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Handelsblatt Auto-Gipfel Ola Källenius will Daimler komplett elektrifizieren – auch AMG

Der Dax-Konzern macht wieder Gewinne. Auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel erklärt Daimler-Chef Ola Källenius, was die nächsten Herausforderungen sind.
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„Wir haben noch sehr viel zu tun“, sagt der Daimler-Chef. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Ola Källenius auf dem Auto-Gipfel 2019

„Wir haben noch sehr viel zu tun“, sagt der Daimler-Chef.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Stuttgart Einen Luftsprung hat Daimler-Chef Ola Källenius nicht gewagt, aber der Schwede zeigte sich beim Handelsblatt Auto-Gipfel doch sichtlich erleichtert, nach Milliardenverlusten im Sommer nun wieder Gewinne vorweisen zu können. „Es war ein ordentliches Quartal“, kommentierte Källenius seine zweite Zwischenbilanz als Vorstandschef des Mercedes-Herstellers.

Dank eines starken Absatzes bei der Kernmarke mit dem Stern konnte der Stuttgarter Dax-Konzern die Schmach roter Zahlen hinter sich lassen und von Juli bis September ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von rund 2,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Das ist ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Umsatz legte um acht Prozent auf 43,3 Milliarden Euro zu.

Für Källenius ist das ein positiver Zwischenschritt, der aber nicht davon ablenken soll, wie der 50-Jährige selbst sagt, in welch schwieriger Lage sich der Auto- und Lastwagenhersteller befindet: „Wir sind in der Transformation. Da kommt noch viel Gegenwind. Wir haben noch sehr viel zu tun.“

Einerseits stehe seine Industrie, die von freiem Warenverkehr und geringen Zöllen in den vergangenen Jahren enorm profitiert hat, durch zunehmende Handelsbarrieren unter Druck. Andererseits muss Daimler wie der Rest der Branche eine „Jahrhundertaufgabe“ meistern, erläutert Källenius: die klimaneutrale Mobilität.

Autos, die bisher vorwiegend mit Benzin und Diesel angetrieben werden, müssen künftig mit grünem Strom oder Wasserstoff fahren. „Das ist nicht etwas Vorübergehendes, das ist eine grundlegende Veränderung“, sagt der Manager.

Daimler will bis 2039 seine Neuwagenflotte komplett klimaneutral darstellen, um etwa die CO2-Ziele der EU erfüllen zu können. Auch die Sportwagentochter AMG – der bis dato größte Spritschlucker mit zugleich den höchsten Renditen im Daimler-Konglomerat – soll ergrünen. „Der nächste Schritt für AMG ist eine vollumfängliche Hybridisierung“, kündigte Källenius an. „Das geht los in circa einem Jahr.“

Der 1,95 Meter große Schwede ist überzeugt: Ein Stück weit muss Daimler als Erfinder des Automobils die „Erfindung neu erfinden“. Das gilt auch für PS-Boliden wie jene von AMG, die künftig neben einem Verbrennungsmotor mit einem Akkupaket ausgestattet werden.

Grüner Wandel verschlingt Kapital

Um die Transformation zu meistern, fordert Källenius einen Schulterschluss aller Akteure. Am 4. November wollen sich die Bundesregierung und die Autoindustrie erneut bei einem Gipfeltreffen darüber austauschen, wie sich mehr E-Autos auf die Straße bringen und die Ladeinfrastruktur verbessern lassen.

„Meine Erwartungshaltung für November ist, dass man erste Beschlüsse treffen kann und muss“, erklärte Källenius. Er wolle seinen Kunden die Stromautos nicht aufzwingen, sondern ihnen diese vielmehr mit guten Rahmenbedingungen schmackhaft machen.

Dieser grüne Wandel verschlingt freilich enorm viel Kapital. Källenius bläut seinen 300.000 Mitarbeitern weltweit daher seit Monaten verstärktes Effizienzbewusstsein ein. „Um die Transformation in den nächsten Jahren zu meistern, müssen wir die Anstrengungen allerdings noch erheblich steigern: Wir müssen unsere Kosten deutlich reduzieren und den Cashflow konsequent stärken.“

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Tatsächlich liegt bei Daimler noch vieles im Argen. Vom eigenen Anspruch („Das Beste oder nichts“) sind die Schwaben noch immer weit entfernt. Nach einem Dreivierteljahr hat sich der Gewinn im Vergleich zu 2018 mehr als halbiert. Schlimmer noch: der Free Cashflow ist negativ, beträgt minus 522 Millionen Euro. Daimler hat bis Ende September de facto kein Geld verdient. Konzernchef Källenius will nun drastisch gegensteuern und forciert daher Sparprogramme in den einzelnen Divisionen.

