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Handelsblatt Auto-Gipfel 2021 Porsche-Chef sucht dringend Chip-Partner: „Wir werden da hart kämpfen müssen“

Porsche-CEO Oliver Blume will strategisch in die Halbleiter-Lieferkette investieren und blickt wie der Mutterkonzern VW nach Asien. Zugleich wirbt er vehement für synthetische Kraftstoffe.
11.11.2021 - 07:09 Uhr Kommentieren
„Mit Blick auf 2022 bin ich weniger optimistisch“ Quelle: Reuters
Porsche-Chef Oliver Blume

„Mit Blick auf 2022 bin ich weniger optimistisch“

(Foto: Reuters)

Stuttgart Wie der Mutterkonzern Volkswagen strebt auch Porsche enge Partnerschaften mit asiatischen Chipherstellern an. „Es geht darum, die richtigen strategischen Investitionen zu treffen bei den für die Autoindustrie relevanten Halbleitern“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel 2021. Das betreffe Chips mit einer Größe von mehr als 40 Nanometern.

Es gehe um Partnerschaften mit den Lieferanten, um eine größere Transparenz in den Prozessen und verbindliche Kapazitätsplanungen. „Wir müssen nächstes Jahr stärker strukturell eingreifen“, kündigte Blume an.

Der Porsche-Chef liegt bei dem Thema auf einer Linie mit dem Chef des Mutterkonzerns Volkswagen. Auch VW-CEO Herbert Diess hatte strategische Partnerschaften mit Chipherstellern in Asien angekündigt. VW werde dann selbst in Design und Entwicklung von fahrzeugbezogenen Chips einsteigen.

Wegen des Chipmangels können in diesem Jahr weltweit in der Autoindustrie trotz hoher Nachfrage rund zehn Millionen Fahrzeuge nicht gebaut werden. In der Coronakrise hatte die Autoindustrie überhastet ihre Chipbestellungen zusammengestrichen, aber nicht damit gerechnet, dass die Chipindustrie die Produktionskapazitäten an andere Industrien vergeben würde.

Blume sieht auch Porsche in der aktuellen Chipkrise stark gefordert. In diesem Jahr könne sich der Sportwagenbauer noch mit organisatorischen Maßnahmen über Wasser halten. Porsche wird mit seinen margenträchtigen Modellen im VW-Konzern bevorzugt behandelt. „Wir haben im Konzern Priorisierung nach Ergebnisbeiträgen“, sagte Blume.

Doch es droht Ungemach: „Mit Blick auf 2022 bin ich weniger optimistisch“, sagte Blume. „Wir werden da weiter hart kämpfen müssen, weil wir es weiter mit einem strukturellen und prozessualen Thema zu tun haben.“ Der Anteil von derzeit über 1000 Halbleitern pro Auto werde mit der Elektrifizierung künftig noch steigen.

Porsche mit Auslieferungsrekord

Trotz Chipmangels hatte Porsche bis zum dritten Quartal insgesamt knapp 218.000 Fahrzeuge ausgeliefert, 13 Prozent mehr als im Vorjahr – ein neuer Rekord. Auch im Schlussquartal rechnet Porsche mit weiterem Wachstum. In den drei Monaten bis Ende September hatte Porsche sogar erstmals mehr von seinem ersten reinen Elektrosportwagen Taycan als von der Markenikone 911 verkauft. So wurde der Elektrosportwagen 28.640-mal ausgeliefert, der Verbrenner-911er hingegen „nur“ 27.972-mal. Eine Kannibalisierung sieht Blume nicht: „50 Prozent der Taycan-Fahrer sind Neukunden.“

Auch daran, dass in Europa inzwischen 40 Prozent des Absatzes elektrifizierte Porsche-Modelle sind, hat laut Blume der Taycan großen Anteil. Ab 2022 wird der Geländewagen Macan voll elektrifiziert gebaut und 2023 ausgeliefert. Bis 2030 wollen die Zuffenhausener jährlich zu 80 Prozent reinelektrische und hybridisierte Fahrzeuge verkaufen.

