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Handelsblatt CFO-Kongress Im drohenden Abschwung kommt Finanzchefs eine ganz besondere Rolle zu

In Zeiten von Protektionismus und Konjunkturschwäche wird die Auslandsstärke deutscher Firmen zum Malus. Sie müssen ihr Finanzmanagement flexibel aufstellen.
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Die Deutschlandchefin von JP Morgan spricht auf dem CFO-Kongress. Quelle: Willi Nothers für Handelsblatt
Dorothee Blessing

Die Deutschlandchefin von JP Morgan spricht auf dem CFO-Kongress.

(Foto: Willi Nothers für Handelsblatt)

Frankfurt, Düsseldorf Dorothee Blessing hat viele tagesaktuelle Themen mitgebracht: Strafzölle, Brexit, Populismus, Digitalisierung und den konjunkturellen Abschwung. „All diese Entwicklungen sind nur ein kurzer Abriss der Unsicherheit und der Entwicklungen, mit denen Sie alle heute umgehen und Ihre Entscheidungen treffen“, sagte die Deutschlandchefin der Investmentbank JP Morgan dem Publikum des diesjährigen CFO-Kongresses des Handelsblatts – des Treffens von 120 Finanzchefs aus Unternehmen.

Sie sind es, die Antworten auf diese globalen Fragen finden müssen. Ihnen fällt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine immer wichtigere Rolle zu. Beispiel Guido Kerkhoff: Der ehemalige CFO von Thyssen-Krupp wurde in der Krise zum CEO – also zum Vorstandschef.

Die besorgte Grundstimmung der Unternehmen ist begründet: Lange Zeit profitierten Deutschlands auslandsstarke Unternehmen vom kräftigen Wachstum der Weltwirtschaft und dem Boom in Asien. Doch der Bonus aus Internationalisierung und Globalisierung mit dem Drang, den Märkten von morgen zu folgen, um so dem gesättigten Heimatmarkt zu entkommen, mutiert in Zeiten von Protektionismus, Handelsbeschränkungen und einer schwächeren Weltwirtschaft mit einem Mal zum Malus.

In keinem anderen größeren Industrieland sind die Erträge 2018 so stark eingebrochen wie in Deutschland. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Nettogewinne der 100 größten börsennotierten Unternehmen im Schnitt um gut 15 Prozent.

Betroffen sind alle Branchen, in der Industrie sind die Minuszeichen besonders groß. Besserung ist nicht in Sicht. Daimler bilanzierte in den ersten drei Monaten einen um 16 Prozent gesunkenen Vorsteuergewinn. Der neue Konzernchef Ola Källenius schob eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr nach.

Die schwache Autobranche strahlt inzwischen auf die gesamte Industrie ab. BASF machten im ersten Quartal vor allem geringere Orders aus der Automobilindustrie zu schaffen. Der Vorsteuergewinn (Ebit) sank um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr, beim Spezialchemiehersteller Covestro brach er um 71 Prozent ein.

BASF und Covestro spiegeln das Wohl und Weh großer Teile der Unternehmenslandschaft wider: Die Chemiehersteller beliefern ganz unterschiedliche Industriebranchen mit ihren Grundprodukten. Sinkt dafür die Nachfrage, ist das ein schlechtes Zeichen für die künftige Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Covestro-CFO Thomas Toepfer plädiert dafür, sich auf profitable Kernprojekte zu beschränken: „Im Zweifel haben wir auch schon einmal ein Projekt beerdigt, das bereits sehr weit gediehen war.“

Handelsstreit belastet Autoindustrie

Es gelte jetzt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dabei das eigene Finanzmanagement flexibel aufzustellen, um rasch auf neue Entwicklungen zu reagieren. Deutsche Konzerne sehen sich einem verhängnisvollen Zangengriff ausgesetzt: Auf der einen Seite schmälert der von US-Präsident Donald Trump geschürte Handelskonflikt die Umsätze und Gewinne, etwa wenn BMW und Daimler ihre in den amerikanischen Großwerken Spartanburg und Tuscaloosa produzierten Limousinen nach China ausführen, dadurch aber aufgrund von Zöllen und Gegenzöllen immer teurer und weniger wettbewerbsfähig werden.

