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Handelsblatt-Nutzfahrzeugtagung „Die Zahlen sind mehr als ambitioniert“: Lkw-Branche fürchtet strengere CO2-Ziele

Die EU dürfte ihre Ziele für Nutzfahrzeuge bald weiter verschärfen. VDA-Chefin Müller und Verkehrsminister Scheuer warnen vor zu strengen Vorgaben.
29.06.2021 - 14:50 Uhr Kommentieren
LKW ohne CO2-Ausstoß bleiben vorerst Exoten. Quelle: imago images/Arnulf Hettrich
Elektrisch betriebener LKW

LKW ohne CO2-Ausstoß bleiben vorerst Exoten.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Düsseldorf Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und VDA-Chefin Hildegard Müller fiebern dem 14. Juli entgegen. An diesem Tag wird die EU-Kommission ihre neuen Vorgaben zur CO2-Reduktion im Verkehrssektor bekanntgeben. „Im Moment hört man noch wenig über die Einzelheiten des Pakets der EU-Kommission. Aber das wird uns alle ziemlich in Atem halten“, sagte Scheuer am Dienstag auf der Handelsblatt Jahrestagung – Nutzfahrzeuge.

Auch Müller rechnet mit engagierten Zielen der EU. „Da geistern Zahlen durch die Gegend, die sind mehr als ambitioniert“, sagt die Chefin des Verbands der Automobilindustrie.

Beiden ist klar: Die Zahlen, die die Kommission Mitte Juli in Brüssel präsentiert, werden den Nutzfahrzeugsektor nachhaltig verändern – und zwar schneller als geplant. Bereits das ursprünglich anvisierte Ziel, den CO2-Ausstoß von Lkws über 16 Tonnen bis 2025 um 15 Prozent zu senken, würde laut VDA „den Bogen überspannen“. Die Branche rechnet nun mit noch härteren Zielen als die geplante CO2-Reduktion von 30 Prozent bis 2030.

Scheuer und Müller machen keinen Hehl daraus, dass sie die Pläne der Kommission kritisch sehen. „Es ist nicht damit getan, dass nur die Fahrzeuge angeboten werden. Wir müssen auch die Frage klären, wie die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird und mit welchem Strom die Nutzfahrzeuge am Ende geladen werden“, sagt Müller.

Der Verkehrsminister wiederum warnte vor einem europäischem Alleingang. „Insellösungen ohne internationalen Kontext wären falsch. Wir brauchen einen globalen Blick“, sagte Scheuer. Denn wenn die Kosten für die Logistik hier steigen würden, dann leide Deutschland als Exportnation besonders stark darunter. „Das Erreichen der Klimaziele im Nutzfahrzeugbereich muss technisch möglich sein, und Deutschland muss hier wettbewerbsfähig bleiben.“

Der Verkehrsminister pocht dabei auf Technologieoffenheit. Es ist kein Geheimnis, dass Scheuer ein Befürworter der Brennstoffzelle ist. Die Bundesregierung fördert 62 Wasserstoffprojekte mit acht Milliarden Euro, darunter auch ein Brennstoffzellen-Lkw-Projekt von Daimler. In der städtischen Logistik würde sich die Elektromobilität durchsetzen. Aber man müsse auch den Fernverkehr im Blick haben, so Scheuer.

„Wir müssen auch die Frage klären, wie die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird“, sagt die VDA-Chefin auf der Handelsblatt-Nutzfahrzeugtagung. Quelle: dpa
Hildegard Müller

„Wir müssen auch die Frage klären, wie die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird“, sagt die VDA-Chefin auf der Handelsblatt-Nutzfahrzeugtagung.

(Foto: dpa)

Im Gegensatz zum Pkw ist es im Nutzfahrzeugbereich noch nicht ausgemacht, ob allein batterieelektrische Antriebe die einzige Lösung sein können. Bei tonnenschweren Lkws, die auf der Langstrecke unterwegs sind, stößt diese Antriebsform auf ihrem heutigen technischen Stand noch an Grenzen. Die Brennstoffzelle bietet sich als Alternative an. Allerdings ist diese bislang deutlich teurer als batteriebetriebene Elektromotoren.

„Wir müssen technologieoffen bleiben. Vielleicht kommt es irgendwann in den nächsten Jahren zu einer Grundsatzentscheidung. Aber bis dahin werden wir alle Türen offenhalten müssen“, sagte Scheuer. Der Verkehrsminister sieht im Nutzfahrzeugbereich einen großen Hebel, um den CO2-Ausstoß in Deutschland zu reduzieren. Zum einen, weil Nutzfahrzeuge eine kürzere Nutzungsdauer haben als Lokomotiven oder Schiffe.

VDA-Chefin Müller warnt vor sozialen Folgen

Zum anderen, weil Nutzfahrzeuge derzeit für rund ein Drittel aller CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich sind. „Da ist Einsparpotenzial vorhanden“, sagte Scheuer. Daher sei die Förderung von klimaneutraler Mobilität in der Logistik ein Schwerpunkt der Bundesregierung.

„Wir müssen technologieoffen bleiben“, sagt der Verkehrsminister, der ein Befürworter der Brennstoffzelle ist. Quelle: Handelsblatt
Andreas Scheuer auf der Handelsblatt Jahrestagung – Nutzfahrzeuge

„Wir müssen technologieoffen bleiben“, sagt der Verkehrsminister, der ein Befürworter der Brennstoffzelle ist.

(Foto: Handelsblatt)

„Gemeinsam können wir in relativ kurzer Zeit viele Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben oder alternativen Kraftstoffen auf die Straße bringen“, sagte der Minister. „Unser Ziel lautet: Bis 2030 soll ein Drittel der Fahrleistung im schweren Straßengüterverkehr elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe erfolgen.“

VDA-Chefin Müller favorisiert im Nutzfahrzeugbereich ebenfalls den technologieoffenen Ansatz. „Wir brauchen diesen Wettbewerb der Ideen. Beide Wege sind Erfolg versprechend. Was am Ende wirtschaftlich ist, lässt sich jetzt nicht sagen, das wird sich auf der Strecke zeigen“, sagte sie. Allerdings warnte sie vor den Kosten, die die verschärften Klimaziele der EU und die damit einhergehende beschleunigte Antriebstransformation auslösen würden.

„Diese Transformationsphase wird uns alle sehr fordern und sie geht nicht zum Nulltarif“, sagte Müller. Das Erreichen der Klimaziele werde viel kosten, und noch rechne es sich nicht. Deswegen müsse man die sozialen Folgen im Auge behalten.

Höhere Kosten würden nicht nur die Verbraucher betreffen, sondern auch die Hersteller von Nutzfahrzeugen und deren Zulieferer. „Die müssen nun noch schneller ihre Werke umstellen. Das ist eine gewaltige Aufgabe für die Industrie“, so Müller. Am Ende müsse das Ziel sein, dass die Logistik nicht teurer werde, sondern intelligenter.

Mehr: Batterie oder Wasserstoff: Die Zukunftstechnologie-Frage spaltet die Lkw-Branche

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