nicht gelöst wird.“

    Selbst wenn das Problem bald behoben würde, dürften sich die Engpässe das gesamte Quartal über auswirken. Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, eine Lösung zu finden. „Und die ist: mehr Halbleiter für die Autobranche“, sagte Blunt.

    In der Branche gilt es aber längst nicht als ausgemacht, dass Chiphersteller den Schwenk von Halbleitern für die Unterhaltungsindustrie hin zur Autoindustrie mitmachen. Schließlich sind die Chips für Laptops und Konsolen margenträchtiger als jene für die Autoindustrie. Auf jeden Fall würde es laut Experten drei bis vier Monate dauern, die Produktion umzustellen.

    Dennoch gibt sich Blunt optimistisch, dass die neue Regierung in Washington helfen kann: „Es gibt viele Leute in der kommenden Regierung, die etwas Erfahrung und Expertise in der Autobranche haben. Und sicherlich verstehen viele, inklusive des gewählten Präsidenten, wie wichtig die Industrie für die USA ist“, sagte er.

    Mehr: Chip-Mangel und drohender Shutdown: Die Autoindustrie kämpft an zwei Fronten

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