Harsche Kritik Lammert nennt Piëch einen „Außerirdischen“

VW-Patriarch Ferdinand Piëch verstoße gegen Regeln der guten Unternehmensführung und verhalte sich wie ein „Außerirdischer“, sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert. Die VW-Zentrale weist die Kritik empört zurück.
Update: 15.06.2012 - 14:43 Uhr 37 Kommentare
VW-Patriarch Ferdinand Piëch steht in der Kritik. Quelle: dapd

VW-Patriarch Ferdinand Piëch steht in der Kritik.

(Foto: dapd)

Wolfsburg/BerlinIn seinem Unternehmen ist er der unangefochtene Leitwolf. Doch in der Öffentlichkeit eckte VW-Patriarch Ferdinand Piëch mit seinem eigenwilligen Führungsstil zuletzt häufiger an. Sein jüngster Kritiker: Bundestagspräsident Norbert Lammert. Vor 200 Teilnehmern bei einem Treffen der Deutschen Corporate-Governance-Kommission griff Lammert den 75-jährigen Piëch direkt an. Der VW-Patriarch setze sich über alle firmeninternen Regeln für gute Unternehmensführung hinweg - als sei er ein „Außerirdischer“.

Die genehmigten Vorstandsvergütungen seien nicht nachvollziehbar gestaltet. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Gehälter der Vorstände nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zu den Gehältern der Belegschaft stehen, betonte Lammert. Auch mit der Wahl von Piëchs Ehefrau Ursula in den VW-Aufsichtsrat geht der Politiker hart ins Gericht. Sie sei nicht den unabhängigen Mitgliedern des Aufsichtsrates zuzuordnen und trage damit nicht dazu bei, das Vertrauen der Anleger zu stärker.

Volkswagen hält die Verbalschelte für maßlos überzogen - und konterte mit ungewöhnlich harschen Worten. „Das Einzige, was außerirdisch ist, sind die absolut mangelhaften Sachkenntnisse von Herrn Lammert“, sagte Kommunikationschef Stephan Grühsem. „Erst informieren, dann reden. Diese Reihenfolge scheint in der Politik nicht mehr zu gelten.“
Der Autoriese verweist auf eigene Selbstverpflichtungen. Damit meine es das Unternehmen sehr ernst, heißt es. Die Regelungen haben allerdings keinen rechtsverbindlichen Charakter. Es handelt sich um Empfehlungen wie in anderen Konzernen, die sich Leitlinien zur sogenannten Corporate Governance geben.

Ferdinand Piëch wie er leibt und herrscht
Hauptversammlung MAN SE
1 von 15

Mittlerweile in seinem achten Lebensjahrzehnt angekommen, erntet der mächtigste Mann der europäischen Automobilindustrie heute die Früchte seiner Karriere. Der Denker und Lenker der Porsche-Eigentümerfamilien und Königsmacher von VW, MAN und Scania kann sich in seinem großen Imperium bewegen wie er will, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Waffe der Wahl: Eine Mischung aus Entschlossenheit, Machtinstikt und Taktik.

Kritik an Piech wegen Doppelrolle bei VW und MAN
2 von 15

Dabei hat es für Piëch gar nicht so einfach angefangen. Als sein Vater Anton starb, war er erst 15 Jahre alt. Da seine Mutter sich verstärkt um die Geschäfte kümmern musste, wurde auch die Legasthenie des nur mäßigen Schülers nicht erkannt. Stattdessen wurde er auf ein Schweizer Internat geschickt, als seine Noten immer schlechter wurden. Eine Zeit, die Piëch selber in seinem Buch als "finster" bezeichnete.

PIECH VW
3 von 15

Aufgrund der Tatsache, dass seine Lese- und Schreibschwäche nicht erkannt wurde, traute man ihm die Nachfolge im Konzern nicht von Anfang an zu. Während seines Studiums an der ETH in Zürich änderte sich das. Piëch begeisterte sich zunehmend für Technik. Mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren schloss er sein Studium 1962 ab.

