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Halbleiterhersteller Infineon-Aktionäre zweifeln an Milliarden-Übernahme

Der Chiphersteller bangt seit Monaten um die Genehmigung eines Zukaufs in Amerika durch die Behörden. Die Anleger stört dabei auch der hohe Preis.
20.02.2020 - 13:29 Uhr Kommentieren
Infineon-Aktionäre zweifeln an Milliarden-Übernahme von Cypress Quelle: dpa
Reinhard Ploss

Der Infineon-Chef ist zuversichtlich, was die Übernahme von Cypress angeht.

(Foto: dpa)

München Es seien hektische Zeiten, meinte Infineon-Chef Reinhard Ploss an diesem Donnerstag auf der Hauptversammlung in München. Umso wichtiger sei es, im Blick zu behalten, was den Chiphersteller langfristig erfolgreich mache. Und dazu gehöre nicht zuletzt die Übernahme des amerikanischen Wettbewerbers Cypress. Für neun Milliarden Euro will der Ingenieur den Konzern kaufen.

Die Transaktion allerdings zieht sich allerdings seit inzwischen fast einem Dreivierteljahr – noch immer steht die Genehmigung der Aufseher aus. Infineon sei in „produktiven Gesprächen“ mit den Behörden in den USA und China, erläuterte Ploss. Der Manager gab sich zuversichtlich: „Stand heute gehen wir davon aus, dass wir die Übernahme gegen Ende dieses oder Anfang des kommenden Quartals abschließen können.“

Mit Cypress werde Infineon sein Kerngeschäft aus Leistungshalbleitern, Sensoren und Sicherheitscontrollern stärken, führte Ploss aus. So könne Infineon ein breiteres Anwendungsspektrum bedienen und den Kunden vollständige Lösungen anbieten.

Aktionäre sehen die Übernahme jedoch nicht nur positiv. Die strategische Logik sei zwar einleuchtend, meinte Markus Golinski, Portfoliomanager von Union Investment. Infineon werde damit zum weltgrößten Chiplieferanten für die Automobilindustrie aufsteigen, einen besseren Zugang zum japanischen Markt bekommen und die Produktlücke bei Mikrocontrollern schließen.

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    Die Anteilseigner würden dafür aber einen hohen Preis zahlen: Zum einen durch den Verwässerungseffekt, der durch die Kapitalerhöhung im Juni zu niedrigen Kursen besonders weh getan habe. Zum anderen durch den Anstieg der Verschuldung, der zu einer Verschlechterung des Bonitätsratings und damit zu höheren Finanzierungskosten führen könnte.

    „Welche Rendite diese Investition von 9 Milliarden Euro abwerfen wird, ist noch ungewiss“, monierte Golinski. Damit nicht genug: „Die angestrebte Stärkung der Marktposition, die geplanten Synergieeffekte und die daraus resultierenden höheren Gewinne müssen erst noch gezeigt werden.“ Zudem sei der Preis an der Schmerzgrenze.

    Aufsichtsrat steht hinter dem Kauf

    Damit nicht genug der Kritik. „Wir haben schon einmal in den USA schlechte Erfahrungen gemacht“, unterstrich Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). In der Tat, 2017 untersagten die Amerikaner den Kauf des Chipspezialisten Wolfspeed. Sie begründeten dies mit einem Risiko für die nationale Sicherheit.

    Den Rückhalt des Aufsichtsrats für den Mega-Kauf besitzt Ploss jedoch: „Wir stehen voll hinter der Akquisition“, sagte dessen Vorsitzender Wolfgang Eder.

    Sie sei wichtig, um den Wachstumskurs von Infineon abzusichern. Der Kaufpreis sei gerechtfertigt, so der Ex-Chef des österreichischen Stahlproduzenten Voestalpine. Es ist nicht nur die riesige Transaktion, die den Investoren Sorgen macht.

    „Infineon darf nicht den Fehler machen, massiv Produktionskapazitäten aufzubauen, die dem Unternehmen im konjunkturellen Abschwung auf die Füße fallen“, warnte Fondsmanager Golinski.

    Das sieht der Vorstand anders: „Wir haben uns ganz bewusst auf weiteres starkes Wachstum vorbereitet – was einen zum Teil sehr starken Vorlauf erfordert.“

    Grafik

    Infineon baut derzeit ein neues Werk im österreichischen Villach, es soll nächstes Jahr an den Start gehen. Derzeit bedroht vor allem das Coronavirus den Konzern, denn China ist der mit Abstand größte Markt. Noch aber ist der Vorstand entspannt. „Bisher sehen wir sowohl auf Lieferanten- als auch auf Kundenseite nur eine geringe Beeinträchtigung unseres Geschäfts“, erläuterte Ploss.

    Momentan sei freilich keine verlässliche Prognose zu den Auswirkungen des Virus auf Infineon möglich. Deshalb halte das Unternehmen an der Jahresprognose fest. Demnach soll der Umsatz 2020 um rund fünf Prozent steigen, die operative Marge soll 16 Prozent betragen.

    Das wiederum gefällt den Aktionären. Trotz des herausfordernden Umfelds gehe es dem Dax-Konzern ordentlich. „Infineon ist inzwischen ein Unternehmen, das auch schwierige Zeiten übersteht“, unterstrich DSW-Vertreterin Bergdolt. Das sei nicht immer so gewesen.

    Mehr: Wie das Coronavirus die Chipindustrie bremst

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