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Harald Kröger im Interview Bosch-Topmanager: „An einigen Stellen können wir es besser machen als Tesla“

Harald Kröger baut für den weltgrößten Autozulieferer ein Softwarehaus auf. Der Manager erklärt, wie das die Rolle gegenüber den Autoherstellern verändert.
21.07.2020 - 16:20 Uhr Kommentieren
Der Manager entwickelte bis vor vier Jahren für Daimler Elektroautos. Jetzt baut er für Bosch ein Softwarehaus fürs Auto auf. Quelle: Bosch
Harald Kröger

Der Manager entwickelte bis vor vier Jahren für Daimler Elektroautos. Jetzt baut er für Bosch ein Softwarehaus fürs Auto auf.

(Foto: Bosch)

Stuttgart Herr Kröger, ist das neue Softwarehaus Cross-Domain Computing Solutions ein epochaler Schritt für Bosch oder nur Etikettenschwindel?
Wir bündeln unsere Software- und Elektronikkompetenz. Bosch ist heute längst ein Softwareunternehmen mit 30.000 Softwareentwicklern, rund die Hälfte davon in der Mobilitätssparte. Von diesen werden 8000 in der neuen Geschäftseinheit arbeiten.

Und Sie sind der Kopf der neuen Einheit?
Ja, aber das ist kein Chefprojekt. Wir haben die Entscheidung, den neuen Bereich zu gründen, ein Jahr lang vorbereitet. Unsere Entwickler spielen uns zurück, dass wir damit genau den richtigen Schritt machen. Wir setzen auf enge Zusammenarbeit, damit die gesamte Softwarearchitektur aus einem Guss ist. Wie bei einem Baukasten sollen dann alle Teile reibungslos zueinander passen, natürlich auch die Hardware.

Tesla setzt auf einen zentralen Computer. Dort geht doch die Reise hin.
Auch Tesla hat mehr als einen zentralen Computer – und eine ganze Reihe von Steuergeräten. Ein einziger superschneller Computer, über den alles läuft, hat auch ein Ausfallrisiko. Und wenn alle Funktionen in nur einem zentralen Rechner verbunden sind, gibt es zudem deutlich mehr Kabel und damit Gewicht im Auto.

Dennoch ist die Lösung elegant, und sie verändert die Industrie.
Es gibt durchaus Argumente dafür, auf zwei oder drei dieser Rechner zu setzen, die im Fahrzeug an den entsprechenden Stellen verteilt sind. Es geht allerdings nicht nur darum, wie elegant eine Lösung ist, sondern auch wie sicher und leistungsfähig sie ist und was sie kostet.

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    Soll das heißen, ihr System ist besser als Tesla?
    Tesla ist ein wichtiger Kunde für uns und ist Pionier in vielen Bereichen. Mit unserem neuen Geschäftsbereich können wir es künftig an einigen Stellen noch besser machen. Unser Ziel ist eine passgenaue Elektronikarchitektur für jeden Kunden.

    Ist das nicht ein bisschen dick aufgetragen. Die deutsche Autoindustrie hinkt doch bei Elektromobilität hinterher?
    Da wird unsere Industrie unterschätzt. Warten wir die nächsten Schritte ab.

    Hat Deutschland beim Wettrennen um das Gehirn des Autos überhaupt eine Chance gegen die Internetgiganten?
    Ja sicher. Diese Konzerne wollen sich eher nicht mit dem sicherheitsrelevanten Zusammenspiel von Fahrwerk, Antriebsstrang und Assistenzsystemen befassen. Genau hier liegt die Stärke von Bosch.

    Grafik

    Aber wenn jetzt jeder Autohersteller sein eigenes Betriebssystem entwickelt, geht doch wieder Zeit verloren. Denken Sie an die Probleme beim ID.3 von Volkswagen.
    Über die Pläne und Strategien unserer Kunden äußern wir uns grundsätzlich nicht. Für Bosch kann ich sagen, dass zu unserem Angebot in Zukunft noch viel mehr eine auf die Wünsche des Kunden zugeschnittene Beratung gehört. Es ist heute nicht mehr so, dass wir nur ein Lastenheft abarbeiten. Mit unserer neuen Struktur decken wir alle relevanten Bereiche der Fahrzeugelektronik ab. Der Kunde entscheidet, was er von uns beziehen will. Er kann sicher sein, dass unsere Lösungen kompatibel sind, auch wenn beispielsweise der Antriebsstrang von einem anderen Zulieferer kommt.

    Aber Sie könnten auch alles liefern?
    Ja. Doch das entscheiden die Kunden.

    Wann werden die ersten Systeme verfügbar sein?
    Wir haben vor sechs Jahren begonnen, Fahrzeugrechner für einzelne Subsysteme zu entwickeln. Sie sind heute serienreif, und wir haben bereits Aufträge.

    Wird die Software zum Gamechanger in der Autoindustrie?
    Sie ist schon jetzt ein entscheidender Erfolgsfaktor. Bosch fängt nicht bei null an, und das macht uns zu einem attraktiven Partner. Wir entwickeln seit 40 Jahren Software für Automobile und investieren drei Milliarden Euro pro Jahr in Software. Jetzt stellen wir eine sehr entscheidende Weiche in der Organisation.

    Bereiten Sie denn eine Ausgliederung vor?
    Nein, im Gegenteil. Wir haben extrem motivierte Mitarbeiter, die sehr engagiert im Team arbeiten. Ich bin ja von einem Automobilhersteller zu Bosch gewechselt, weil wesentliche technische Innovationen für die Automobilität hier ihren Ursprung haben. Und diese Begeisterung für Innovation habe ich hier vom ersten Tag an gespürt. Hier entfaltet sich eine Kraft.

    Herr Kröger, vielen Dank für das Interview.

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