Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Handelsblatt Industriegipfel 2020 Von der Schockstarre in den Angriffsmodus: Coronakrise beschleunigt den Wandel der Industrie

Corona war für die Industrie eine Herausforderung, aber auch ein Beschleuniger für die Digitalisierung. Davon will die Branche nach der Pandemie profitieren.
15.12.2020 - 14:09 Uhr Kommentieren
Auf dem Handelsblatt-Industriegipfel diskutiert die Branche, wie sie sich nach der Corona-Pandemie aufstellen will.
Handelsblatt-Industriegipfel

Auf dem Handelsblatt-Industriegipfel diskutiert die Branche, wie sie sich nach der Corona-Pandemie aufstellen will.

Düsseldorf Handelskonflikte, Klimawandel und Corona: Dieser Dreiklang hat das Jahr 2020 für die deutsche Wirtschaft entscheidend geprägt, da sind sich die Referenten beim Handelsblatt Industriegipfel einig. Begegnet sind die Unternehmen diesen Herausforderungen mit ihrem eigenen Dreiklang: Flexibilisierung, Digitalisierung und Resilienz.

Dabei blickt die Industrie auf ein „Horror-Jahr“ zurück, wie es Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), ausdrückte. „Wir wurden von der Pandemie und den Eindämmungsmaßnahmen schwer getroffen“, so der Verbandschef. In Europa sei mit einem Rückgang der Industrieproduktion von zehn Prozent zu rechnen. Verluste, die selbst durch ein prognostiziertes Wachstum von vier Prozent im Jahr 2021 nur teilweise ausgeglichen werden können.

Dabei hat die Coronakrise die bestehenden Herausforderungen der Industrie weiter verschärft. Denn mit dem Umstieg auf klimaneutrale Produktionsverfahren hat die Wirtschaft seit dem Klimaabkommen von Paris ohnehin schon ein Jahrhundertprojekt vor sich. Durch die Pandemie waren viele Unternehmen gezwungen, auch bei der Digitalisierung den Turbo einzulegen: Plötzlich mussten zum Beispiel Millionen Angestellte von heute auf morgen im Homeoffice arbeiten.

Gerade die großen Konzerne hätten diesen Wandel bislang gut gemeistert, so die Einschätzung von BDI-Geschäftsführer Lang. „Aber wir haben auch die Zehntausenden kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die wir auf dieser Reise mitnehmen müssen.“ Viele Mittelständler etwa hätten vor der Krise eher wenig Interesse an der Digitalisierung gezeigt, auch dank einer guten Auftragslage. „Das muss sich jetzt ändern – denn nach Corona wird es zu spät sein.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Es ist eine Sorge, die auch die Politik umtreibt. Denn in der Pandemie zeigt sich: Je technologieaffiner ein Land und seine Bevölkerung, desto einfacher fällt die Bewältigung der Krise. So sind viele Staaten in Asien mittlerweile wieder auf das Niveau von vor der Krise zurückgekehrt. In China dürfte die Wirtschaft im ablaufenden Jahr sogar wachsen, so die Schätzung des BDI.

    Europa im Wettstreit mit den USA und mit China

    Angesichts dessen fürchtet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie im Vergleich zu den anderen beiden Supermächten. „Wir können nicht sagen, dass wir in den vergangenen Jahren technologisch zu China und den USA aufgeschlossen hätten“, gab Altmaier selbstkritisch zu bedenken.

    Zwar stießen Digitalisierungsprojekte wie der Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur wie der Plattform Gaia X auf große Beteiligung und großes Interesse in der Industrie, so der Minister. Doch in Bereichen wie der Künstlichen Intelligenz oder dem autonomen Fahren seien andere Wirtschaftsräume führend. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir hier nicht in eine strukturelle Benachteiligung geraten“, mahnte Altmaier.

    Denn auch, wenn die Wahl des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden in Zukunft wieder mehr Stabilität für den Welthandel verspricht, rechnen Experten mit anhaltenden Konflikten in den transatlantischen Beziehungen. Etwa, wenn es um die Frage geht, wie Handelsregeln zum beiderseitigen Vorteil weiterentwickelt werden können. Oder bei der Finanzierung gemeinsamer Verteidigungsausgaben, die schon unter der Obama-Regierung für Streit gesorgt hatte.