Autosalon Genf - VW - Präsentation
4 von 15

Zur Ruhe kommt Piëch trotz seiner anhaltenden Erfolge nicht: „Ich kann nicht etwas Gewonnenes feiern. Das liegt mir nicht. Dann ist schon wieder das Nächste dran“, hat er einmal gesagt.

PIECH SOMMER
5 von 15

Und dabei konnte Piëch machen, was er wollte. Wann immer es kritisch wurde, erwies er sich als "Teflon"-Manager - denn an ihm perlt alles ab: Sei es die „Lopez-Affäre“ um gestohlene Disketten des US-Konkurrenten General Motors, ...

Ferdinand Piech
6 von 15

... oder der Skandal um die Lustreisen des Betriebsrats auf Firmenkosten – dem kontrollfixierten Mann an der Spitze ließ sich nie etwas nachweisen. Damals ging es um Vergnügungsreisen, Bordellbesuche und Sexpartys. Unter anderem Betriebsratschef Klaus Volkert räumte nach dem Bekanntwerden der Affäre seinen Posten.

VW - Pischetsrieder Piech
7 von 15

Als großzügig erweist sich der Patriarch, wenn er jemanden aus dem Kosmos seiner Unternehmungen katapultiert. Beispiel Bernd Pischetsrieder, Piëchs Nachfolger als VW-Chef: Piëch holte ihn von BMW zu Volkswagen, um ihn vier Jahre später, 2006, wieder durch Winterkorn zu ersetzen. Persönliche Differenzen sollen der Grund gewesen sein. Kurz zuvor bekam Pischetsrieder aber gegen den Willen des Oberaufsehers noch einen neuen Vertrag in Millionenhöhe. Das Geld fließt, doch Pischetsrieder muss regelmäßig vom Chiemsee in sein Wolfsburger Schattenbüro fahren.

Piëch ist nach wie der wichtigste Mann im VW-Konzern. Zu den Markenzeichen des 75-Jährigen, der wichtige Grundlagen für den heutigen Weltkonzern VW schuf, gehören einsame Personalentscheidungen. Außerdem galt er vor allem während seiner Zeit als Vorstandschef als wenig zimperlich, Top-Manager zu feuern.

Piëch, der schillernde Autokönig
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Harsche Kritik - Lammert nennt Piëch einen „Außerirdischen“

37 Kommentare zu "Harsche Kritik: Lammert nennt Piëch einen „Außerirdischen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es gab schon mal ein außerirdische von gleicher Ecke. Auch er war ein Krieger. Am Ende ist bei ihm alles in die Hose gegangen! Von ihm nichts übrig geblieben!

    Wenn man damals (2001) als Vorstandvorsitzender der VW AG sich erlauben konnte, ein türkischstämmige Zuliefererfirma in Heinenkamp nur wegen seinen Herkunftsland Türkei vernichten lässt, dabei eigener türkischstämmiger Mitarbeiter bei VW wegen sein Herkunftsland Türkei leugnet, und sein vor 70 Jahren verpasstes Traum durch Hilfe seiner Bedienstenden (bei Justiz und Politik) erfüllen lässt, kann eigentlich nicht außerirdisch sein, sondern nur einer A.I. Wahrscheinlich er ist auch Stolz darüber!

  • @ winkler:

    Sehe ich genauso und was mich zusätzlich ärgert: Kritik, sei nun gerechtfertigt oder nicht, sollte doch bitte schön von jemandem kommen, der halbwegs auf Augenhöhe mit dem Kritisierten steht und nicht wie in diesem Fall meilenweit darunter ! Das wirkt einfach nur pharisäerhaft.

  • Sehe ich genauso und was mich zusätzlich ärgert: Kritik, sei nun gerechtfertigt oder nicht, sollte doch bitte schön von jemandem kommen, der halbwegs auf Augenhöhe mit dem Kritisierten steht und nicht wie in diesem Fall meilenweit darunter ! Das wirkt einfach nur pharisäerhaft.