Auf der anderen Seite sinken die Gewinne aber auch deshalb, weil exportstarke Länder wie China ebenfalls unter den Handelskonflikten leiden – und deshalb weniger deutsche Industriewaren nachfragen. Mit einem Umsatzanteil von gut 15 Prozent, das sind jährlich knapp 200 Milliarden Euro, ist China für die Dax-Konzerne nach den USA und Deutschland der drittwichtigste Markt.

Folge dieser verhängnisvollen Kettenreaktion ist, dass sich der 2018 begonnene Abwärtstrend verschärft. Der Maschinenbau, mit über einer Million Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mehr als 200 Milliarden Euro Deutschlands wichtigste Branche, spiegelt die Misere wider.

Peter Bartels (PwC), Jens Tischendorf (Cevian Capital), Sven Afhüppe (Handelsblatt) und Thomas Toepfer (Covestro). Quelle: Willi Nothers für Handelsblatt
Podiumsdiskussion (v.l.):

Peter Bartels (PwC), Jens Tischendorf (Cevian Capital), Sven Afhüppe (Handelsblatt) und Thomas Toepfer (Covestro).

(Foto: Willi Nothers für Handelsblatt)

Ursprünglich plante die Branche für 2019 mit einem Produktionswachstum von fünf Prozent, aktuell liegt die inzwischen mehrfach herabgesetzte Prognose bei minus zwei Prozent. Einen so steilen Absturz gab es seit der großen Krise 2008/09 nicht mehr.

Doch JP-Morgan-Deutschlandchefin Blessing hat auch gute Nachrichten mit nach Frankfurt gebracht: Zwar habe sich das Umfeld für Fusionen und Übernahmen verschlechtert. Europaweit gab es im ersten Quartal gut 30 Prozent weniger Firmenzusammenschlüsse.

Das zeugt von wenig Zuversicht. Aber: „Wir sehen weiterhin ein großes Interesse, Investitionen zu betreiben.“ Zwar gebe es weniger große Transaktionen, aber deutsche Unternehmen seien dafür sehr aktiv bei mittelgroßen Transaktionen.

Zudem: Allein die Dax-Konzerne gaben im ersten Quartal 12,9 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus – so viel wie noch nie und acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Große Treiber sind die Autobauer mit ihren Investitionen in neue Antriebstechniken.

Doch nicht nur die Großkonzerne, auch der Mittelstand investiert und geht zugleich mit einer rekordhohen Eigenkapitalquote von fast 40 Prozent gut gerüstet in einen möglichen Abschwung. Deutschlands Mittelstand habe gute Grundlagen, sagte Peter Bartels, Geschäftsführer der Unternehmensberatung PwC.

Das Problem sei aber immer noch die Schnelligkeit angesichts der neuen Herausforderungen. Hier seien andere Länder in den vergangenen Jahren noch einmal schneller geworden. Jens Tischendorf, Partner und Aufsichtsrat der Investmentgesellschaft Cevian Capital, bleibt trotz aller Unsicherheiten gelassen: „Unsicherheit gab es immer“, findet er. „Es kommt immer auf die Perspektive an.“

Ob Brexit oder Handelskrieg: „Letztendlich muss ich eigentlich immer vorbereitet sein auf einen externen Schock“, so Tischendorf. Besonders in Zeiten politischer Umbrüche sollten sich die Konzernchefs aber auch politisch positionieren: „Man kann sich nicht immer hinter dem Kapitalmarkt verstecken.“

Mehr: Die einst große deutsche Autoindustrie steckt in der Krise: Strafzölle, die Herausforderung der Elektromobilität und der fehlende Absatz in China belasten VW, Daimler und Co. Schaffen sie noch die Wende?

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