Hanf statt Schokolade Cannabis sorgt in kanadischer Stadt für neue Perspektiven

In der kanadischen Kleinstadt Smith Falls wurde lange Schokolade produziert. Dann schloss der Hersteller das Werk. Nun wird dort Hanf angebaut.
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Die Canopy-Growth Mitarbeiter Bruce Trevorrow und Marc Potvin entfernen Blätter von den Hanfpflanzen, damit sie kräftigere Blüten entwickeln. Die Cannabis-Wirkstoffe, so genannte Cannabinoide, sind vor allem in den Blüten enthalten. Quelle: Gerd Braune
Kontrollierter Anbau

Die Canopy-Growth Mitarbeiter Bruce Trevorrow und Marc Potvin entfernen Blätter von den Hanfpflanzen, damit sie kräftigere Blüten entwickeln. Die Cannabis-Wirkstoffe, so genannte Cannabinoide, sind vor allem in den Blüten enthalten.

(Foto: Gerd Braune)

Smith Falls Auf langen Tischen stehen in dem Gewächshaus hunderte Pflanztöpfe. Ein tropisches Paradies, hell ausgeleuchtet, in dem die Pflanzen hervorragend gedeihen. Fast sieht es aus wie eine gewöhnliche Gärtnerei. Wären da nicht einige Besonderheiten.

Die Frauen und Männer, die in dem Gewächshaus arbeiten und Blätter von den etwa einen Meter hohen Pflanzen abreißen und in Plastiksäcke werfen, tragen Haarnetze und Handschuhe, einige auch Mundschutz. Wer das Gewächshaus betreten möchte, muss einen Overall als Schutzanzug anziehen. Eine Chipkarte mit Sicherheitscode ist der Türöffner. Denn hier wächst ein kostbares, sensibles Gut: Cannabis, das für den medizinischen Einsatz vorgesehene Marihuana.

Das Gewächshaus gehört dem Unternehmen Tweed Inc., einem der großen kanadischen Produzenten von Hanfblüten. Hier in Smith Falls, einem etwa 9.000 Einwohner zählenden Städtchen vor den Toren der kanadischen Hauptstadt Ottawa, haben Tweed und sein Mutterunternehmen Canopy Growth Corporation ihren Sitz.

Die Cannabisindustrie in Kanada vor einer Zeitenwende: Ab Sommer wird in Kanada auch der Konsum von Cannabis als Freizeitdroge, das so genannte „recreational marihuana“ legalisiert. Kanadas Cannabisproduzenten bereiten sich auf den wesentlich größeren Markt vor. Immer mehr Unternehmen erhalten staatliche Lizenzen für den Anbau.

Auch Canopy und Tweed expandieren. In rund 30 Hallen wachsen auf rund 17.000 Quadratmetern Fläche Tausende Cannabispflanzen. Bald soll die Anbaufläche allein in Smith Falls doppelt so groß sein. Insgesamt hat das Holdingunternehmen Canopy mit seinen mehr als ein Dutzend Tochterunternehmen bereits rund 100.000 Quadratmeter lizenzierte Anbaufläche, das entspricht mehr als 14 Fußballfeldern.

„Mit den bereits bereits begonnenen und geplanten Erweiterungen streben wir an, in einigen Jahren etwa 5,6 Millionen Quadratfuß Anbaufläche zu haben“, sagt Canopy-Sprecher Jordan Sinclair – also rund 560.000 Quadratmeter.

Elf Fakten zur Cannabis-Industrie
Grünes Gold
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Viele US-Bundesstaaten haben den Verkauf von Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisiert. In den USA ist seit einigen Jahren eine florierende Industrie um die grüne Droge entstanden. Ein Blick in die Statistik eines Marktes, der lange im Dunklen lag.

Steigender Umsatz
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Die Branchenzeitschrift „Marijuana Business Daily“ schätzt dem Umsatz des Einzelhandels mit medizinischem Cannabis in den USA auf 2,45 Milliarden Dollar. Hinzu kommen 1,8 Milliarden Dollar mit nicht-medizinischem Cannabis. Insgesamt werde der Einzelhandelsumsatz mit der Droge auf 11,9 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 ansteigen, sagen die Experten voraus.

Kein Vergleich zu Zigaretten und Alkohol
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Trotz des rasanten Wachstums ist Cannabis noch weit davon entfernt, die beliebteste Droge der Amerikaner zu werden. Mit Bier werden in den Staaten allein 106 Milliarden Dollar umgesetzt, mit Zigaretten 76,9 Milliarden Dollar.

Rauchen für die Staatskasse
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Auch die US-Steuerkasse profitiert von der Legalisierung. Nach Schätzungen beliefen sich die Steuereinnahmen im vergangenen Jahr auf 745 Millionen Dollar. Im Jahr 2020 wird der Staat sogar rund 2,3 Milliarden Dollar am Cannabishandel verdienen.

Jobmotor Joint
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Landesweit sind ganze 197.500 Arbeitnehmer direkt oder indirekt mit dem Verkauf von Cannabis beschäftigt. Zum Vergleich: Die Zahl der Bäcker in den USA wird auf 185.000 geschätzt.

Eine breit gefächerte Industrie
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Über die Zahl der Cannabis-Unternehmen gibt es unterschiedliche Angaben: „Marijuana Business Daily“ schätzt, dass es in der US-Cannabisindustrie 105 Testlabore, 1100 Produkthersteller, 3500 Anbauer und 4050 Cannabis-Shops gibt. Hinzu kommen rund 18.000 Subfirmen und Dienstleister.

Einfallsreiche Industrie
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Entsprechend kreativ sind die Unternehmen bei der Erfindung von Zusatzprodukten. Diese Snacks etwa sollen das Konsumerlebnis der Droge verstärken.

Ableger von kräftigen Mutterpflanzen, die im „Motherroom“ gehalten werden, sorgen dafür, dass ständig Tausende Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien zur Verfügung stehen. Ihre Ableger kommen dann in den „Klonraum“, wo sie unter Plastikhauben herangezogen werden.

In vier Vegetationsräume können sie danach heranreifen. Blättern werden entfernt, so dass die Pflanzen kräftige Blüten entwickeln können. Sie werden „getrimmt“, wie die Mitarbeiter sagen. Erst wenn sie groß genug sind, können sie in den „flowering rooms“ ihre Blüten bilden.

Schwüle Hitze schlägt dem Besucher im Vegetationsraum entgegen. „Die Pflanzen brauchen für optimales Wachstum hohe Temperaturen und das richtige Maß an Luftfeuchtigkeit“, erläutert Caitlin O´Hara, die durch die Hallen führt. Selbst der leichte und dünne weiße Overall scheint schweißtreibend zu wirken.

„Ich wechselte zu Cannabis und es half mir sehr“
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