Die Effizienzkataloge mit Namen wie „Move“ für Mercedes, „Boost“ für Vans, „Go4four“ für Daimler Trucks, „Fit4Tomorrow“ für Daimler Mobility und „Move ParentCo“ für die Daimler AG als Dachgesellschaft sollen den Mittelabfluss massiv reduzieren.

Details dazu will Källenius aber erst auf einem Kapitalmarkttag am 14. November in London vorstellen. Dann soll der öffentliche Kassensturz erfolgen. Mit den jüngsten Quartalszahlen konnte Daimler bereits überzeugen. Am Donnerstag legte der Aktienkurs der Schwaben um teils mehr als vier Prozent zu.

Hoffnung bereiten den Anlegern vor allem die besseren Verkaufszahlen bei der Autosparte Mercedes. Die Marke mit dem Stern konnte im Juli, August und September jeweils zweistellig wachsen und drehte damit den zuvor rückläufigen Absatz nach neun Monaten ins Plus. Nach drei Quartalen hat Mercedes 1,72 Millionen Fahrzeuge abgesetzt, ein Zuwachs von 0,6 Prozent. Während der Weltautomarkt schrumpft, kann Mercedes zulegen.

Einen Rückschlag muss Daimler dagegen bei seinen Trucks hinnehmen, der zweitgrößten Sparte nach dem Pkw-Geschäft. Der weltgrößte Lastwagenhersteller passt seine Prognose an. Für das Gesamtjahr 2019 rechnet Daimler Trucks nur noch mit einer Umsatzrendite von sechs bis acht Prozent. Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm betonte zudem, man sehe die Rendite „eher am unteren Ende der Bandbreite“. Zum Vergleich: Bisher hatte Daimler Trucks eine Marge von bis zu neun Prozent in Aussicht gestellt.

Finanzchef schließt Werksschließungen aus

Der Grund für die Korrektur: Im dritten Quartal hat sich die wirtschaftliche Entwicklung in wichtigen Märkten wie Europa und Nordamerika „schneller als erwartet eingetrübt“, erläutert Daimler. Der Abschwung schlägt direkt auf die Kennzahlen durch und wird sich wohl insbesondere im vierten Quartal bemerkbar machen.

Im dritten Quartal sind die Auftragseingänge bereits von 129 000 auf 92 000 Einheiten eingebrochen. Das entspricht einem Minus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Es könnte noch schlimmer werden. Denn für 2020 rechnen etwa die Analysten von Evercore ISI mit noch mehr Gegenwind für die Trucksparte. Der Grund: In den USA steuert der Superzyklus für Lastwagen auf sein Ende zu, ein Markteinbruch von 25 bis 30 Prozent droht. Daimler steuert bereits gegen, wie Cheffinanzer Wilhelm erläutert. In den USA und Mexiko komme es zu Anpassungen, die auch Personalabbau beinhalten. „Erste Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung“, erklärte Wilhelm. Der Manager schloss aber Werksschließungen aus.

Daimler-CEO Källenius sieht die Lage der Autoindustrie insgesamt aber weniger skeptisch als Zulieferer wie Bosch oder Continental, die beide für die nächsten fünf Jahre kein Wachstum für die Branche orten. Källenius fasst seine Industrie weiter als üblich, spricht von der Mobilität, nicht nur von Auto.

Und in der Mobilitätsindustrie sieht er „glasklar“ Wachstumspotenzial – gerade in China. Hier gebe es immer mehr Menschen, die so viel verdienen, dass sie sich einen Mercedes leisten können. Und genau bei diesen Einkommensgruppen will Källenius noch stärker punkten: „Es gibt eine Chance für uns.“

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Mehr: Nach Milliardenverlusten hat der Autobauer im vergangenen Quartal wieder Absatz und Umsatz gesteigert. Vom eigenen Anspruch ist Daimler dennoch weit entfernt.

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