    Trotz aller Differenzen plädiert die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock dafür, nach der Abwahl von Donald Trump die Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA insbesondere bei der Bewältigung des Klimawandels zu intensivieren. „Was wir brauchen, ist ein Umbau unseres Green Deals in einen transatlantischen Green Deal“, so die Politikerin.

    Mehr Flexibilität bedeutet größere Resilienz

    Die Unternehmen selbst stellen sich darauf ein, in Zukunft deutlich flexibler auf sich verändernde politische Bedingungen reagieren zu müssen. Ein Beispiel dafür liefert der Lagertechnik- und Automatisierungshersteller Kion: Schon vor Jahren hat Vorstandschef Gordon Riske dem Unternehmen eine konsequente „Local for local“-Strategie verordnet. Kion produziert und entwickelt seine Produkte dort, wo auch die Kunden schwerpunktmäßig zu Hause sind.

    Damit konnte der SDax-Konzern bislang flexibel auf Handelsbeschränkungen, aber auch auf die Pandemie reagieren. „Wir hatten mehr Glück als Verstand“, so Riske. Das gilt ebenso für die Einführung von digitalen Technologien etwa für die Kommunikation aus dem Homeoffice, die Kion wegen seiner dezentralen Struktur schon implementiert hatte, bevor das Virus Ende 2019 im chinesischen Wuhan ausbrach.

    Mittlerweile hat sich Kion in den meisten Märkten wieder von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt. „In Asien beispielsweise liegen wir mittlerweile über dem Niveau von 2019“, berichtete Riske. Besonders stark habe sich dabei das Geschäft mit Automatisierungslösungen entwickelt, mit denen Kion etwa Onlineversandhändler wie Amazon beliefert. „Hier sind wir zweistellig gewachsen – während das klassische Industriegeschäft deutlich einbrach.“

    Freilich: Nicht alle Unternehmen haben das Glück, über ein derart diversifiziertes Geschäftsmodell zu verfügen. Gerade die klassische Industrie wie der Automobilbau, aber auch Logistik- und Transportunternehmen wie die Lufthansa hatten schwer unter den Pandemie-Maßnahmen zu leiden. Sie dürften mitunter Jahre brauchen, die heftigen Umsatzeinbrüche zu verkraften.

    Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne, die lange Finanzchefin bei der Lufthansa war, rät dennoch zu Zuversicht. „Never waste a good crisis“ (verschwende niemals eine gute Krise) lautet das Motto der 60-Jährigen. Aus ihrer Sicht sorgt die Pandemie dafür, dass sich Unternehmen jetzt stärker mit Themen wie Resilienz beschäftigen müssten.

    Der Begriff beschreibt die Fähigkeit, mit neuen Herausforderungen ohne anhaltende Beeinträchtigungen umzugehen. Dabei spielt der Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen bei vorheriger genauer Planung eine wichtige Rolle. So berichtete Menne von einer Aufsichtsratssitzung, bei der die Anwesenden ganz grundsätzlich die Frage diskutiert hätten, was detaillierte Pläne in der heutigen Zeit überhaupt noch bringen.

    Das Fazit der Diskussion: „Es muss für die Führungskräfte jetzt darum gehen, in Szenarien zu denken und sich bei aller Planung auch ausreichend Spielräume für Unvorhergesehenes zu lassen“, so Menne. Dabei sei eine transparente und angstfreie Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern „das A und O“.

    Mehr: CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Grünen-Chefin Annalena Baerbock sind sich einig in ihrer Sympathie für die Industrie – doch in wesentlichen Fragen liegen sie auseinander

    Startseite
    Mehr zu: Handelsblatt Industriegipfel 2020 - Von der Schockstarre in den Angriffsmodus: Coronakrise beschleunigt den Wandel der Industrie
    0 Kommentare zu "Handelsblatt Industriegipfel 2020: Von der Schockstarre in den Angriffsmodus: Coronakrise beschleunigt den Wandel der Industrie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%