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Handelskrieg US-Strafzölle würden deutsche Autoindustrie mehrere Milliarden Euro kosten

Die angekündigten Strafzölle alarmieren Daimler, BMW und den VW-Konzern. Die Deutschen setzen auf Diplomatie – und hoffen auf ein Einlenken.
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Die angedrohten Strafzölle aus den USA könnten die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Quelle: Bloomberg
Autoexporte

Die angedrohten Strafzölle aus den USA könnten die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen.

(Foto: Bloomberg)

München, FrankfurtSo einen Auftritt von Angela Merkel haben die Chefs der deutschen Autoindustrie noch nicht erlebt. Mit Verve setzte sich die Bundeskanzlerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz für Daimler, BMW und Volkswagen ein und geißelte die Absicht der US-Regierung, europäische Autoimporte als Bedrohung der nationalen Sicherheit einzustufen.

Merkel und die Autobosse wissen genau: Kommen die angedrohten Strafzölle auf Autoexporte von 25 Prozent, dann hat die deutsche Wirtschaft ein ernsthaftes Problem.

Offen will am Wochenende kein deutscher Autokonzern zu der neuerlichen Eskalation im Handelsstreit Stellung nehmen. Aus Branchenkreisen hieß es, dass die Gespräche zwischen den USA und den Herstellern weiterliefen. Der Kontakt gehe über den US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell. Vonseiten der Autobauer seien die politischen Abteilungen damit befasst. Bereits in den vergangenen Monaten trafen sich die deutschen Autobosse mehrfach mit Spitzenvertretern der US-Administration.

Erst im Dezember flogen Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Boss Herbert Diess und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter ins Weiße Haus. Damals herrschte im Kreise der Autohersteller eine verhaltene Zuversicht, den Konflikt zu lösen. Offiziell äußerte sich lediglich der Branchenverband VDA: Falls das US-Handelsministerium die europäischen Autobauer zu einer Gefahr der nationalen Sicherheit erkläre, so sei dies nicht nachvollziehbar.

Allein die deutsche Autobranche habe in den vergangenen Jahren mit rund 300 Fabriken mehr als 113.000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen sowie die duale Ausbildung für qualifizierte Arbeitskräfte eingeführt. Die deutschen Hersteller seien mit ihren US-Fabriken der größte Autoexporteur der USA. „Das alles stärkt die USA und ist kein Sicherheitsproblem“, so der Verband.

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Doch trotz der hohen Investitionen in den USA wird ein beachtlicher Anteil immer noch aus Deutschland exportiert – mit einem vergleichsweise geringen Einfuhrzoll von 2,5 Prozent. Das gilt insbesondere für die Premiumhersteller wie Mercedes, BMW, Audi und Porsche. Die liefern besonders gerne ihre Spitzenmodelle wie die Mercedes S- und E-Klasse, die BMW-Baureihen 5 und 7, die Audis A6 und A8 sowie sämtliche Porsche-Geländewagen über den Atlantik. 2018 waren das rund 600.000 Stück.

Das entspricht rund zehn Prozent der deutschen Produktion – doch aufgrund des hohen Luxusanteils ist es ein überaus lukrativer Anteil. Strafzölle würden in den USA wie Luxussteuern wirken und den Absatz und die Marge empfindlich einbrechen lassen.

Insbesondere die großen süddeutschen Autostandorte wie der Großraum Stuttgart und die BMW-Standorte in Niederbayern wären erheblich betroffen. Während BMW und Mercedes mit ihren US-Produktionen wenigstens einen Teil der Verluste auffangen könnten, wären die VW-Töchter Audi und Porsche härter betroffen, denn sie haben keine US-Werke.

Die Marktforscher von ISI Evercore beziffern den jährlichen Verlust für den VW-Konzern auf 2,3 Milliarden Euro, BMW und Daimler müssten jeweils mit Belastungen von 1,7 bis zwei Milliarden Euro rechnen.

Investitionen in Aussicht gestellt

Dass Trump seinen Worten Taten folgen lässt, erlebten Mercedes und BMW bereits im vergangenen Jahr. BMW und Mercedes nutzen ihre Werke in den USA für den Geländewagenexport nach Fernost. Als China als Vergeltung für US-Strafzölle die Abgaben auf Autoeinfuhren aus den USA auf 40 Prozent anhob, reagierte man in München und Stuttgart mit Gewinnwarnungen.

Allein BMW bezifferte die zusätzlichen Kosten dieser Maßnahme auf 300 Millionen Euro. Zwar hat China die Zölle seit Anfang Januar wieder auf 15 Prozent gesenkt. Doch zumindest BMW plant bereits, mehr Produktion aus den USA nach China zu verlagern, um bei einer neueren Eskalation weniger verwundbar zu sein.

Auch die neue Freihandelszone zwischen den USA, Kanada und Mexiko setzt die Autokonzerne unter Druck. So müssen demnächst 75 Prozent der Teile eines Autos aus der Nafta-Region kommen, um nicht mit Zöllen und Abgaben belegt zu werden. Daimler und BMW, die größten Autoproduzenten im Süden der USA, kommen derzeit auf Werte zwischen 65 und 70 Prozent, auch weil sie Motoren und Getriebe immer noch aus Deutschland importieren.

Weitere Produktionsverlagerungen sind schwierig

Bei einem Treffen mit US-Handelsminister Wilbur Ross im Dezember stellten sie zusätzliche Investitionen in den USA in Aussicht: Volkswagen will ein Werk für Elektroautos errichten. Daimler und BMW erwägen, mehr Komponenten wie Motoren und Getriebe in den USA zu fertigen. Die Stückzahlen steigen ohnehin.

BMW will seine Produktion in South Carolina von 380.000 Autos pro Jahr auf 450.000 steigern. Mit dem in Bau befindlichen Werk in Mexiko kommen die Münchener mittelfristig auf 600.000 Stück pro Jahr, ein Import von Motoren und Getrieben mache dann keinen Sinn mehr, heißt es im Konzern.

Ob das der Regierung Trump reicht, ist offen. Weitere Produktionsverlagerungen in die USA sind schwierig. Die vorwiegend in Deutschland gefertigten Limousinen sind aufwendig zu bauen und klein in den Stückzahlen. Für solche Modelle lohnt nur ein hochqualifizierter Standort wie Deutschland. Zudem sitzen den Automanagern die Arbeitnehmer im Nacken, die wegen des Umstiegs auf Elektromobilität ohnehin um die Jobs fürchten.

Den deutschen Autobauern drohen ungemütliche Wochen. In China lahmt die Konjunktur, in Europa rückt ein ungeordneter Brexit näher. Sollten dann auch noch aufgrund von Strafzöllen die Ausfuhren in die USA einbrechen, stünde die Autoindustrie vor einem perfekten Sturm. Noch ist es nicht so weit, Trump hat 90 Tage Zeit, um auf den Bericht des Handelsministeriums zu reagieren. Einer neuen Gesprächseinladung nach Washington wird sich sicher kein deutscher Automanager verweigern.

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