  • Im Feministo- Sozialismus ist das eben so, DHL:
    Jedes Privatunternehmen wäre mit so einem Ding wie dem Ostflughafen Schönefeld pleite gegangen.
    Aber so heißt es: der Steuerzahler blecht ja sowieso.
    So wie jetzt bald auch der Rentner Winkler für die perverse Kopulation der Euro- Sozialisten mit den spanischen Pleitebanken, in deren Aufsichtsräten eben wieder jene Sozialisten und ihre gebenedeiten Geschlitzten rumhocken und sich die Taschen vollstopfen.
    Merke: Schuld hat nie der Kapitalismus, sondern der Polito, der die Spielregeln gemacht hat.

  • .. gefällt mir ausnehmend gut Ihr Kommentar. Wie man so schön sagt, den Nagel auf den Kopf getroffen und nebenbei auch noch schön formuliert. Chapeau !

    Betreffend die Politschranzen, die sich in den Aufsichtsräten tummeln, sage ich nur ... Berlin-Airport. Was dabei rausgekommen ist, kennen wir ja alle nur zu gut ! Und von solchen Gestalten, die in ihrem Leben noch nicht einmal einen Bruchteil dessen geleistet haben, was Herr Piech zustandegebracht hat, muss dieser sich auch noch Kritik anhören. Wahrlich eine verkehrte Welt !

  • Ich bin z.B. Rentner und weder Aktionär noch mit Piech verwandt noch verschwägert. Aber ich bin nicht so geistig ideologisch vernebelt um nicht zu erkennen, dass es Piech war, der aus VW einen führenden Konzern gemacht hat - auch zum Wohle aller Beschäftigten.

  • Was unterscheidet den Chef einer äußerst erfolgreichen Weltfirma von einer Polithofschranze? Eben. Siehe die unsägliche 'Eurorettung'.
    Bezeichnend ist die Frechheit, mit der dieser Kerl Piech versucht ans Bein zu pinkeln.
    Laut gelacht habe ich über die Gifterei wegen der zur Vorständin geadelten Ehefrau Piechs: sind es doch gerade die Politideologen, die als wesentlichstes Qualifikationsmerkmal eines Vorstandes das weibliche Geschlechtsteil ausgemacht haben. Es wunderte mich nicht, wenn Piech durch diese Aktion feinsinnig auf diesen kulturmarxistischen Unfug hinweisen wollte. Im Falle von Frau Piech kann man erleichert sein: guckt ihr wenigstens einer vom Fach auf die Finger und sie baut keinen Bockmist. Was man von den Politgeschlitzten, die sich ansonsten in den Aufsichtsräten tummeln, nicht gerade behaupten kann.

  • Oje, mal wieder jemand, der ausser persönlichen Beleidigungen nichts zu bieten hat ! Leider gibt es zuviele dieser Sorte in diesem unserem Lande !

  • Oje, lauter gutbezahlte Piech "Fans" !
    Speichellecker und Fussabstreifer.

  • Ich bin schon sehr verwundert über die Kommentare hier. Selbst wenn man die "Leistung" (welche eigentlich, weder Piech noch Winterkorn hab ich jemals an einem Band mit dem Schraubenschlüssel einen VW zusammen schraubend gesehen!) über die Absatzrekorde von VW würdigen will, da wird hier von ungehinderten Gehaltszahlungen und unangemessener Einmischung in Unternehmensentscheidungen durch Lammert (einer der Politiker der auch mal kritsche Anmerkungen macht und nicht nur abnickt!) fabuliert. Also genau das was uns bei den Banken mit ihren unregulierten Märkten, der Zockerei und den Gehalts- und Gewinnexzessen in die Sch... geritten hat.
    Was Frau Piech angeht: Lammert hat völlig recht, die Frau ist absolut unqualifiziert. Von Beruf Erzieherin, nur wenn es im AR von VW üblicherweise wie im Kindergarten zugeht habe ich noch Verständnis für diese Entscheidung. Ansonsten qualifiziert Frau Piech ausschließlich die Tatsache das sie mit ihrem Göttergatten Tisch und Bett teilt. Verständnis für Wirtschaft bedeutet aber ein wenig mehr als im Nobelrestaurant vom Inhaber persönlich begrüsst zu werden!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%