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Handelsblatt-Industriegipfel Wie die Digitalisierung bei Voestalpine Industriearbeitsplätze sichert

Vor zwei Wochen überraschte der Stahlkonzern mit einer Gewinnwarnung. Nun kündigt CEO Eder deutlich mehr Geld für Forschung an, um die Digitalisierung zu meistern.
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„Digitale Transformation heißt nicht Revolution, sie ist nicht disruptiv, sondern sie ist eine normale Weiterentwicklung.“
Voestalpine-CEO Wolfgang Eder auf dem Handelsblatt-Industriegipfel

„Digitale Transformation heißt nicht Revolution, sie ist nicht disruptiv, sondern sie ist eine normale Weiterentwicklung.“

DuisburgDas Foto in der Präsentation zeigt ein Kontrollzentrum. Mitarbeiter sitzen vor Dutzenden Monitoren. „Das ist das modernste Drahtwalzwerk der Welt“, schwärmt der CEO des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, Wolfgang Eder. Die 700 Meter lange Walzstraße werde von nur sieben Mitarbeitern gesteuert, sagt Eder über das Vorzeigeprojekt.

„Auf diesen 700 Metern sehen sie keinen einzigen Menschen.“ Jedes Jahr würde die Anlage 150.000 Tonnen Stahl verarbeiten. „Das ginge ohne Digitalisierung nicht“, sagt Eder beim Industriegipfel des Handelsblatts am Montag in Duisburg. Die moderne Steuerungstechnik koste keine Arbeitsplätze, sondern mache die Jobs sicherer.

Um die Zukunft des Stahlspezialisten mit mehr als 50.000 Mitarbeitern und einem operativen Ergebnis von 1,95 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr würden die Forschungsausgaben von zuletzt 173 Millionen Euro kontinuierlich erhöht. „Wir erhöhen diesen Betrag jedes Jahr um zehn Prozent“, kündigt Eder an.

Die Ankündigung fällt in eine ungewisse Zeit des Unternehmens. Vor rund zwei Wochen hatte die börsennotierte Firma ihre Investoren mit einer Gewinnwarnung überrascht. Statt der angepeilten 1,18 Milliarden Euro Ergebnis im ersten Halbjahr 2018/2019 werde es unter einer Milliarde Euro liegen, hatte Voestalpine angekündigt. Grund für schwächeren Zahlen war nach Firmenangaben ein Brand in einem Werk in Texas.

Grund waren jedoch auch die Auswirkungen des globalen Handelsstreits. Das Unternehmen spüre nicht so sehr die Drohungen der US-Regierung von Donald Trump, sondern stärker die Reaktionen in vielen anderen Ländern wie China oder Indien.

„Das haben wir unterschätzt“, sagte Eder dem Handelsblatt. Lag die Bewertung des seit 1995 an der Wiener Börse notierten Unternehmens noch im Januar bei fast 55 Euro je Aktie, stand der Kurs am Montag nur noch bei rund 32 Euro.

Voestalpine werde die Digitalisierung kontinuierlich vorantreiben, kündigte Eder an. „Digitale Transformation heißt nicht Revolution, sie ist nicht disruptiv, sondern sie ist eine normale Weiterentwicklung.“ Es geht nicht darum, Prozesse komplett umzuwerfen, sondern sie effizienter zu machen. Dabei stehe der Nutzen im Vordergrund. „Digitalisierung ist kein Spielzeug, sondern muss wirtschaftlichen Kriterien gehorchen“; sagte Eder.

Die Unternehmensgruppe hat mehr als 50 Standorte in allen fünf Kontinenten. Das Geschäft in Deutschland macht mit rund 3,6 Milliarden Euro etwa 30 Prozent des gesamten Umsatzes der Gruppe aus. Am Mittwoch legt der Konzern seine Halbjahreszahlen vor.

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