Ein Verbot von Verbrennungsmotoren würde Porsche dennoch hart treffen. „Wir betrachten Nachhaltigkeit gesamtheitlich“, betont Blume. Dabei müsse man auch die 1,3 Milliarden Fahrzeuge auf der Welt berücksichtigen. Porsche investiert deshalb massiv in ein Werk für synthetische Kraftstoffe in Chile. Im Pilot koste ein Liter noch über zehn Dollar, bei industrieller Großfertigung stellt Blume einen Literpreis unter zwei Dollar in Aussicht.

Milliardenmarkt für synthetische Kraftstoffe

„Das wird ein Milliardenmarkt“, ist der Porsche-Chef überzeugt. Der Kraftstoff werde vor allem gebraucht, um Flugzeuge und Schiffe CO2-neutral zu bewegen. Für Porsche ist synthetischer Kraftstoff besonders für seine 911er interessant. Denn 70 Prozent der jemals produzierten Fahrzeuge gibt es noch. Den ersten synthetischen Kraftstoff will Porsche nächstes Jahr im Rennsport einsetzen. „Bei neuen Technologien muss man erst mal Leuchttürme schaffen“, sagt Blume. Es sei ganz klar, dass irgendwann elektrisches Fahren günstiger sein werde als mit einem Verbrenner.

Synthetische Kraftstoffe aus regenerativer Erzeugung hält Blume für eine sinnvolle Alternative, wenn man Nachhaltigkeit in ihrer Gesamtheit betrachtet. Porsche will sie jedenfalls für einen Übergangszeitraum bis zum kompletten Umschalten auf Elektrofahrzeuge nutzen.

„Man muss von beiden Seiten kommen, und da sehen wir uns sehr gut aufgestellt“, sagte Blume. Eine prominente Mitstreiterin hat der Topmanager mit EU-Verkehrskommissarin Adina Valean. Sie hatte sich am Vortag auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel offen für alternative Kraftstoffe gezeigt: „E-Fuels wären absolut großartig.

Porsche fordert insbesondere, dass Lieferungen synthetischer Kraftstoffe an andere Branchen wie der Luftfahrt bei der CO2-Bilanz der Sportwagenschmiede angerechnet werden. Ziel ist es, dafür den konventionellen 911er noch länger anbieten zu können, der dann bilanziell klimaneutral gestellt werden könnte.

Pionier-Funktion im Volkswagen-Konzern

Schließlich wollen die Zuffenhausener bis 2030 bilanziell CO2-neutral sein. Und dabei hofft Blume nur noch auf einen Anteil von 20 Prozent Emissionen, die kompensiert werden müssen. Recycling bei Stahl, Batterien und Polymeren soll für zusätzliche Entlastung der CO2-Bilanz sorgen. Porsche arbeitet bei den Batteriekonzepten mit BASF zusammen. Ziel ist erst eine Zweitnutzung der Batterien und dann eine Recyclingquote von über 95 Prozent.

Über ein Milliarde Euro will Porsche laut Blume in seine Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren investieren, um auch neue erneuerbare Energiequellen zu erschließen: „Es macht keinen Sinn, immer mehr Fahrzeuge auf den Markt zu bringen und aus dem gleichen Energiesee zu fischen. Dieser muss erweitert werden.“
Porsche hat im VW-Konzern eine Pionier-Funktion. „Vorteil im Premiumsegment ist, dass die Kunden bereit sind, mehr Geld für Innovation in die Hände zu nehmen“, weiß Blume. Als Beispiel nennt er die 800-Volt-Systeme im Taycan, die schnelleres Laden erlauben. Es war die erste größere Serie in der Industrie. „Die Technologie findet den Weg in die Großserie und wird zum Industriestandard“, sagte Blume.

Von der neuen Bundesregierung fordert der Porsche-Chef verbindliche Vorgaben wegen der längeren Produktzyklen in der Autoindustrie. „Die Ladeinfrastruktur muss durch Förderung deutlich beschleunigt werden, Plug-in-Hybride sollen als Übergangstechnologie akzeptiert und synthetische Kraftstoffe in der CO2-Bilanz anrechenbar sein“, stellte Blume einen kleinen Katalog auf. „Der Mix ist wichtig, um den Klimaschutz gesamtheitlich anzugehen.“

Und er würde sich freuen, wenn das Tempolimit nicht käme, weil deutsche Autobahnen ja schon heute die sichersten der Welt seien.
Mehr: „Die Lieferkette ist komplett leer“ – Infineon-Chef warnt vor längerer Chipkrise in der Autoindustrie

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