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Handelsblatt-Serie „Die neuen Weltkonzerne“: Gazprom Blauer Riese aus Moskau

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Mit dem Engagement beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 - hier zeigt dessen Manager Andreas Müller das neue Trikot - versucht Gasprom bereits, sich beim deutschen Endverbraucher bekannt zu machen. Foto: dpa

Mit dem Engagement beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 - hier zeigt dessen Manager Andreas Müller das neue Trikot - versucht Gasprom bereits, sich beim deutschen Endverbraucher bekannt zu machen. Foto: dpa

Dabei provoziert Gazprom nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA und des Moskauer Instituts für Energiepolitik IEP einen ernsthaften Gasmangel in den westlichen Ländern. Für 2010 seien etwa 100 Mrd. Kubikmeter mehr Erdgas in langfristigen Verträgen zugesagt worden, als zur Verfügung stünden. Eine gewaltige Menge – 2005 hat Gazprom 547,9 Mrd. Kubikmeter gefördert. Als Begründung für die Differenz gibt IEP-Chef Wladimir Milow an, der Konzern habe nicht genug Geld in die Erschließung seiner ungeheuren Reserven gesteckt, und die Vorräte seiner sibirischen Gasfelder gingen zur Neige. Seit Putins Amtsantritt im Jahr 2000 bis 2005 steigerte Gazprom den Ausstoß um 4,5 Prozent – das sind gerade 26 Mrd. Kubikmeter. Immerhin verdoppelt Gazprom 2007 die Investitionen auf 20 Mrd. Dollar.

Allerdings ist der Konzern deutlich weniger rentabel als seine Konkurrenten. Er gleicht einem monströsen Gemischtwarenladen mit Beteiligungen im Wert von 14 Mrd. Dollar, die nicht zum Energiegeschäft gehören. 38 Prozent der Beschäftigten arbeiten bei Töchtern wie Russlands größtem Medienimperium, einer Porzellanfabrik, einer Fluggesellschaft und Hühnerfarmen – die energiefremden Firmen belasten Gazprom mit jährlich umgerechnet 350 Mill. Dollar Verlust. Die Analysten der Deutschen UFG sehen deshalb zwar bis 2010 den Umsatz von 48,9 auf 95 Mrd. Dollar klettern. Allerdings werde der Gewinn relativ konstant um die 20 Mrd. Dollar pro Jahr schwanken.

Vor allem die Korruption im Konzern macht Projekte extrem teuer: Nach Berechnungen des Investmentfonds Hermitage lag der Baupreis für die Blue-Stream-Pipeline – ein russisch-türkisches Gemeinschaftsprojekt durch das Schwarze Meer – auf russischer Seite bei umgerechnet 2,95 Mill. Dollar pro Kilometer. Im türkischen Teil kamen bei einem Baupreis von 1,35 Mill. Dollar Verantwortliche wegen Bestechung ins Gefängnis.

Der „blaue Riese“ – blau brennt Gazproms Erdgas, blau sind auch die Trikots der gesponserten Fußballclubs Zenit St. Petersburg und Schalke 04 – produziert sogar deutlich teurer als seine heimischen Rivalen. Doch diese Davids verleibt sich der Goliath ja jetzt ein. „War das der Sinn all der harten Reformen?“ fragt der Ex-Wirtschaftsminister und Professor an der Moskauer Higher School of Economics, Jewgenij Jassin, und fügt hinzu: „Das ist wieder wie eine kleine Sowjetunion.“

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